AllBright-Studie zu Führungspositionen:Firmenspitze in Familienunternehmen überwiegend männlich
von Sina Mainitz
In deutschen Familienbetrieben sind Frauen in Führungspositionen laut einer Studie Mangelware. Doch es gibt auch Firmen in Deutschland, die mit gutem Beispiel vorangehen.
Eine Studie der gemeinnützigen AllBright Stiftung zeigt: Deutsche Familienunternehmen setzen zu wenig auf weibliches Talent.
28.04.2026 | 1:00 minIn deutschen Chefetagen stagniert die Vielfalt. Das zeigt eine Studie der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung, die auf die 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen blickt, darunter Aldi, Haribo, Continental oder die dm-Drogeriemärkte. Eins wird demzufolge sichtbar: Gerade in Familienunternehmen ist traditionell ein Mann an der Spitze. In Dax-Unternehmen bestehe hingegen die Tendenz, mehr Frauen an die Konzernspitze zu setzen.
Börsennotierte Unternehmen haben eine Transparenzpflicht. Deswegen stellen sie sich häufig diverser auf.
Dr. Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der AllBright Stiftung
Die deutsch-schwedische AllBright Stiftung ist eine politisch unabhängige und gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Stockholm und Berlin. Seit Jahren setzt sie sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein. Gleiche Karrierechancen für Frauen und Männer und bessere Unternehmensresultate durch gemischte, moderne Führungsteams sind das Ziel.
Diverse Teams wichtig für Erfolg von Unternehmen
Viele Mittelständler seien seit Generationen in Familienhand. Die Familie ziehe im Hintergrund die Strippen. Die Familienunternehmer sagten oft, sie denken in Generationen und nicht in Quartalen, führt Ankersen aus.
Mit 29,1 Prozent bleibt der Anteil an Frauen in Führungspositionen seit Jahren gering. Frank Bethmann ordnet die Gründe ein.
03.11.2025 | 1:16 minUnd oft ist die Führung männlich. Da hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert. Damit nehmen sich die Unternehmen selbst die Chance auf Modernisierung, sagt Wiebke Ankersen:
Es gibt Studien von Banken und Unternehmensberatungen, die besagen, dass diverse Teams besser auf geopolitische und wirtschaftliche Krisen reagieren können.
Dr. Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der AllBright Stiftung
Familienunternehmen seien eher traditionell aufgestellt, berichtet auch Cawa Younosi, Geschäftsführer der Charta der Vielfalt. "Das heißt, der Sohn übernimmt meistens die Firma und die Tochter unterstützt. Stereotype sind hier eher sichtbar."
Verteilung in den Vorstandsetagen
Der Frauenanteil in der Geschäftsführung bei den 100 umsatzstärksten Familienunternehmen liegt laut Studie der AllBright Stiftung bei 13 Prozent. Das ist im Zweijahreszeitraum ein kaum nennenswerter Zuwachs von 0,4 Prozent: Es wurden wieder verstärkt Männer rekrutiert, seit März 2024 waren nur noch 17 Prozent der Neurekrutierungen für die Geschäftsführungen der Familienunternehmen weiblich.
20 der 100 größten deutschen Familienunternehmen sind auch an der Frankfurter Börse notiert und die Familie hält einen signifikanten Anteil der Aktien (zum Beispiel BMW, Continental, Henkel, Merck). Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen dieser Unternehmen entspricht mit 19,8 Prozent in etwa dem Durchschnitt aller Börsenunternehmen und ist deutlich höher als bei den nicht-börsennotierten Familienunternehmen, wo er bei 11,1 Prozent liegt.
Positiv-Beispiel: Wie Diversität funktionieren kann
Ein gutes Beispiel, wo und wie es anders laufen kann, ist das Bankhaus Metzler. Die Privatbank existiert seit über 350 Jahren in Frankfurt im Familienbesitz. Die Firmenspitze teilen sich die Geschwister Elena und Franz von Metzler auf. Jeder hat seine Aufgabe.
Am 23. April fand bundesweit der Girls' and Boys' Day statt. Er soll Mädchen und Jungen Einblicke in Berufe jenseits klassischer Rollenbilder geben. In Saarbrücken bekommen Jungen und Mädchen die im Klinikum auf dem Winterberg.
23.04.2026 | 1:53 minEin weiteres Vorzeige-Beispiel ist der baden-württembergische Outdoor-Ausstatter VAUDE aus Tettnang. Antje von Dewitz ist Mutter und Managerin. Sie hat das Geschäft von ihrem Vater übernommen. Das Unternehmen hat knapp 50 Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt.
Wir haben die Rahmenbedingungen verändert und gut hingehört. Wir haben investiert in Betreuung der Kinder von Mitarbeitenden, bei uns können auch Führungskräfte in Teilzeit arbeiten.
Antje von Dewitz, VAUDE
Die Arbeitnehmerschaft verändert sich. Seit 2012 schließen mehr Frauen als Männer ein Studium der Wirtschaftswissenschaften ab. Dennoch spiegelt sich das am Ende (noch) nicht im Chefsessel wider.
Sina Mainitz ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen
Noch nicht mal 30 Jahre alt und schon Chef oder Chefin. Wenn Kinder das Lebenswerk der Eltern weiterführen, ist es für beide Seiten kein einfaches Unterfangen.
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