Deutsche ESC-Kandidatin:Sarah Engels: Ein bisschen mehr Leichtigkeit für Deutschland
Sarah Engels vertritt Deutschland beim ESC in Wien. Sollte sie gewinnen, könnte sie sich Köln als Austragungsort 2027 vorstellen. Pläne im Fall einer Niederlage hat sie auch schon.
Bei der Eröffnung in Wien beeindruckte Sarah Engels mit einem besonderen Fashion-Moment: In Anlehnung an ihren Song "Fire" trug die Sängerin ein Kleid, das an Flammen erinnern sollte.
11.05.2026 | 0:51 minZDFheute: Wie erleben Sie die Stimmung bei diesem Eurovision Song Contest?
Sarah Engels: Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Man merkt, die Stadt bebt und ist schon richtig im Eurovision-Fieber. Ich bekomme natürlich nicht so viel mit von draußen, ich bin eher bei meinen Terminen, bei den Proben.
Alles ist sehr spannend. Die Stimmung unter den Kandidaten ist sehr entspannt.
Alle freuen sich einfach nur, alle freuen sich auf eine große Party.
Sarah Engels über die ESC-Stimmung
ZDFheute: Nun ist dieser ESC sehr politisch wegen der Diskussion um Israels Teilnahme. Was bekommen Sie davon mit?
Engels: Man bekommt auf jeden Fall etwas davon mit, ganz klar. Ich finde es ehrlicherweise ein bisschen schade, dass es immer mehr politisch wird. Letztendlich ist es ein Musikwettbewerb - der größte, den es gibt.
Und ja, es geht letztendlich um Musik. Jeder Künstler möchte sich und sein Land repräsentieren, möchte seine eigene Message, seine eigene Persönlichkeit auf diese Bühne bringen. Und ich finde, das soll es am Ende des Tages auch bleiben.
ZDFheute: Der israelische Künstler Noah Bettan ist im ersten Halbfinale ausgebuht worden. Es gab auch Proteste in der Halle, das hat man sogar im TV gehört. Wie finden Sie es, wenn ein Künstler ausgebuht wird?
Engels: Ich muss ehrlicherweise sagen, ich war ja in der Halle, ich habe das daher gar nicht wirklich wahrgenommen.
Aber für ihn als Künstler ist es natürlich schade.
Sarah Engels über Israels Sänger
Er hat einen superschönen Song, er singt sensationell. Und von daher, finde ich, sollte das auch vielleicht anerkannt werden.
ZDFheute: Länder wie Spanien und die Niederlande boykottieren den ESC in diesem Jahr und am Freitag gibt es eine Demonstration in Wien gegen die Teilnahme Israels. Wie finden Sie die Forderung, dass Israel ausgeschlossen werden soll?
Engels: Ich glaube, ich fühle mich dazu ehrlicherweise gar nicht befugt, mich dazu zu äußern und zu sagen, was jetzt richtig und falsch ist. Ich bin Musikerin, nicht Politikerin. Mein Job ist es, Töne zu treffen, nicht politische Entscheidungen. Und wie schon gesagt, ich finde, es ist ein Musikwettbewerb, es soll um Musik gehen und das ist mein Empfinden.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer begrüßt, dass Israel beim Eurovision Song Contest in Wien auftreten darf. Er habe sich dafür auch auf EU-Ebene eingesetzt, sagt er ZDFheute.
12.05.2026 | 1:08 minZDFheute: Sie treten für Deutschland mit Ihrem Song "Fire" an. Für Ihren Auftritt gab es im ersten Halbfinale schon viel Applaus. Sie singen ihn in Wien etwas anders als beim Vorentscheid, mit Piano zu Beginn. Werden Sie so auch im Finale auftreten?
Engels: Das ist der Plan. Ich habe mir ganz viele Nachrichten und Kommentare angesehen von vielen meiner Follower. Da war der Wunsch ganz klar, dass ich irgendwie diesen Akustikteil noch mit einbaue, und das habe ich mir zu Herzen genommen. Deswegen gibt es dann für die Eurovision-Fans auch einen kleinen Akustikteil am Anfang.
ZDFheute: Sie haben im Finale die Startnummer 2. Wie sind Ihre Erwartungen? Möchten Sie zum Beispiel die Top Ten erreichen?
Engels: Ich finde es total spannend, dass das immer eine der meistgestellten Fragen ist. Ich finde, es geht doch um so viel mehr als nur um ein Ranking.
Für mich ist es der größte Erfolg, wenn ich es schaffe, ein bisschen mehr Leichtigkeit nach Deutschland zu bringen.
Sarah Engels über ihre Erwartungen
Ein bisschen weniger Angst, ein bisschen mehr riskieren. Nicht immer nur: Was könnte passieren, wenn es schlecht läuft? Sondern dass wir uns vielleicht auch mal fragen: Was ist denn, wenn es gut läuft?
ZDFheute: Ja, was wäre dann? Was wäre, wenn Sie gewinnen würden? In welche deutsche Stadt würden Sie dann den ESC 2027 holen wollen?
Engels: Ich traue mich natürlich nicht, so weit zu denken und so weit zu träumen, aber wenn es denn dann wirklich so wäre, keine Ahnung, vielleicht in meine Heimatstadt Köln? Aber ich glaube, Deutschland hat auch noch andere schöne Städte. Mal sehen.
Deutschlands ESC-Bilanz:
Abor & Tynna, 2025
Die deutsche ESC-Bilanz der vergangenen Jahre ist durchwachsen bis desaströs. "Abor & Tynna" landen beim ESC in Basel mit dem Song "Baller" auf Platz 15.
Quelle: dpaZDFheute: Aber es stimmt schon, in den Wetten stehen Sie auf dem drittletzten Platz. Was, wenn Sie Letzte, Vorletzte, Drittletzte werden? Würden Sie Deutschland dann empfehlen, mal eine ESC-Pause einzulegen?
Engels: Ganz egal, was passiert: Nach dem großen Finale am Samstag werde ich Sonntagmorgen aufstehen, meine Familie in den Arm schließen - und ich glaube, sie werden mich kein bisschen weniger oder mehr lieben, ob ich nun den ersten Platz oder den letzten Platz belege.
Ich werde so viele Menschen erreichen am Samstagabend. Das ist es, worum es geht. Dass Menschen sich diesen Song wirklich zu Herzen nehmen können, dass sie es fühlen, dass sie sich das Feuer zurückholen.
Das Interview führte ZDFheute-Reporter Dominik Rzepka in Wien.
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von Dominik Rzepka