Sitzung des Aufsichtsrates:Blume kündigt Neuausrichtung bei VW an - Einschnitte offen
Der VW-Vorstand stellt seinen "Zukunftsplan" vor. Konkrete Aussagen zu möglichen Werksschließungen und Stellenstreichungen bleiben jedoch aus - Kritik kommt vom Betriebsrat.
Bei Volkswagen drohen Werksschließungen an vier Standorten, darunter Zwickau. Nach der Aufsichtsratssitzung herrscht weiter Unsicherheit. Für die Region wären die Folgen gravierend.
10.07.2026 | 1:51 minNach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates zu möglichen weiteren Einsparungen bekräftigt Konzernchef Oliver Blume das Ziel, den Autobauer neu auszurichten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, teilte Blume in einem Statement mit.
Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf.
Volkswagen-Chef Oliver Blume
Blume sprach von der "umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte". Der Vorstand übernehme damit "Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens - in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht", so Blume weiter. "Wir begrenzen Risiken, erschließen neue Chancen aus eigener Stärke und setzen ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland."
Nach zähem Ringen im Aufsichtsrat um neue Sparpläne herrscht bei Volkswagen weiter Unklarheit. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller mit der Analyse.
10.07.2026 | 1:01 minFinanzvorstand: Konzern muss konsequent Kosten senken
Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte: "Wir wollen weiterhin in begeisternde Elektrofahrzeuge und neueste Softwarelösungen für unsere Kunden investieren, gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken."
Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern, betonte Antlitz: "Der Zukunftsplan ist dafür ein starker Hebel."
Emden galt als Zukunftswerk für E-Mobilität – auch als gelernter Betriebswirt kann Oberbürgermeister Tim Kruithoff die VW-Pläne nur bedingt nachvollziehen.
10.07.2026 | 4:17 minBranchenexperte: "Kein Wort zu Werken, kein Wort zur Beschäftigung"
In Wolfsburg hatte der Aufsichtsrat am Donnerstag über mögliche neue Sparpläne beraten. Beschlüsse gab es nicht. "Wie zu erwarten, wurden keine Beschlüsse beim VW-Aufsichtsrat getroffen, sondern nur allgemeine Ziele - die eigentlich zum großen Teil schon bekannt waren - kommuniziert", so der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Kein Wort zu Werken, kein Wort zur Beschäftigung.
Ferdinand Dudenhöffer, Branchenexperte
Niedersachsens Ministerpräsident Lies hat der VW-Führung für ihre möglichen Schließungspläne eine Absage erteilt. Im Raum stehen mehrere Werksschließungen und der Abbau von rund 100.000 Stellen.
10.07.2026 | 0:29 minLaut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut "Bild" könnten es sogar 120.000 sein. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland drohen den Berichten zufolge sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Betriebsratschefin: "Es reicht!"
Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte sich nach der Sitzung erbost gezeigt. Sie forderte Blume auf, im Laufe des Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung zu beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern. "Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen", sagte Cavallo laut Betriebsratszeitung.
Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten.
Daniela Cavallo, Betriebsrat
Blume stehe jetzt in der Pflicht, "diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen".
IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger nannte die Kommunikation des Vorstands ein "absolutes Desaster". "Ganze Regionen werden in Angst und Schrecken versetzt."
VW kündigt weitere Sparmaßnahmen an. Die Autoindustrie ist angeschlagen, so wie der gesamte Industriestandort Deutschland. Auch Arbeitsplätze leiden unter der schlechten Lage der Industrie.
10.07.2026 | 2:32 minVW verkauft weniger Autos - Elektro-Nachfrage steigt
Der VW-Konzern leidet unter schwachen Verkaufszahlen, vor allem in China. Weltweit drückte das die Zahl der Auslieferungen in den Monaten April bis Juni auf nur noch 2,08 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken, fast 9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Wolfsburger mitteilten. Der Rückgang fiel damit noch etwas stärker aus als im Quartal davor.
Positiv entwickelte sich den Angaben zufolge aber der Auftragseingang für E-Autos. Für die neuen Elektro-Einstiegsmodelle von VW, Skoda und Cupra wie den ID. Polo lägen bereits mehr als 54.000 Bestellungen vor, sagte Audi-Vertriebsvorstand Marco Schubert. "Das liegt deutlich über unseren Erwartungen."
Der Auftragsbestand vollelektrischer Fahrzeuge in Europa habe sich gegenüber Ende vergangenen Jahres insgesamt um mehr als 50 Prozent erhöht. Fast ein Drittel des Auftragsbestandes in Europa entfalle inzwischen auf reine Batterieautos.
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