Bauernregeln im Mai:Fünf Eisheilige und das Wetter
Mitte Mai sind die fünf Eisheiligen am Werk und können für Spätfrost sorgen. Doch was steckt hinter der alten Bauernregel? Und wie verlässlich sind ihre Prognosen heute noch?
Wenn es Mitte Mai noch mal frostig wird, sind die Eisheiligen zu Besuch - äh was?
11.05.2026 | 1:33 minAls "Eisheilige" werden die fünf Heiligen bezeichnet, deren Namenstage die katholische Kirche zwischen dem 11. und 15. Mai feiert. Eigentlich haben Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und dazu noch Sophia, die "kalte Sophie", nichts mit dem Wetter zu tun.
Ihre meteorologische Bedeutung rührt daher, dass häufig Mitte Mai eine Wetterperiode mit Zufuhr arktischer Meeresluft einsetzt, die als kritisch für die Landwirtschaft gilt. Deshalb heißt eine alte Bauernregel: "Pflanze nie vor der kalten Sophie". Erst danach sollten empfindliche Gewächse wie Tomaten oder Zucchini ins Freie - sonst droht ihnen möglicherweise der Kältetod.
Kontinent heizt schneller auf als das Meer
Hintergrund für das Wetterphänomen im Frühjahr ist, dass sich im Mai der europäische Kontinent deutlich schneller aufheizt als das umgebende Meer. An der Grenze von warm und kalt entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können.
Trotz des frühlingshaften Wetters der vergangenen Wochen sind die Temperaturen vielerorts eingebrochen. Nach einer alten Bauernregel kam dieser Wintereinbruch pünktlich zu den "Eisheiligen".
12.05.2026 | 1:26 minAn diesen Tagen droht nach den Erfahrungen der Bauern der letzte Frost und damit eine große Gefahr für die Ernte. Viele Volksweisheiten bezeugen den Respekt der Winzer, Bauern und Gärtner vor den Eisheiligen. Bei der Datierung der Eisheiligen gibt es allerdings regionale Unterschiede: Im Norden Deutschlands dauern sie traditionell vom 11. bis 13. Mai, im Süden vom 12. bis 15. Mai.
Wer waren die fünf "Eisheiligen"?
Mamertus (11. Mai) war im fünften Jahrhundert Bischof im französischen Vienne. Pankratius (12. Mai) wurde ein Jahrhundert früher in Rom als Märtyrer hingerichtet, und Servatius (13. Mai) war im vierten Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern.
Mit dem am 14. Mai gefeierten heiligen Bonifatius ist nicht der als "Apostel der Deutschen" bekannte angelsächsische Benediktinermönch, sondern ein gleichnamiger sizilianischer Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert gemeint. Die Mailänderin Sophia (15. Mai), im Volksmund als "kalte Sophie" bekannt, starb im zweiten Jahrhundert in Rom als Märtyrerin.
Mitten im Mai bedeckt plötzlich Schnee oberhalb von 700 Metern die Landschaft im Erzgebirge - pünktlich zu den Eisheiligen. Winterliche Eindrücke im Frühling.
12.05.2026 | 0:35 minKlimawandel verändert Kaltlufteinbrüche im Mai
Nach Angaben der Wetterforscher sind die Eisheiligen ihrem Ruf in den letzten zwei Jahrzehnten immer seltener gerecht geworden - auch wegen des Klimawandels: Die Kaltlufteinbrüche kamen häufig deutlich früher. Fröste traten dabei jedoch seltener auf. Neuere Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, dass die Häufigkeit von Kaltlufteinbrüchen Mitte Mai vor allem im süddeutschen Raum deutlich unter 50 Prozent liegt.
Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit bestätigt das: Zuletzt erschienen die Eisheiligen laut DWD im Jahr 2020 pünktlich. 2024 und 2025 trat die markante Kälte jeweils einige Tage bis Wochen vor den traditionellen Terminen auf.
Was ist Wetter? Was ist Klima? Katja Horneffer erklärt den Unterschied.
25.03.2024 | 0:39 minObstblüte verschiebt sich nach vorn
Zudem hat sich die Phase der Obstblüte in Folge des Klimawandels nach vorn verschoben. Der Deutsche Wetterdienst macht darauf aufmerksam, wie stark sich die Apfelblüte in Deutschland über die Jahrzehnte nach vorn verändert hat. "Zwischen dem Zeitraum 1961-1990 und 1997-2020 hat sich der Beginn vom 6. Mai auf den 25. April um 11 Tage nach vorne verschoben. Zuletzt gab es Jahre, die nochmals einen um rund 15 Tage früheren Blühbeginn zeigten", heißt es auf der Homepage der Meteorologen.
Auch in diesem Jahr hat die Apfelblüte im Westen und Südwesten bereits wenige Tage früher als im langjährigen Mittel begonnen.
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08.05.2026 | 1:37 minSchafskälte und Siebenschläfertag
Neben den "Eisheiligen" gibt es noch andere Witterungsereignisse, die im Jahreslauf relativ regelmäßig eintreten: etwa die Schafskälte um den 10. Juni oder der Siebenschläfertag am 27. Juni.
Verkompliziert wird die Berechnung solcher Wetterphänomene allerdings durch die Gregorianische Kalenderreform, in deren Folge im Jahr 1582 zehn Tage aus dem Kalender gestrichen wurden, da der bis dahin gültige Julianische Kalender nicht mehr genau genug war.
Der Tag der "Kalten Sophie" (15. Mai) lag vor der Reform auf dem Tag, der heute dem 22. Mai entspricht. Oft ist es allerdings im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar, ob eine kalenderbezogene Bauernregel vor oder nach Einführung des Gregorianischen Kalenders entstanden ist.
Der Artikel wurde am 9. Mai 2025 erstmals veröffentlicht und nun aktualisiert.
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