Grundsteinlegung in Köln: Rheinwasser für die Energiewende

Grundsteinlegung in Köln:Rheinwasser für die Energiewende

Ralph Goldmann

von Ralph Goldmann

|

In Köln und Mannheim entstehen riesige Flusswasserwärmepumpen am Rhein. Sie sollen Zehntausende Haushalte ohne schädlichen CO2-Ausstoß mit Wärme versorgen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (2.v.r.) besucht die Grundsteinlegung der Flusswasser-Wärmepumpe beim Unternehmen Rheinenergie.

Am Rhein wird derzeit die größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas gebaut. Sie soll 50.000 Haushalte versorgen. ZDF-Reporter Ralph Goldmann zeigt, wie sie funktioniert.

23.07.2026 | 1:39 min

Es herrscht reges Treiben auf der Baustelle auf dem Gelände des Heizkraftwerks in Köln-Niehl. In unmittelbarer Nähe zum Rhein sind Arbeiter damit beschäftigt, Fundamente fertigzustellen. Die riesigen Rohre, die einmal das Wasser aus dem Hafenbecken in die Pumpe und wieder zurückleiten sollen, sind bereits zu sehen.

Der Anlagenbauer Everllence baut hier im Auftrag des Energieversorgers RheinEnergie Europas größte Flusswasserwärmepumpe. Sie soll ab 2028 mithilfe von Rheinwasser eine Leistung von 150 Megawatt (MW) erreichen und damit bis zu 50.000 Haushalte über das Fernwärmenetz mit Wärme versorgen.

Symbolbild für Fernwärme: Arbeiter bereiten Rohre für Fernwärmeleitungen auf einer Baustelle vor

Mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern – dafür soll im sächsischen Görlitz ein gemeinsames Fernwärmenetz mit der polnischen Schwesterstadt Zgorzelec bis 2030 entstehen.

31.03.2026 | 1:32 min

Vorreiter für Anlagen: Skandinavien

Everllence hat ähnliche, aber kleinere Pumpen bereits in Skandinavien errichtet. In Deutschland sei das die erste ihrer Art, sagt Projektleiter Anton Stadler.

Ein Anlage mit so hoher Leistungsdichte und so hohem Wirkungsgrad haben wir noch nie gebaut. Das ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Anlage.

Anton Stadler, Projektleiter des Anlagenbauers Everllence

Die Anlage erzeugt die Wärme ähnlich wie eine herkömmliche Wärmepumpe, nutzt Wasser statt Umgebungsluft als Wärmequelle. Dem Rheinwasser wird über einen Wärmetauscher Wärme entzogen und mithilfe eines Kältemittels erhitzt.

Nachdem die Wärme entzogen wurde, die als Fernwärme für die Heizungen in den Wohnungen genutzt wird, wird das um wenige Grad abgekühlte Flusswasser wieder in den Fluss zurückgeleitet, erklärt Stadler: "Das hat für den Rhein und die Umwelt keinen negativen Einfluss. Das ist mit allen Ämtern abgeklärt."

So funktioniert eine Flusswärmepumpe: Mit drei Kreisläufen wird aus der Wärme eines Flusses Warmwasser für Wohnungen erzeugt. Die Temperatur, z. B. des Rheins, kann als Energiequelle genutzt werden. Die Flusswärme bringt Kühlmittel zum Verdampfen. Dieses Gas wird dann mit einem Elektromotor stark verdichtet. Das komprimierte Gas wird so heiß, dass schließlich Wasser für das Fernwärmenetz erhitzt werden kann.

Weitere Pumpe in Mannheim geplant

Die Kölner Anlage könnte ihren Titel "Die größte Europas" schon bald wieder los sein. Bei der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (MVV) ist bereits eine Anlage mit 20 MW Leistung (für 3.500 Haushalte) in Betrieb. Geplant ist aber schon eine zweite Flusswasserwärmepumpe mit bis zu 165 MW Leistung. Sie soll sogar eine der größten ihrer Art weltweit werden.

