Spielwarenhersteller:Werksschließung bei Playmobil: Warten auf die Kündigung
von Brigitte Saar
Die Horst-Brandstätter-Group kündigte an, das einzige Playmobil-Werk in Deutschland schließen zu wollen. Im Juni soll Schluss sein - doch bisher gab es keine Kündigungen.
Mini-Figuren mit Helmfrisur: 3,8 Milliarden davon hat Playmobil seit der Gründung 1974 verkauft. Jetzt wurde bekannt: Playmobil schließt sein letztes von zwei Werken in Deutschland.
12.03.2026 | 6:23 min"Wir hängen in der Luft", sagt Petra Sonnenmayr (Name von der Redaktion geändert), die seit mehr als 20 Jahren bei Playmobil arbeitet. "Du weißt einfach nicht, wie’s weitergeht."
Die Playmobil-Produktion in Deutschland ist zu teuer
Die Hiobsbotschaft kam Anfang Februar: Da kündigte der in die Krise geratene Spielwarenhersteller in einer Betriebsversammlung das Aus für den deutschen Produktionsstandort an - nur eine Woche nach der Spielwarenmesse Nürnberg, in der ein "Aufschwung" bei Playmobil in Aussicht gestellt wurde. Die Produktion soll bis Ende Juni 2026 in andere Werke (auf Malta und in Tschechien) verlegt werden - Playmobil ist dann nicht mehr "Made in Germany". Die Verlagerung soll die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern: Die Lohn- und Produktionskosten seien in Deutschland zu hoch.
Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg stehen viele Neuheiten im Vordergrund: Besonders Technologien mit KI sind der neue Trend. Das stößt aber nicht bei allen auf Begeisterung.
27.01.2026 | 2:01 minPetra Sonnenmayr ist bitter enttäuscht: "Ich fühle mich von vorne und hinten belogen. Letztes Jahr wurde bei Brandstätter noch groß umstrukturiert. Wir haben gefragt, ob sie das Werk schließen wollen. Da hieß es: Nein, das machen wir, damit es wieder aufwärts geht."
Man tue alles, um die Beschäftigten in der Übergangsphase zu unterstützen, sagte Anfang März ein Playmobil-Sprecher. Der Arbeitgeber hat seither mehrere Jobbörsen mit regionalen Firmen organisiert, damit sich die Mitarbeitenden "umorientieren" können. Doch auf die Kündigung warten die Betroffenen bis heute.
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04.12.2025 | 3:05 minKein Sozialplan, keine Transfergesellschaft
Der Countdown läuft: In elf Wochen soll das Werk schließen. Langjährige Mitarbeiter haben bis zu sieben Monate Kündigungsschutz - wie soll das zeitlich gehen? Auf Nachfrage des ZDF schreibt ein Unternehmenssprecher dazu lediglich:
Der Prozess zur Verlagerung unserer Playmobil-Produktion vom Standort Dietenhofen verläuft […] planmäßig und wird zum 30. Juni 2026 abgeschlossen sein - auch der Kündigungsprozess wird wie geplant durchgeführt.
Sprecher der Horst-Brandstätter-Group
Ohne eine schriftliche Kündigung durch den Arbeitgeber ist es schwer für die Beschäftigten, sich um die Zeit "danach" zu kümmern. Wer einen neuen Job in Aussicht hat, muss einen Auflösungsvertrag unterschreiben. Klappt es mit der neuen Stelle nicht, kann die Agentur für Arbeit bis zu zwölf Wochen das Arbeitslosengeld streichen.
"Du hast nichts in der Hand, was ein Rechtsanwalt prüfen könnte", so Petra Sonnenmayr.
Gibt es eine Abfindung? Wenn ja, wie hoch? Gehe ich gerichtlich gegen die Kündigung vor? Oder unterschreibe ich einen Auflösungsvertrag, einfach nur, damit ich es endlich hinter mir habe?
Mitarbeiterin bei Playmobil Deutschland
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14.02.2026 | 0:42 minEine enorme psychische Belastung
Zukunftsängste, fehlende Wertschätzung, Motivationsprobleme: Für viele der Playmobil-Beschäftigten in Dietenhofen ist es nun ein täglicher Kraftakt, zur Arbeit zu gehen. "Ich bin von der alten Generation, ich ziehe das durch, werde mich nicht krankschreiben lassen" sagt Petra Sonnenmayr und klingt dabei fast schon trotzig. "Aber moralisch ist das alles Mist. Auf dem Papier haben die uns längst abgeschrieben."
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