Klimapolitik ist die bessere Wirtschaftspolitik | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Killt Klimaschutz die Wirtschaft?

von Marcel Fratzscher

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Ökonomisch betrachtet bezahlen wir für teure Fehler einer ineffizienten Wirtschaftspolitik. Denn beim Klimaschutz geht es nicht um Kosten und Verbote, sondern faire Preissignale.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Marcel Fratzscher

Quelle: DIW Berlin

Wir stecken in einem Dilemma: Die aktuelle Energiekrise resultiert nicht aus fehlender Energie - sondern der selbstverschuldeten Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Weltweit stehen momentan 15 bis 20 Prozent weniger Öl und Gas zu Verfügung und das bedeutet unausweichlich: Wir müssen sparen.

In der Theorie regelt der Markt das über den Preis: Wird Energie teurer, wird weniger konsumiert. Aber diese Logik geht nicht auf.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Warum der Tankrabatt das Problem verschärft

Da wir kurzfristig nicht auf Öl und Gas verzichten können, sollen der neue Tankrabatt und die steuerliche Entlastungsprämie helfen. Sie waren angesichts des Werkzeugkoffers der Möglichkeiten jedoch die wohl schlechteste Wahl. Denn Autofahrer sparen dadurch weniger Benzin, der Verbrauch sinkt nicht spürbar und die Öl- und Gasressourcen fehlen deshalb an anderer Stelle, etwa beim Heizen oder in der Lebensmittelproduktion.

Harald Lesch und Marcel Fratzscher vor Haus und Solarpanels (Collage)

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15.04.2026 | 76:19 min

So müssen die fehlenden Mengen anderswo eingespart werden und teure Energiepreise verlagern sich lediglich. Das ist ökonomisch ineffizient und sozial ungerecht, denn der Tankrabatt benachteiligt diejenigen, die auf jeden Cent angewiesen sind.

Marktwirtschaft braucht Regeln - gerade in der Krise

Genau hier zeigt sich, was gute Wirtschaftspolitik leisten muss: Wettbewerb schaffen, Marktmissbrauch verhindern, wenn zum Beispiel Mineralölkonzerne Entlastungen in höhere Gewinne umleiten - und allen Menschen eine Chance geben, Teil dieser (sozialen) Marktwirtschaft zu sein.

Moderatorin Stefanie Rohde und Gast im Studio vor einer Weltkugel-Stromstecker-Illustration

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So würde Entlastung wirklich funktionieren

Um kurzfristig Ressourcen zu sparen, braucht es Alternativen. Eine Energiepauschale von 300 Euro für jeden Erwachsenen hätte sowohl soziale Gerechtigkeit einbezogen, als auch individuelle Entscheidungen eröffnet: Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, erhalten die gleiche Unterstützung wie andere, die sie in Bustickets oder Lebensmittel investieren. Gleichzeitig bliebe der Preisanreiz zum Sparen erhalten - ein zentraler Mechanismus einer funktionierenden Marktwirtschaft.

Grafik: Harald Lesch vor Fotovoltaikanlagen und Windrädern

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19.07.2023 | 29:19 min

Die Kosten des Nicht-Handelns

Eine erfolgreichere und schnellere Energiewende - weg von fossilen Energien und hin zu erneuerbaren - hätte schon jetzt bares Geld gespart. Denn die wahren Kosten entstehen nicht durch Investitionen in gerechten Klimaschutz und Energiesicherheit - sondern durch die Folgekosten des Zögerns und der zu hohen Abhängigkeit von Importen von Öl und Gas. Jeder Euro, der heute in den Klimaschutz fließt, wird zukünftig circa fünf Euro der Klimaschäden vermeiden.

Der Mythos, Klimaschutz würde die Wirtschaft ruinieren, verkennt die Realität. Gefährdet sind vor allem Unternehmen, die NICHT auf klimakonforme Zukunftstechnologien umsteigen, ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und sich durch klimaschädliche Auswirkungen ihr eigenes Grab schaufeln.

Ein einzelnes in Plane verpacktes Neufahrzeug steht auf einem Parkplatz.

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11.09.2025 | 11:02 min

Falsche Preise und teure Fehler

Ökonomisch betrachtet ist das zentrale Problem, dass Preise die wahren Kosten unseres Handelns nicht widerspiegeln. Eine ehrliche und funktionierende Marktwirtschaft würde Verantwortung dort verankern, wo die Schäden entstehen: Autofahren müsste teurer sein, wenn man Schäden durch CO2, Feinstaub, Grundwasserbelastung und Gesundheit mit einpreist. Gleiches gilt für Fleisch.

Stattdessen subventionieren wir klimaschädliches Verhalten: Vergünstigter Diesel, steuerfreies Kerosin, Dienstwagenprivileg und andere umweltschädliche Subventionen summieren sich auf 50 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr. Geld, das wir in klimafreundliche Infrastruktur und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen investieren sollten.

Kein Verbrenner-Stopp ab 2030: Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. BMW und Mercedes-Benz dürfen auch nach 2030 Verbrenner verkaufen. (Im Bild: Im Hintergrund eine Autoschlange, davor ein gelbes Schild mit Aufschrift)

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Klimaschutz ist nicht das Problem

Die Energiewende und der Schutz des Klimas sind kein Luxusprojekt - sondern eine Versicherung gegen genau jene Krisen, die wir jetzt erleben. Sie ist die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und unseren Wohlstand.

Doch solange wir falsche Preissignale setzen und soziale Schieflagen ignorieren, verspielen wir Chancen. Eine Wirtschaft, die ihre ökologischen und sozialen Kosten ehrlich einpreist, ist nicht schwächer - sie ist zukunftsfähig und stärker.

Harald Lesch auf Wiese mit Globus in der Hand.

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... ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Sein Fokus liegt auf makroökonomischen Entwicklungen und Finanzmärkten, wirtschaftlicher Ungleichheit, der Globalisierung und Integration Europas.


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Über dieses Thema berichtete Terra X in dem Beitrag "Deep Talk mit Lesch: Energiewende & Klimaschutz" am 15.04.2026 um 18 Uhr.

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