Anlaufen auf Kanarischen Inseln?:Aufregung und politischer Streit um Hantavirus-Schiff
Das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff soll die Kanarischen Inseln anlaufen. Der Präsident der Kanaren wehrt sich dagegen.
Das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff darf einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anlaufen. Dort sollen Passagiere und Besatzung medizinisch versorgt werden.
06.05.2026 | 0:24 minDer geplante Anlauf eines von Hantavirus-Fällen betroffenen Kreuzfahrtschiffs auf den Kanarischen Inseln sorgt in Spanien für Aufregung und politischen Streit. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er beklagt "fehlende Transparenz" und fordert ein "dringendes Treffen" mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.
"Wir haben (von der Zentralregierung) bislang keinerlei Informationen erhalten, und auch keinen offiziellen Antrag für das Anlaufen auf den Kanaren", sagte Clavijo im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE. Er habe Sánchez und Gesundheitsministerin Mónica García per Whatsapp um Gespräche gebeten. Bisher stütze sich seine Regierung ausschließlich auf Medienberichte.
Bisher drei Passagiere gestorben
Das spanische Gesundheitsministerium hatte am Dienstagabend mitgeteilt, die Entscheidung, dass das Schiff die Kanaren anlaufen soll, sei in Abstimmung mit der WHO und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden. Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit im Atlantik vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas.
Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sterben drei Passagiere mutmaßlich an dem Hantavirus, darunter auch ein Deutscher. Die Gäste sitzen auf dem Schiff fest.
05.05.2026 | 1:36 minBislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden "Hondius" gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. An Bord befanden sich demnach zuletzt insgesamt 149 Menschen: 88 Passagiere (darunter ein Todesfall) und 61 Crewmitglieder. Die größte Nationalitätsgruppe stellen Briten (19) und US-Amerikaner (17), gefolgt von Spaniern (14).
Zwei erkrankte Besatzungsmitglieder und eine Kontaktperson sind von Bord geholt worden. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte, die drei Betroffenen seien nun auf dem Weg in die Niederlande. Die Kontaktperson des deutschen Todesopfers soll mit einem Spezialflugzeug nach Amsterdam und von dort weiter nach Düsseldorf gebracht werden. In der dortigen Uni-Klinik werde die Frau dann untersucht und getestet.
Schiff soll Teneriffa mit spezialisierter Klinik anlaufen
Nach spanischen Medienberichten soll das Schiff die bei Touristen sehr beliebte Insel Teneriffa anlaufen, wo es mit dem Hospital Candelaria eine auf Epidemien spezialisierte Klinik gibt. Zudem solle der infizierte Schiffsarzt mit einem medizinisch ausgestatteten Flugzeug auf die Kanaren ausgeflogen werden, berichteten Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid.
Aus Traumreise wird Alptraum: Drei Menschen starben nach dem mutmaßlichen Ausbruch des Hanta-Virus auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im Atlantik. Derzeit darf niemand von Bord gehen.
05.05.2026 | 1:58 minBei zwei untersuchten Passagieren wurde nach Angaben des südafrikanischen Gesundheitsministeriums ein Typ des Hantavirus festgestellt, bei dem Infektionen zwischen Menschen bei engem, länger andauerndem Kontakt möglich sind.
Experten: Risiko für Bevölkerung der Kanaren "gering"
Clavijo forderte Klarheit über die Entscheidungsgrundlage. "Wenn das Risiko wie behauptet gering ist, verstehen wir nicht, warum die Passagiere drei Tage bis zu einem kanarischen Hafen weiterfahren müssen, wenn sie auch von einem Flughafen in Praia (Kap Verde) aus evakuiert werden könnten", sagte er. Es spreche nichts dagegen, die Reisenden direkt in die Niederlande auszufliegen - dort habe die Reederei ja ihren Sitz.
Auf die Frage, ob er sich einem Anlaufen auf den Kanaren widersetzen würde, ging der Regionalpräsident nicht direkt ein. "Wir brauchen mehr Informationen." Angesichts der fehlenden Transparenz "können weder die Bevölkerung auf den Kanaren noch die Regionalregierung beruhigt sein, denn die Gefahr ist real". Von Medien befragte spanische Experten entgegneten, das Risiko für die Bevölkerung des Archipels im Atlantik sei gering. "Sogar Null, oder kleiner als Null, würde ich sagen", betonte der Epidemiologe Amos García in RTVE.
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