Nach 50 Jahren:Alice Schwarzer stellt Frauenmagazin "Emma" ein
Nach 50 Jahren ist Schluss: Alice Schwarzer stellt ihr feministisches Magazin "Emma" ein. Im Dezember erscheint die letzte Ausgabe. "Wir meinen, es reicht", erklärte Schwarzer.
Im Interview erklärt Alice Schwarzer was ihre Beweggründe sind und wie sich der Feminismus über die Jahre verändert hat.
21.10.2026 | 11:11 minDas feministische Magazin "Emma" wird Anfang Dezember nach 50 Jahren eingestellt. Gründerin Alice Schwarzer kündigte an, dass die Ausgabe vom 8. Dezember die letzte sein werde.
Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend, teilte die 83-jährige Frauenrechtlerin mit. "Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben", versicherte Schwarzer in einer Erklärung. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!" "Emma" habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und "gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus" Position bezogen.
Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.
Alice Schwarzer, "Emma"-Gründerin
Schwarzer kündigte an, dass das Emma-Archiv in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen werden soll. Die letzte Ausgabe am 8. Dezember soll doppelt so umfangreich sein wie sonst, zudem will die Redaktion mit den "wichtigsten 50 Themen" Bilanz ziehen.
Die "Emma" gilt als Ikone der Frauenbewegung. Nun wird das Magazin nach 50 Jahren eingestellt.
21.10.2026 | 1:35 minErste "Emma"-Ausgabe erschien im Januar 1977
Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin. Die von ihr gegründete "Emma" erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei beschreibt Schwarzer heute so: "Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen so genannten "Männermedien", die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten."
Das Cover der ersten EMMA-Ausgabe vom Februar 1977 (Archivfoto).
Quelle: dpa | EMMAImmer mal wieder kam auch die Frage auf, ob Schwarzer die Leitung der im Zweimonatsrhythmus erscheinenden "Emma" nicht in jüngere Hände geben müsse. 2008 übernahm tatsächlich die Journalistin Lisa Ortgies die Chefredaktion, doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis, und Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.
"Emmas" größte Kontroversen und Kampagnen
Unter dem Titel "Das Verbrechen, über das niemand spricht" machte "Emma" 1978 früh auf das Thema aufmerksam. Das Erstaunliche: Die Veröffentlichung zog zunächst keinerlei Reaktionen nach sich. "Kein Leserinnenbrief, kein Anruf", erinnerte sich Schwarzer. "Es war einfach der Zeitgeist." "Emma" ließ sich davon aber nicht entmutigen, sondern publizierte immer wieder neue Texte dazu.
Mit dem Titel "PorNO!" veröffentlichte das Magazin einen Entwurf für ein Anti-Porno-Gesetz. "Emma" verstand Pornografie als Ausdruck eines Machtverhältnisses, in dem Frauen erniedrigt wurden. Das Gesetz sollte es Frauen ermöglichen, gegen solche Darstellungen zu klagen. Zwar wurde es nicht realisiert, doch das Thema fand breite Beachtung. In den vergangenen 20 Jahren stieß Schwarzers ablehnende Haltung gegenüber Pornografie jedoch gerade auch auf den Widerspruch junger Feministinnen: Sie argumentieren, dass Pornografie in Ordnung sei, wenn sie von Frauen selbstbestimmt und ohne Zwang produziert und konsumiert werde.
Schon 1979 hatte "Emma" bei der Machtübernahme von Ajatollah Chomeini in Iran erstmals über Islamisten berichtet. 1993 folgte das Dossier "Mitten unter uns" über die Agitation islamischer Fanatiker in Deutschland. Seitdem prangerte das Magazin immer wieder patriarchalische und frauenfeindliche Praktiken und Einstellungen im Islam an. Islamwissenschaftler bewerteten die Darstellungen mitunter als zu undifferenziert und pauschalisierend. Auch als Schwarzer die Täter der "Kölner Silvesternacht" als "fanatisierte Anhänger des Scharia-Islam" beschrieb, häuften sich Gegenstimmen - die sexuellen Übergriffe auf Frauen hätten wenig mit islamischer Ideologie zu tun gehabt, hieß es.
In ihrer Autobiografie schildert Schwarzer, wie sie 1996 im Zug von einem Arzt erkannt und angesprochen wurde: "Die Brustkrebs-Forschung in Deutschland ist ein einziger Skandal", sagte er demnach. "Es gibt quasi keine Prävention und nur stark veraltete Behandlungsmethoden. Die Frauen sterben wie die Fliegen." Daraufhin startete "Emma" eine Kampagne zur Früherkennung und besseren Behandlung von Brustkrebs und trug so mit dazu bei, dass 2005 ein flächendeckendes Mammografie-Screening initiiert wurde.
(Quelle: dpa)
2021 übernehmen die Taliban die Macht in Afghanistan. ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf hält seit fünf Jahren Kontakt zu Afghaninnen und Afghanen. Wie leben sie heute?
29.07.2026 | 42:49 minSchwarzer mit umstrittenen Positionen zum Ukraine-Krieg
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei.
2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg auch Folgen für die Abonnentinnenzahl der "Emma" habe. Zwar habe es "für Emmas Friedenskurs" 2023 viel Zustimmung von den Leserinnen gegeben. "Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll wehtun - und tut es auch. Warum tun Leserinnen das bei einem Magazin, das vom Abo lebt?" Sie werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen.
Sie engagieren sich für eine faire KI-Entwicklung, gegen ethnische Hetze in Pakistan und für die Interessen von Kleinbäuerinnen im südlichen Afrika: Die Alternativen Nobelpreisträgerinnen.
30.09.2026 | 1:05 minKritik auch an Schwarzers Aussagen zu Transpersonen
Proteste zog Schwarzer auch mit ihrer Haltung zu Transpersonen auf sich. 2023 forderten 33 Autorinnen und Künstler die Absage einer Veranstaltung mit ihr beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie immer wieder durch "transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen" auffalle.
Schwarzer reagierte empört, sie habe Transsexuelle noch nie angegriffen, versicherte sie der dpa. "Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert." Es müsse möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.
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