Urteil gegen Ex-IS-Paar wegen Verbrechen an Jesidinnen

Urteil am Oberlandesgericht München:Versklavung jesidischer Mädchen: Lebenslang für Angeklagten

von Petra Neubauer, München

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Das OLG München hat ein irakisches Paar wegen der Versklavung von zwei jesidischen Mädchen verurteilt. Der Angeklagte bekam lebenslang, seine Ex-Partnerin neuneinhalb Jahre.

Prozess gegen ein irakisches Ehepaar

Im Fall der Versklavung und Vergewaltigung zweier jesidischer Mädchen hat das OLG München einen Mann und seine Ex-Frau schuldig gesprochen. Beide waren Mitglieder der Terrormiliz IS.

13.07.2026 | 1:37 min

Ein irakisches Ehepaar ist wegen der Versklavung jesidischer Mädchen und Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) verurteilt worden.

Das Oberlandesgericht (OLG) München verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen den Mann, Twana H.S., und eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren gegen die Frau, Asia R.A., unter anderem wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden zwei jesidische Mädchen im Irak als Sklavinnen kauften, ausbeuteten und dass der Mann, der als Friseur in München arbeitete und sich dort in einer Moschee radikalisierte, die Kinder sexuell missbrauchte.

"Die monströse Gewalt liegt so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint", hatte die Vertreterin des Generalbundesanwalts erklärt. Alles habe dem Ziel des IS gedient, den jesidischen Glauben zu vernichten. Die heute 30-jährige Ehefrau hatte sich im Prozess entschuldigt und in ihrem letzten Wort gesagt: "Es tut mir leid". Ihr Ehemann hatte sich vor Gericht nicht äußern wollen.

Was wurde den ehemaligen Anhängern des IS vorgeworfen?

Laut Bundesanwaltschaft hatte das Paar 2015 auf einem Basar im Irak ein fünfjähriges jesidisches Mädchen gekauft. Asia R.A. hatte sich das Mädchen als Brautgabe gewünscht. Das Kind soll zur Hausarbeit gezwungen, misshandelt und zum Erlernen islamischer Gebete gezwungen worden sein. Wenn es nicht gehorchte, wurde es bestraft. Einmal soll Asia die Hand der Kleinen mit heißem Wasser verbrüht haben.

Später erwarben Twana H.S. und Asia R.A. ein weiteres, damals 12-jähriges Mädchen. Die inzwischen erwachsene Frau sagte im Prozess als Zeugin aus und berichtete dabei von Vergewaltigungen und Schlägen. "Ich wünschte mir, tot zu sein", erinnerte sie sich.

Ende 2017 gab das Ehepaar die Mädchen weiter an andere IS-Kämpfer. Die Ältere konnte, wie sie selbst erzählte, im Januar 2018 durch ihre Familie befreit werden, das Schicksal der Jüngeren bleibt unklar.

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Wer sind die beiden Angeklagten?

Twana H.S. kam Anfang der 2000er als Asylbewerber nach München. Er arbeitete als Friseur in Schwabing, lebte ein recht unauffälliges Leben. Dann aber soll er sich in einer Moschee zunehmend radikalisiert haben. Offenbar im Frühjahr 2015 reiste er zurück nach Syrien und in den Irak. Dort schloss er sich dem IS an. Wie genau seine Rolle dabei war, ist nicht ganz klar.

Als Twana H.S. Asia R.A. heiratete, war diese gerade 19 Jahre alt. In der Welt des IS habe sie sich ihrem Mann unterordnen müssen. Das jedenfalls ist die Lesart ihres Verteidigers.

Das Paar soll im Mai 2018 nach Deutschland zurückgekehrt sein, inzwischen ist es getrennt. Einige Zeit darauf wurde Twana H.S. wegen Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Im April 2024 wurden beide festgenommen - er im Landkreis Roth, sie in Regensburg, diesmal wegen der Völkermord-Vorwürfe.

Warum hat der IS solchen Hass auf Jesiden?

Erklärtes und offen propagiertes Ziel des IS ist unter anderem die Vernichtung der Jesiden. Der IS diffamiert sie als "Ungläubige" und "Götzenanbeter". Als die Kämpfer 2014 das Siedlungsgebiet der Jesiden im Nordirak angriffen, wurden Tausende Frauen und Mädchen verschleppt und vergewaltigt. Das Vorgehen gilt als zentrales Instrument des IS bei seiner Vernichtungspolitik gegen die Jesiden.

Deutschland hat die Verbrechen des IS an den Jesiden als Völkermord anerkannt, so können deutsche Gerichte bestimmte Völkerrechtsverbrechen auch dann verfolgen, wenn sie Tausende Kilometer entfernt stattgefunden haben.

Mit Material von dpa und AFP

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 12.07.2026 um 00:40 Uhr.

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