Bildung: Warum gute Schule kein Zufall ist | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Gute Schule ist kein Zufall

von Olaf Köller

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Pisa zeigt erneut die Schwächen unseres Schulsystems. Doch es gibt Schulen, die erfolgreich gegensteuern. Was machen sie anders - und was können wir von ihnen lernen?

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Olaf Köller


Über Schule wird in Deutschland gerne im Krisenmodus gesprochen. Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfall, marode Gebäude, Digitalisierung und nun wieder Pisa: Die Leistungen der 15-Jährigen liegen auf einem Niveau, mit dem wir uns nicht zufriedengeben dürfen. Besonders beunruhigend ist, dass immer mehr Jugendliche die Schule verlassen, ohne sicher lesen, rechnen oder naturwissenschaftliche Probleme lösen zu können.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Man könnte daraus schließen, dass gute Schule unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum noch möglich ist. Das wäre ein Fehler. Denn gleichzeitig gibt es in Deutschland Schulen, die unter ganz normalen - teilweise ausgesprochen schwierigen - Bedingungen erstaunlich erfolgreich arbeiten. Der Deutsche Schulpreis macht solche Schulen seit vielen Jahren sichtbar. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was läuft falsch? Sondern: Was machen gute Schulen richtig?

Gute Schulbildung? Auf den Unterricht kommt es an

Die Bildungsforschung gibt darauf eine ziemlich klare Antwort. Gute Schulen konzentrieren sich konsequent auf ihr Kerngeschäft, den guten Unterricht. Sie haben eine gemeinsame Vorstellung davon, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen, überprüfen regelmäßig, ob diese Ziele erreicht werden, und verändern ihren Unterricht, wenn dies nicht der Fall ist.

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Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Noch immer wird Unterricht in Deutschland häufig als Angelegenheit der einzelnen Lehrkraft verstanden. Gute Schulen funktionieren anders. Lehrkräfte arbeiten zusammen, entwickeln Unterricht gemeinsam, tauschen Materialien aus und sprechen über die Lernfortschritte ihrer Schülerinnen und Schüler.

Dabei nutzen sie Daten nicht, um Schulen oder Kinder an den Pranger zu stellen. Daten sind für sie ein diagnostisches Instrument: Wer von meinen Schülerinnen und Schülern kann schon sicher lesen? Wer von ihnen hat Schwierigkeiten mit Brüchen? Wer braucht zusätzliche Unterstützung? Und vor allem: Hat unsere Förderung funktioniert?

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Leistung braucht Unterstützung

Gute Schulen lösen außerdem einen vermeintlichen Widerspruch auf. Sie erwarten viel von ihren Schülerinnen und Schülern und unterstützen zugleich diejenigen besonders intensiv, denen das Lernen schwerfällt.

Gerade die diesjährige Hauptpreisträgerin des Deutschen Schulpreises, die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, zeigt, was das bedeuten kann. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler wachsen unter schwierigen Bedingungen auf. Trotzdem gelingt es der Schule, Jugendlichen Bildungswege zu eröffnen, die ihnen zuvor kaum zugetraut wurden.

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Dahinter steckt kein pädagogischer Zaubertrick. Entscheidend sind klare Lernwege, verlässliche Strukturen, individuelle Begleitung und ein Kollegium, das gemeinsame Ziele verfolgt. Selbstständiges Lernen bedeutet dort gerade nicht, Kinder sich selbst zu überlassen.

Gute Schulen sind lernende Organisationen

Vielleicht liegt hier die wichtigste Botschaft. Wir diskutieren Bildungspolitik häufig über Strukturen: Ganztag oder Halbtag, Gymnasium oder Gemeinschaftsschule, analog oder digital. Diese Fragen sind wichtig. Aber keine dieser Strukturen garantiert guten Unterricht.

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Entscheidend ist vielmehr, ob eine Schule in der Lage ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Gute Schulen warten nicht darauf, dass irgendwann alle Rahmenbedingungen stimmen. Sie analysieren ihre Probleme, probieren Lösungen aus und überprüfen deren Wirksamkeit. Schulleitungen schaffen dafür Freiräume und geben zugleich eine klare Richtung vor.

Das gilt übrigens auch für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ein Tablet macht noch keinen guten Unterricht. Und ChatGPT wird schlechte Didaktik nicht reparieren. Digitale Technologien entfalten ihren Nutzen dort, wo sie in ein überzeugendes pädagogisches Konzept eingebettet werden.

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Deutschland braucht nicht noch mehr Modellprojekte

Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht darin, herauszufinden, wie gute Schule funktioniert. Darüber wissen wir inzwischen erstaunlich viel. Das Problem ist ein anderes: Wir schaffen es nicht, dieses Wissen zuverlässig in die Fläche zu bringen. Gute Schulen bleiben häufig Leuchttürme. Nach einigen Jahren kommt das nächste Programm, das nächste Modellprojekt, die nächste Reform.

Wir sollten das Prinzip umdrehen. Schulen brauchen weniger wechselnde Projekte und mehr dauerhafte Unterstützung bei der Verbesserung ihres Unterrichts. Erfolgreiche Konzepte müssen systematisch verbreitet werden. Lehrkräfte brauchen Zeit für gemeinsame Unterrichtsentwicklung. Schulleitungen benötigen Handlungsspielräume und zugleich klare Ziele, an denen sie ihre Arbeit ausrichten können.

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Pisa sollte uns deshalb nicht nur darüber diskutieren lassen, wie schlecht deutsche Schülerinnen und Schüler abgeschnitten haben. Interessanter ist die Frage, warum es manchen Schulen trotz vergleichbarer Bedingungen gelingt, aus den Möglichkeiten ihrer Kinder und Jugendlichen deutlich mehr herauszuholen.

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... ist Bildungsforscher und Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bildungsqualität, Kompetenzentwicklung und der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung von Schule und Unterricht beitragen können. Ihn treibt die Überzeugung an, dass Herkunft nicht darüber entscheiden darf, welche Bildungschancen Kinder und Jugendliche haben.


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Über das Thema "Deutscher Schulpreis" berichtete das ZDF am 29.09.2026 um 19:00 Uhr.

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