Berliner Palliativarzt gesteht Tötung von zwölf Patienten

Tötung von zwölf Patienten:Arzt gesteht Patienten-Morde: "Übernehme die Verantwortung"

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Nach einem Jahr Prozess gesteht ein Berliner Palliativarzt die Tötung von zwölf Patienten. Er übernehme die Verantwortung, sagt er - Nebenkläger zweifeln an seinen Motiven.

Die Prozessbeteiligten (l-r), die Rechtsanwälte des Angeklagten, Klaudia Dawidowic, Ria Halbritter und Christoph Stoll, sowie die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch (M) und Staatsanwalt Philipp Meyhöfer (2.v.r.) stehen beim Mordprozess gegen einen Palliativarzt.

Ein Berliner Palliativarzt hat im laufenden Mordprozess zwölf Taten gestanden. Er entschuldigte sich bei Angehörigen der Opfer und übernahm die Verantwortung für seine Taten.

25.06.2026 | 0:21 min

Fast ein Jahr nach Beginn eines Mordprozesses gegen einen Palliativarzt in Berlin darf der Mediziner am Donnerstagmorgen erstmals den verglasten Bereich im Landgericht verlassen. Er setzt sich neben seine Verteidiger. Und dann gesteht er zwölf der 15 angeklagten Taten und gibt damit die Tötung seiner Patientinnen und Patienten zu.

Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären und übernehme die Verantwortung für meine Taten.

Angeklagter Palliativarzt in Berlin

"Ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über sie gebracht habe", sagt der 41-Jährige an Angehörige sowie seine Familie und Kollegen gerichtet.

Der Deutsche steht seit Juli 2025 vor dem Landgericht Berlin, weil er im Rahmen seiner Tätigkeit als Palliativarzt im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 Patienten getötet haben soll. Er wurde Anfang August 2024 verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor.

Die Prozessbeteiligten (l-r), die Rechtsanwälte des Angeklagten, Klaudia Dawidowic, Ria Halbritter und Christoph Stoll, sowie die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch (M) und Staatsanwalt Philipp Meyhöfer (2.v.r.)

Der Palliativarzt habe sich als "Herr über Leben und Tod" aufgespielt, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

14.07.2025 | 23:50 min

Über 200 Zeugen und Sachverständige gehört

Mehr als 200 Zeugen und Sachverständige wurden in den zurückliegenden Monaten vor Gericht gehört, der Prozess neigt sich dem Ende zu. Mehrfach war vorher zu hören gewesen, der Angeklagte gebe möglicherweise eine Erklärung ab. Am 54. Verhandlungstag war es dann soweit: Gut 30 Minuten sprach der in Frankfurt am Main geborene Mann, der verheiratet und Vater eines Jungen ist.

Er äußere sich nicht wegen der "erdrückenden Beweislage", sondern wegen der Auseinandersetzung mit sich selbst in den vergangenen Monaten und den daraus gezogenen Erkenntnissen, erklärte der Angeklagte.

"Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören"

Vor einigen Wochen waren abgehörte Telefonate abgespielt worden, die der Arzt aus dem Gefängnis heraus mit seiner Ehefrau geführt hatte. In diesen hatte er bereits Tötungen zugegeben - er habe aber nicht gemordet, so der Angeklagte damals zu seiner Frau. Er beschrieb ihr gegenüber sein Vorgehen als ein "moralisches Handeln mit den falschen Mitteln".

Vor Gericht sagte der Arzt, er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten "Leid und Siechtum" zu ersparen. "Bei allem habe ich gedacht, das sei das Beste für alle", erklärte der Angeklagte. Sämtliche negativen Gefühle habe er nicht zugelassen, sich seiner Überforderung nicht gestellt und eigenmächtig gehandelt.

"Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören", sagte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst.

Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen.

Angeklagter

Die Prozessbeteiligten (l-r), die Rechtsanwälte des Angeklagten, Klaudia Dawidowic, Ria Halbritter und Christoph Stoll, sowie die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch (M) und Staatsanwalt Philipp Meyhöfer (2.v.r.)

Im Juli 2025 hatte der Prozess gegen den Palliativarzt begonnen.

14.07.2025 | 1:33 min

Nebenkläger: Erklärung nicht schlüssig

Hinterbliebene wurden im Prozess befragt, sie sind bis heute fassungslos. "Sie hatte Pläne, wollte mit ihrer Schwester an die Ostsee reisen - meine Mutter wollte weiterleben", sagte der Sohn einer 72-Jährigen, die am 24. Juli 2024 starb. Und die Mutter der 25-Jährigen erklärte: "Nie hat sie gesagt, dass sie nicht mehr leben wollte."

Aus Sicht ihres Anwalts ist die Erklärung des Angeklagten nicht schlüssig. Der Arzt erkläre sein Handeln mit der schweren Erkrankung der Opfer, "um die wahren Motive zu verstecken", sagte Nebenklägervertreter André Mors.

Das war kein vollumfängliches Geständnis. Seine Motive werden wir möglicherweise nie erfahren.

André Mors, Nebenklägervertreter

Ermittlungen zu weiteren Fällen laufen

Das Gericht will bis zur Fortsetzung des Prozesses am Montag (29. Juni) prüfen, ob zu der Erklärung des Angeklagten noch Fragen bestehen, wie die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch sagte. Ferner ist das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen geplant. Dabei geht es um ihre Einschätzung der Persönlichkeit und Schuldfähigkeit des 41-Jährigen. Ob danach die Beweisaufnahme geschlossen werden kann und die Plädoyers beginnen, ist noch offen.

Parallel zu der Verhandlung vor dem Landgericht laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 anderen Fällen in dem Kontext weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. Die Behörde schließt weitere Anklagen nicht aus. Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein.

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Quelle: dpa
Über das Thema berichtete ZDFheute Xpress am 25.06.2026 um 16:07 Uhr.
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