Ärztepräsident Reinhardt: "Wilde Böllerei" an Silvester verbieten

Private Feuerwerke:Ärztepräsident: "Wilde Böllerei" an Silvester verbieten

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Böller, Raketen, Feuerwerk - für die einen unverzichtbares Silvester-Spektakel, für die anderen eine große Gefahr. Ärztepräsident Reinhardt findet klare Worte.

Feuerwerkskörper sprühen Funken.

Kurz vor dem Jahreswechsel fordert der Präsident der Bundesärztekammer ein Verbot privater Feuerwerke - nicht nur aufgrund der Kosten für die Krankenkassen.

27.12.2025 | 0:27 min

Kurz vor dem Jahreswechsel hat der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, eindringlich ein Verbot privater Feuerwerke gefordert.

Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Immer wieder schwere Verletzungen durch Böller

"Die Innenminister von Bund und Ländern müssen endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen", sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das habe "nichts mit Verbotskultur zu tun", sondern zeuge "von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen".

Ungeregelte Knallerei führe immer wieder zu schweren Verletzungen, warnte Reinhardt. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Verletzungen am Auge und Verbrennungen. "Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen."

In der Vergangenheit seien auch immer wieder Knallkörper als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte eingesetzt worden. Mit Blick auf Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine oder aus Syrien bezeichnete Reinhardt es als "vollkommen daneben", das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen. "Da löst die Silvesterknallerei nicht selten sogar Todesängste aus." Zudem sei sie schlecht für das Klima und verursache enormen Müll. 

Pyrotechnikverband: Kritik "sachfern"

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) kritisierte Reinhardts Äußerungen als "sachfern". Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich "praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk", erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl auf AFP-Anfrage. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen "streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert".

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Notaufnahmen seien an Silvester auch "nicht wegen Feuerwerkskörpern voll", fuhr Kröpl fort. Nach Studien seien diese "zum Jahreswechsel insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums überfüllt".

Umwelthilfe warnt vor Eskalation

Die Deutsche Umwelthilfe warnte "vor einer beispiellosen Eskalation in der Silvesternacht". Sie verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt wurden und damit über 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, der Jahreswechsel drohe damit "zur Horrornacht von beispiellosem Ausmaß zu werden". Die Umwelthilfe forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, ein bundesweites Böllerverbot auf den Weg zu bringen.

Hilfsaktion Brot statt Böller

Die evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt rief im Rahmen ihrer traditionellen Aktion "Brot statt Böller" auf, statt Feuerwerk zu kaufen das Geld für Bedürftige zu spenden. "Die Erfahrung zeigt, dass Spenden für die weltweite Projektarbeit nachhaltig wirken und damit länger strahlen als jeder Funke am Himmel", erklärte Präsidentin Dagmar Pruin.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete u.a. die Xpress-Sendung am 27.12.2025 ab 10:36 Uhr.

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