Prozess in Zweibrücken:Angeklagter gesteht tödliche Attacke auf Zugbegleiter
Zu Beginn des Prozesses um den tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hat der Angeklagte die Tat gestanden. Eine Tötungsabsicht bestritt er.
Am Landgericht Zweibrücken beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter. Der Schaffner verstarb zwei Tage nach der Tat.
24.06.2026 | 1:31 minKnapp fünf Monate nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Fahrscheinkontrolle in Rheinland-Pfalz hat der Prozess gegen einen 26-Jährigen begonnen. Der Angeklagte räumte den Angriff am ersten Verhandlungstag ein, bestritt vor dem Landgericht Zweibrücken aber jede Tötungsabsicht, wie eine Gerichtssprecherin sagte.
Tödliche Prügelattacke bei Fahrscheinkontrolle
Die Anklage wirft dem Beschuldigten, einem 26-jährigen griechischen Staatsbürger aus Luxemburg, Körperverletzung mit Todesfolge vor. Laut Staatsanwaltschaft kontrollierte der 36-jährige Zugbegleiter den Mann am 2. Februar in einem Regionalzug bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz. Da dieser keine Fahrkarte hatte, forderte der Zugbegleiter ihn zunächst auf, seinen Ausweis vorzuzeigen. Als der Angeklagte dies nicht tat, verwies der Bahnmitarbeiter ihn des Zugs.
Laut Anklage versetzte der Beschuldigte dem Zugbegleiter daraufhin wuchtige Faustschläge gegen den Kopf - das Opfer stürzte bewusstlos zu Boden und erlitt eine letztlich tödliche Hirnblutung. Der Verdächtige wurde wenig später im Zug festgenommen.
Der Zugbegleiter, ein alleinerziehender Vater, musste reanimiert werden und starb zwei Tage nach der Tat in einem Krankenhaus.
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23.06.2026 | 5:57 minAngeklagter bittet Familie um Vergebung
Der Angeklagte bat die Angehörigen um Verzeihung. "Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut", versicherte Ioanni V. durch seine Verteidigerin, die im Landgericht Zweibrücken eine entsprechende Mitteilung verlas.
Es sei ihm bewusst, dass seine Worte das Geschehene nicht rückgängig machen könnten. "Ich übernehme die volle persönliche Verantwortung", hieß es in der Mitteilung. "Auch wenn ich weiß, dass meine Worte Ihren Schmerz nicht erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen."
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04.02.2026 | 31:51 minNebenkläger bezweifeln Aufrichtigkeit der Entschuldigung
Der Verteidiger der Familie Çalar als Nebenklägerin reagierte auf die Einlassung des Angeklagten mit Skepsis. "Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung", sagte Yalçin Tekinoglu. Die Worte seien "komplett ichbezogen" gewesen.
Was hier den Angehörigen helfen würde, ist, wenn der Angeklagte, und das hat er ja verweigert, Angaben zur Tat machen würde.
Yalçin Tekinoglu, Anwalt der Familie Çalar
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04.02.2026 | 1:47 minAm ersten Prozesstag wurde im Landgericht ein Video gezeigt - aufgezeichnet von der Überwachungskamera im Regionalexpress. Als die Tat zu sehen ist, hört man lautes Schluchzen im Saal. Jemand springt auf und schreit "Hurensohn", mehrere Zuschauer verlassen den Raum, andere weinen.
Vater des Getöteten: "Für mich gibt es keinen Geburtstag mehr"
Am Mittag sagte der Vater aus. Als ihn die Nachricht vom Tod seines Sohnes erreichte, habe er einen Herzinfarkt erlitten, schildert Erdal Çalar. Ein Kind zu verlieren, sei das Schlimmste. Sein Sohn habe als Alleinerziehender seine eigenen beiden Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, großgezogen. "Was sollen sie schon sagen? Sie haben ihren Vater verloren." Als "es" passiert sei, habe er Geburtstag gehabt, sagt Erdal Çalar mit tonloser Stimme. "Für mich gibt es keinen Geburtstag mehr."
Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten, der als Buchhalter gearbeitet hat, ursprünglich wegen Mordes angeklagt. Das Landgericht geht hingegen im Prozess bisher von einer Körperverletzung mit Todesfolge aus. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann damit zwischen drei und 15 Jahren Gefängnis.
Insgesamt sind acht Verhandlungstage geplant. Mit einem Urteil wäre dann am 9. Juli zu rechnen.
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