Schule auf dem Land: Warum kleine Standorte zählen

Kampf um Mindestzahl von Schülern:Wie klein darf Schule sein?

von Marlene Lutz

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Um Dorfschulen zu retten, hat Mecklenburg-Vorpommern 2025 die Mindestschülerzahlen gesenkt. Aber kleine Schulen sind teuer. Welche Vorteile sie auf dem Land dennoch bieten.

Eine junge Frau und ein junger Mann stehen in einem Klassenzimmer

Das Leben auf dem Land wird für viele Familien kompliziert, wenn die Kinder in die Schule müssen. Der Schulweg ist dann oft lang und beschwerlich. Sind Dorfschulen eine Alternative?

27.04.2026 | 10:06 min

Jule ist Lehrerin, Mutter - und Schulgründerin. Nachdem sie mit ihrer Familie von Leipzig nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen war, hat sie eine Privatschule aufgebaut. Die kleine Dorfschule auf dem Land vor der Insel Usedom besuchen rund 50 Schülerinnen und Schüler in den Klassen eins bis zehn. Jules Schule wird gefördert, der Elternbeitrag liegt bei durchschnittlich 120 Euro.

Die Schule ist mehr als ein Lernort. Sie ist Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und Arbeitsplatz für 17 Menschen. Und sie ist ein Grund, warum sich Familien wieder für ein Leben auf dem Land entscheiden.

Kleine Schulen sind ein richtiger Motor für eine ländliche Entwicklung. Wenn Standorte schließen, fehlt ein Grund des Zuzugs.

Jule, Lehrerin und Schulgründerin

Informationen zur Gründung von Schulen





Kleine Jahrgänge ein Problem für Flächenländer

Wenn kleine öffentliche Schulen die Mindestschülerzahlen dauerhaft nicht erreichen, kann ihnen die Schließung drohen. Besonders dünn besiedelte Flächenländer wie Mecklenburg-Vorpommern kämpfen mit kleinen Jahrgängen. Bildungsforscher Kai Maaz untersucht seit Jahren die Entwicklung des Bildungssystems.

In vielen ländlichen Regionen würden starre Mindestschülerzahlen zwangsläufig zu Standortschließungen führen.

Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF)

Schwamm und Tafel in einer Schule

Zwischen Fehlzeiten, veralteten Gebäuden und Bürokratie: Schulen sollen erziehen und modern lehren, oft mit zu wenigen Mitteln. Die Gleichzeitigkeit der Probleme überfordert viele.

19.03.2026 | 3:24 min

Wie klein eine Schule sein darf, regeln die Länder. Manche geben eine Schulgesamtzahl vor, in anderen gelten Mindestzahlen pro Klasse oder Jahrgang.

Politik reagiert auf kleine Jahrgänge in Schulen

In Bayern und Hessen sollte eine Grundschulklasse im Schuljahr 2025/2026 mindestens 13 Kinder umfassen, Bremen gibt einen Richtwert von 22 vor. Thüringen wiederum lässt die Schulen entscheiden, in "pädagogischer Eigenverantwortung".

Mecklenburg-Vorpommern hat seine Vorgaben im letzten Jahr geändert: An Grundschulen im ländlichen Raum reichen nun 15 statt 20 Kinder. So sollen Schulstandorte besonders dort gesichert werden.

Schülerzahlen, Standorte, Finanzen




Was auf dem Land auf dem Spiel steht

Die Anpassung der Mindestschülerzahlen ist aus Sicht der Bildungsforschung kein pädagogischer Kurswechsel, sondern eine Reaktion auf den demografischen Wandel. Bundesweit stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2024/25 zwar leicht an. Doch regional kommen in vielen ländlichen Regionen immer weniger Kinder zusammen.

Eine braunhaarige Frau steht in einem Klassenzimmer vor einer Tafel.

Jule ist Lehrerin, Mutter und Schulgründerin: Nahe Usedom baute sie eine Privatschule auf, die für rund 50 Kinder Lernort, Dorf-Treffpunkt und Arbeitsplatz ist.

Quelle: Macondo

Werden Schulen zusammengelegt, verlängern sich die Wege - oft deutlich. Gerade für Grundschulkinder seien kurze Schulwege aber wichtig, sagt Bildungsforscher Maaz. Auch für Jule und ihre Familie ist der Schulweg ein Aspekt.

Dass unsere Kinder morgens zur Schule laufen und in fünf Minuten da sind, ist für mich als Mutter unglaublich wertvoll.

Jule, Lehrerin und Schulgründerin

Zu sehen ist ein Bahnhof in einem Dorf.

Tom lebt mit seiner Familie in Undorf bei Regensburg. Das Problem? Seine Tochter muss mit dem Zug in die Stadt fahren, um zur Schule kommen. Das ist nicht immer einfach.

02.03.2026 | 1:36 min

Schulen seien auf dem Land zudem mehr als reine Bildungseinrichtungen. "Sie sind Orte sozialer Begegnung, des Ehrenamts und der lokalen Öffentlichkeit", sagt Maaz. Gerade Grundschulen trügen wesentlich dazu bei, ob eine Gemeinde als familienfreundlich und damit als Lebensort attraktiv wahrgenommen werde.

Was ist mit den Kosten von Schulen?

Durchschnittlich gaben die öffentlichen Haushalte pro staatlichem Schulplatz 2023 9.800 Euro aus, so das Statistische Bundesamt. Wohl deutlich teurer noch sind die Schulplätze an kleinen Dorfschulen, denn viele Kosten fallen unabhängig von der Schülerzahl an: Gebäude, Heizung, Verwaltung und vor allem auch Personal.

Zwar sei Effizienz ein legitimes Kriterium, sagt Bildungsforscher Maaz, aber nicht das einzige. Die reine Betrachtung von Kosten pro Schüler greife zu kurz. Einsparungen könnten indirekt neue Kosten verursachen, etwa durch längere Schulwege oder sinkende Attraktivität ländlicher Räume.

Schüler und Schülerinnen einer Bremer Gesamtschule sitzen zusammen und lesen gemeinsam ein Buch.

An einer Bremer Gesamtschule können Schüler das Fach "Helping Hands" wählen: ehrenamtliches Engagement. Sie helfen etwa im Seniorenheim oder beim Naturschutz.

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Genau hier beginnt für Jule die Abwägung. "Natürlich ist es unwirtschaftlich, Klassen mit nur zehn Kindern zu unterrichten. Aber da ist wieder die Frage: Wo setzt man die Prioritäten?"

Für Jule ist die Antwort längst klar. Mit ihrer Schule hat sie für ihr Dorf einen neuen Zukunftsanker geschaffen. Auch ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern stärkt kleine Schulstandorte. Wie lange das trägt, bleibt offen.

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Nach den neuen Ergebnissen des Schulbarometer leiden immer mehr Schüler unter Leistungsdruck und Mobbing.

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Über dieses Thema berichtete WISO am 27.04.2026 ab 19:25 Uhr.
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