Als Vorreiter beim Einsatz großer Wärmepumpen in Fernwärmesystemen gilt Skandinavien - dank der dort vergleichsweise günstigen Strom-, aber hohen Gaspreise.

Deutschland ziehe mit dem Wärmeplanungsgesetz und öffentlicher Förderung jetzt langsam nach, sagt Fabian Ahrendts. Er ist Leiter der Abteilung Thermische Energieanlagen bei der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG).

Großwärmepumpen stellen gerade für den urbanen Raum mit die günstigste Lösung für erneuerbare Wärmeversorgung dar.

Fabian Ahrendts, Fraunhofer IEG

Ahrendts ergänzt: "Es ist aber so, dass diese Anlagen nur durch Förderung wirtschaftlich werden." Deshalb fördern Bund und EU das 280-Millionen-Euro-Projekt in Köln mit 100 Millionen Euro. Die Anlage spare rund 100.000 Tonnen Kohlendioxid jedes Jahr, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei der Grundsteinlegung und hofft auf viele weitere Projekte dieser Art.

Ich freue mich, dass aus Köln das Signal nach Deutschland ausgeht, was alles möglich ist.

Katherina Reiche, CDU, Bundeswirtschaftsministerin

Gaskraftwerk in Hürth

Um die Stromversorgung im Zuge der Energiewende zu sichern sollen weitere Gaskraftwerke gebaut werden. Das sieht ein neuer Gesetzentwurf der Bundesregierung vor.

13.05.2026 | 1:52 min

Damit solch große Pumpen auch tatsächlich klimaneutrale Heizungswärme liefern, müsste auch der Strom, der sie antreibt, grün sein. Deshalb werde die Wärmepumpe auch nur in Zeiten betrieben, in denen sehr viel Wind- und Sonnenstrom im Markt sei. In Zeiten, in denen Strom mit dem benachbarten Gaskraftwerk erzeugt werden müsse, werde sie nicht eingesetzt, sagt Armin Ehret von der RheinEnergie.

"Kein Allheilmittel - aber wesentlicher Baustein"

Zudem sei die Versorgung mit Fernwärme nur in Ballungszentren und kaum auf dem Land möglich. Ehret betont: "Flusswasserwärmepumpen sind kein Allheilmittel, aber ein durchaus wesentlicher Baustein in Deutschland. Wir haben viel Umweltwärme, die wir nutzen können."

Offen ist allerdings die Frage, wie sich der Betrieb einer solchen Wärmepumpe auf die Verbraucherpreise auswirken wird. Wie der Energiemarkt in zwei Jahren aussehen wird, lässt sich schwer vorhersagen. Wie heißt es so schön: Bis dahin wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF am 23.07.2026 u.a. in der heute-Sendung um 19:00 Uhr.

Mehr zur Energiepolitik

  1. Vor einem Einfamilienhaus ist ein Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpenanlage installiert.

    Einkommensschwächere profitieren:KfW-Förderung für Wärmepumpen: Das sind die neuen Regeln

    von Mario Shabaviz
    mit Video1:28

  2. Symbolbild: Solarmodule für ein sogenanntes Balkonkraftwerk hängen an einem Balkon.

    Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes:Kleine Solaranlagen: Einschnitte bei Förderung abgemildert

    mit Video0:26

  3. Symbolbild:  Eine Person benutzt einen alten Heizkörper in einer Berliner Altbauwohnung.

    Bundestag beschließt Neuregelungen:Neues "Heizungsgesetz": Was sich jetzt ändern soll

    mit Video1:51

  4. Niedersachsen, Elsfleth: Technische Anlagen stehen auf dem Gelände der Gasspeicheranlage Huntorf des Energieversorgers EWE AG.

    Versorgung in Krisensituationen:Gasreserve: Was die Regierung plant und wer dafür zahlen soll

    von Andreas Weise
    mit Video0:52