Nach Rekordgewinn:Unicredit legt Übernahmeangebot für Commerzbank vor
Die italienische Großbank Unicredit bietet Aktionären der Commerzbank einen Tausch ihrer Anteile gegen eigene Aktien an. Die Commerzbank lehnt eine Übernahme bislang ab.
Die italienische Großbank Unicredit hat ein offizielles Kaufangebot für die Commerzbank vorgelegt. Management und Beschäftigte sind dagegen.
05.05.2026 | 1:42 minUnicredit hat am Dienstag ein offizielles Übernahmeangebot an die Commerzbank-Aktionäre vorgelegt. Zuvor hatte die italienische Großbank am Morgen für das erste Quartal des Jahres einen Rekordgewinn präsentiert und ihre Jahresziele nach oben geschraubt.
Angebot der Unicredit "nicht wirklich attraktiv"
Das bereits angekündigte Angebot der Unicredit ermöglicht Aktionären der Commerzbank, innerhalb von sechs Wochen ihre Aktien gegen je 0,485 Unicredit-Papiere einzutauschen. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil, sagt ZDF-Wirtschaftsreporterin Stephanie Barrett. Aktuell sei die Aktie allerdings mehr wert, nämlich um die 35 Euro.
Auf den ersten Blick ist das Unicredit-Angebot an die Commerzbank-Aktionäre nicht wirklich attraktiv.
Stephanie Barrett, ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen
Die italienische Großbank Unicredit hat ein offizielles Kaufangebot für die Commerzbank vorgelegt. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett berichtet.
05.05.2026 | 1:16 minDas Angebot bleibe sechs Wochen gültig, "was danach bei der Commerzbank geschieht, liegt in der Hand der Aktionäre", sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel der Nachrichtenagentur dpa. Darauf folgt eine zweiwöchige Nachfrist.
Wir glauben, dass wir viel Wert schaffen können, nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die Mitarbeiter und Kunden in Deutschland.
Andrea Orcel, Vorstandschef Unicredit
Unicredit setzt auf langfristige Strategie statt Kontrolle
Das Institut hält bislang 26,77 Prozent an der Commerzbank und hat Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Übersteigen die Italiener die Schwelle von 30 Prozent, haben sie freie Hand für weitere Aktienkäufe. Die Commerzbank erklärte, sie werde die Unterlagen sorgfältig prüfen und danach eine Empfehlung abgeben.
Die italienische Großbank Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Das Frankfurter Geldhaus und die Bundesregierung sprechen sich gegen eine Übernahme aus.
16.03.2026 | 2:30 minMit dem Angebot erwarte die Unicredit gar nicht, die Kontrollmehrheit von über 50 Prozent bei der Commerzbank zu übernehmen, so Barrett: "Unicredit-Chef Andrea Orcel denkt langfristiger und will mit dem Vorstoß vor allem den Commerzbank-Vorstand an den Verhandlungstisch bringen."
Orcel selbst betonte: "Unser Interesse gilt vielmehr der Umsetzung unserer Agenda und der Sicherstellung, dass die Commerzbank ihr volles Potenzial ausschöpft und sich wandelt."
Commerzbank wehrt sich gegen Übernahme
Beim Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp beißt Orcel bisher allerdings auf Granit. Die Commerzbank sehe im Vorgehen der Italiener ein feindliches Taktieren, erklärt Barrett.
Eine Fusion würde wohl bedeuten, dass rund 7.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Entsprechend groß ist die Ablehnung von deutscher Seite.
Stephanie Barrett, ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen
Zudem könnten weitere Tausende Jobs bei den Tochtergesellschaften der Commerzbank AG betroffen sein, warnt Sascha Uebel, Betriebsratsvorsitzender der Commerzbank gegenüber dem ZDF.
Die italienische Großbank Unicredit erhöht im Übernahmekampf um die Commerzbank den Druck und spricht dem Frankfurter Institut in seiner jetzigen Form die Zukunftsfähigkeit ab.
20.04.2026 | 0:56 minDer deutsche Staat will seine restlichen gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile nicht verkaufen und setzt sich für eine eigenständige Commerzbank ein. "Ich denke, Regierungen entwickeln ihre Ansichten ebenso wie Führungskräfte weiter", sagte Orcel dennoch. "Und wenn sie nicht verkaufen wollen, haben wir in Deutschland einen starken Partner, nämlich die Regierung. Und das ist großartig."
Unicredit sieht Milliardenpotenzial bei enger Zusammenarbeit
Orcel hatte bereits im April seine Ideen vorgestellt, wie die Commerzbank deutlich profitabler werden könnte. Bei einer Fusion - etwa mit der Münchner Unicredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) - wären bis 2030 sogar zwei Milliarden Euro mehr Gewinn für die Commerzbank drin, erklärte Unicredit.
Vor einem Jahr protestierten Commerzbank-Angestellte vor der Hauptversammlung der Bank. Der DAX-Konzern hatte angekündigt, 3.900 Stellen abzubauen, den Großteil davon in Deutschland.
15.05.2025 | 1:31 minWenn Unicredit die Kontrolle erlange, die Commerzbank aber eigenständig bleibe, könnte diese durch eine engere Zusammenarbeit mit den Italienern rund 800 Millionen Euro Mehrwert vor Steuern schaffen. Die Bank solle sich auf Deutschland - vor allem auf den Mittelstand - und auf Polen konzentrieren und ihr internationales Netz ausdünnen, schlagen die Italiener vor.
Commerzbank-Chefin Orlopp verteidigt Geschäftsmodell
Das hat die Commerzbank aber vehement zurückgewiesen, gerade das sei ihre Stärke bei der Begleitung des Mittelstands, sagt die Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp:
Trotz mehr als zehn Gesprächen hat die Unicredit unser Geschäftsmodell noch nicht ganz verstanden.
Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende Commerzbank
Orlopp will am Freitag selbst Pläne vorstellen, wie sie die Bank bis 2030 noch stärker auf Profit trimmen will - weitere Stellenstreichungen inklusive. Die Commerzbank-Chefin weiß die Bundesregierung auf ihrer Seite.
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