Experte über Klimaphänomen:El Niño: Was sich vorhersagen lässt - und was nicht
Experten rechnen mit einem außergewöhnlich starken El-Niño-Phänomen in diesem Jahr. Der Meteorologe Andreas Fink erklärt, was sich vorhersagen lässt und wo es Unsicherheiten gibt.
Überschwemmungen, Dürren und Hitze: Für all das steigt laut Weltorganisation für Meteorologie das Risiko. Grund dafür ist das Klimaphänomen El Niño. ZDFheute live erklärt.
03.09.2026 | 25:11 minIn den kommenden Monaten könnten sich in manchen Regionen der Welt Überschwemmungen, Dürren und extreme Hitze häufen. Experten und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) der Vereinten Nationen rechnen damit, dass sich das Klimaphänomen El Niño in den kommenden Monaten erheblich verstärken könnte.
Woran das liegt und was das konkret bedeutet, hat der Meteorologe und Klimatologe Andreas Fink bei ZDFheute live erklärt. Trotz der berechtigten Warnungen und wissenschaftlicher Prognosen stellt er dabei auch klar: Vieles ist derzeit noch wenig vorhersehbar.
Wie außergewöhnlich wird das El-Niño-Ereignis diesmal?
Das derzeitige El-Niño-Phänomen sei "mit sehr großer Wahrscheinlichkeit" das stärkste dieser Art in der aktuellen Beobachtungsperiode, das heißt, seit mindestens 150 Jahren, sagt Fink. Vor allem in den vergangenen Monaten habe es sich sehr verstärkt. Erwartet wird, dass sogar der nachberechnete Rekord von 1877/1887 übertroffen werden könnte, bei dem viele Menschen weltweit die Auswirkungen zu spüren bekamen und Millionen starben. Fink gibt aber zu bedenken:
Natürlich hatte man damals eben nicht die Möglichkeit, die Bevölkerung vorzuwarnen. Und die Bevölkerung war damals auch noch deutlich verletzlicher gegenüber Extremwetter, als sie es jetzt ist.
Andreas Fink, Meteorologe und Klimatologe
Ein dramatisches Ausmaß werde es deshalb diesmal sicher nicht geben. Dennoch werde "ein gewisses Schadensausmaß" toleriert werden müssen. Fink rechnet damit, dass der Höhepunkt des diesjährigen El Niño wohl zum Ende des Jahres erreicht sein wird. Wahrscheinlich sei dann ein Abklingen im Frühjahr.
"Dieses Phänomen kommt ja natürlicherweise vor, wird aber durch den Klimawandel noch mal verstärkt", sagt Klimaforscher Anders Levermann zum Wetterphänomen El Niño mit Extremwetter.
03.09.2026 | 5:12 minWelche Regionen werden betroffen sein und wie?
Vor allem in den Regionen unmittelbar am Pazifik sowie in Afrika sei Extremwetter zu erwarten. Im südlichen Mittelamerika befinde sich derzeit eine Regenzone, die in den Norden Südamerikas abwandern könnte. Dort, konkret etwa an den "sonst sehr trockenen Küsten von Ecuador und Nordperu", müsse man dann mit starken Regenfällen und Überflutungen rechnen, erklärt Fink. "Weiter im Süden, in den sogenannten Extratropen, sind die Effekte nicht zu erwarten."
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06.05.2026 | 1:06 minDie jüngsten Niederschläge und die Sturzflut in der Region Tibet und in Nepal seien dagegen wohl eher nicht auf El Niño zurückzuführen, sondern auf allgemeine Wettervariabilität.
Was lässt sich prognostizieren und wo gibt es Unsicherheiten?
"Inzwischen sind wir in der Vorhersage der anormalen Wassertemperaturen im tropischen Pazifik sehr gut", sagt Fink. Auch die Auswirkungen auf die Niederschläge an der Küste des tropischen Südamerikas sowie Vorhersagen für Trockenheit und mögliche Brände in der Region Indonesien und Nord-Australien seien ebenfalls "sehr verlässlich".
Je weiter man von dieser Pazifik-Region weg geht, desto unsicherer werden die Auswirkungen.
Andreas Fink, Meteorologe und Klimatologe
Es gibt jedoch mehrere Regionen, für die Meteorologen nur schwierig Vorhersagen treffen könnten, gibt Fink zu bedenken, so auch die "mittleren Breiten der Nord-Hemisphäre". So gebe es zwar Indizien in der Wissenschaft, dass das Klimaphänomen schwache Auswirkungen auf den Winter in Europa und Deutschland haben könnte, etwa eine "minimale Tendenz" zu mehr Frost und etwas trockenerem Wetter. Eine sichere Prognose sei auf dieser Basis aber nicht haltbar, da auch andere Faktoren eine Rolle spielen würden.
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19.08.2026 | 6:29 minAuch Erfahrungen mit früheren El Niños - etwa aus den 1980er- und 1990er-Jahren oder aus den Jahren 2015/16 - seien nicht einfach übertragbar. Insgesamt seien auch Prognosen über ein halbes Jahr hinaus schwierig.
Ziemlich sicher lasse sich aber sagen, dass die Landwirtschaft betroffen sein wird. "Gerade bei Agrarprodukten, die in tropischen und pazifischen Regionen wachsen, gibt es Effekte, das wissen wir." Fink nennt beispielsweise die Kaffeeindustrie in Vietnam und anderen Regionen. "Da kann es durch Überschwemmungen und Trockenheit zu Preiserhöhungen kommen, die wir im Supermarkt auch spüren", sagt Fink.
Gibt es auch positive Effekte?
Einzelne Regionen auf der Welt können von stärkeren Niederschlägen auch profitieren. Fink erinnert daran, dass beispielsweise in der Region am Horn von Afrika, die oft mit Dürren zu kämpfen hat, mehr Niederschlag erwartet werde. Wenn diese im November und Dezember "gut beregnet" werden, könne das der Landwirtschaft helfen. Bei zu großen Niederschlagsmengen innerhalb kürzester Zeit drohten jedoch auch hier Überflutungen.
Das Interview führte Christina von Ungern-Sternberg. Zusammengefasst hat es Torben Heine.
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