Statistisches Bundesamt:Weiter große Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen
Geringere oder ungleiche Löhne, schlechter bezahlte Berufe, Teilzeit, Sorgearbeit: Die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern ist im vergangenen Jahr unverändert geblieben.
Frauen verdienen in Deutschland weiterhin weniger als Männer. Eine Rolle spielen dabei die Löhne, aber auch Teilzeit und der gewählte Beruf, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.
26.02.2026 | 0:32 minDie Ungleichheit beim Verdienst zwischen Frauen und Männern in Deutschland ist im vergangenen Jahr unverändert geblieben. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die erweiterte Verdienstungleichheit - der sogenannte Gender Gap Arbeitsmarkt - 2025 wie schon im Vorjahr bei 37 Prozent. Der Rückgang von 2024 setzte sich damit nicht fort.
Der Indikator berücksichtigt neben der Verdienstlücke pro Stunde (Gender Pay Gap) auch Unterschiede bei der Arbeitszeit (Gender Hours Gap) und der Erwerbsbeteiligung (Gender Employment Gap). Nimmt man alle drei Faktoren zusammen, kann die Verdienstungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt beschrieben werden.
Frauen verdienten 2025 weiterhin deutlich weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke, liegt unverändert bei 16 Prozent.
16.12.2025 | 1:39 minWeniger Erwerbsstunden "keine Life-Style-Entscheidung"
Hauptursachen für die fortbestehende Ungleichheit sind der Behörde zufolge die geringeren Stundenlöhne und die kürzeren Arbeitszeiten von Frauen. So verdienten Frauen 2025 pro Stunde 16 Prozent weniger als Männer. Zudem arbeiteten sie mehr auf Teilzeitbasis und kamen pro Woche auf knapp 28 Stunden - deutlich weniger als Männer mit gut 34 Stunden. Dieser Unterschied bei der bezahlten Arbeitszeit lag wie in den Vorjahren bei 18 Prozent, rechnet das Bundesamt anlässlich des morgigen Equal Pay Day vor.
"Die geringere Zahl an Erwerbsstunden ist jedoch nicht Ergebnis einer individuellen Life-Style-Entscheidung, sondern einer ungleichen Verteilung der Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen", erklärt Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Frauen bringen täglich eine Stunde und 19 Minuten mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer.
Bettina Kohlrausch, WSI
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05.02.2026 | 13:27 minEine leichte Annäherung gab es hingegen bei der Erwerbsbeteiligung. Der Gender Employment Gap sank um einen Punkt auf acht Prozent. Den Daten für 2024 zufolge gingen knapp 74 Prozent aller Frauen einer bezahlten Arbeit nach, bei den Männern waren es rund 81 Prozent. Der unbereinigte Verdienstunterschied pro Stunde von 16 Prozent lässt sich den Statistikern zufolge zu knapp zwei Dritteln durch messbare Faktoren wie die höhere Teilzeitquote von Frauen oder geringere Gehälter in frauentypischen Berufen erklären.
Unterm Strich eine Lücke von sechs Prozent beim Stundenlohn
Bleibt eine Lücke von rund sechs Prozent des Brutto-Stundenlohns ohne eindeutige Erklärung - der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap. Heißt: Auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie verdienen Frauen sechs Prozent weniger als Männer. Dieser Wert hat sich 2025 nicht geändert.
Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer. Ein Gesetz sollte die Unterschiede transparent machen. Doch bei der Umsetzung gibt es noch Probleme.
08.03.2025 | 2:22 minDie Behörde vermutet, dass bei den sechs Prozent auch Erwerbsunterbrechungen etwa bei Schwangerschaften, zur Kindererziehung oder zur Pflege von Angehörigen eine Rolle spielen, die aber nicht näher erfasst seien. Man gehe davon aus, dass sich damit weitere Anteile des Lohnunterschieds erklären lassen. Die sechs Prozent stellten insofern eine "Obergrenze" für eine mögliche Verdienstdiskriminierung durch die Arbeitgeber dar.
WSI-Expertin Kohlrausch mahnt mit Blick auf den unveränderten Wert, dass "Frauen auf dem Arbeitsmarkt bei der Entlohnung immer noch diskriminiert" würden. Hier sollte ein rasches Umsetzen einer EU-Richtlinie zu "mehr Transparenz über Entgeltstrukturen und bessere Rechtsdurchsetzung bei Lohndiskriminierung führen".
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