Unternehmen wie Action, Rituals & Co.:Niederländer erobern deutsche Innenstädte
Preiswert - aber mit Stil: Das gilt für viele niederländische Unternehmen, die sich in deutschen Fußgängerzonen niedergelassen haben.
In ganz Deutschland kämpfen Innenstädte mit Leerstand. In Mainz müssen zum Ende des Jahres gleich zwei alteingesessene Geschäfte schließen - aus unterschiedlichen Gründen.
29.12.2025 | 1:45 minDer deutsche Einzelhandel hat es aktuell nicht leicht. Im vergangenen Jahr mussten rund 4.500 Einzelhändler schließen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: ein noch immer spürbarer Knick durch die Pandemie, teure Mieten, wenig Parkplätze für Kunden und der Onlinehandel. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb staatliche Hilfen in einem "Maßnahmenbündel", darunter Investitionen und Steuererleichterungen.
Aktuell bauen nur wenige Ketten in Deutschland ihre Filialnetze aus. Zu den wenigen gehören Unternehmen aus den Niederlanden wie Action, Rituals oder Coolblue.
Der deutsche Einzelhandel befindet sich inmitten einer Umbruchsphase.
Quelle: dpaAction ist am größten
Der 1993 gegründete Non-Food-Discounter Action eröffnete 2009 seine erste Filiale direkt an der niederländischen Grenze. Heute betreibt Action in Deutschland rund 650 Geschäfte und beschäftigt knapp 15.000 Menschen. Damit hat die Kette mehr Filialen als Media Markt, Obi, Müller, H&M oder C&A.
Koen Hazewinkel, Handelsexperte an der EFMI Business School im niederländischen Baarn, sagt: "Action ist sehr günstig. Preislastige Formate lassen sich gut expandieren - besonders nach Deutschland, dem Land des Discounts."
Von Mainz bis München: Immer mehr Läden schließen, auch Traditionsbetriebe. Der Handelsverband fordert Steuervorteile und faire Regeln für den Wettbewerb.
24.12.2025 | 1:35 minRituals macht Douglas Konkurrenz
Kosmetik-, Körperpflege- und Lifestyleprodukte sind Kern des Sortiments von Rituals. Das Unternehmen ist seit 2008 in Deutschland und hat inzwischen nach eigenen Angaben gut 260 Geschäfte. Marktführer Douglas kommt auf rund 340.
Deutschland ist einer der größten Märkte des Unternehmens. Das Unternehmen betont, dass hierzulande "eine bedeutende Zahl neuer Geschäfte" geplant sei.
Weitere Unternehmen mit niederländischen Wurzeln:
- Hunkemöller, Fachhändler für Wäsche, Strümpfe und Dessous, mehr als 330 Filialen;
- Modemarke G-Star Raw, 40 Geschäfte;
- Textildiscounter Zeeman, mehr als 100 Filialen;
- Elektronikhändler Coolblue, aktuell sieben Geschäfte, bis 2029 sollen rund 30 weitere hinzukommen.
- Dille & Kamille - Handelskette für Haus, Garten und Küche - elf Geschäfte.
- In den Niederlanden gegründet wurde auch der Lebensmittel-Lieferdienst Picnic. Er beliefert Kunden in 250 Städten.
- Nur online präsent ist die Shop Apotheke. Sie zählt zu den umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland.
- Die Bestellplattform Lieferando gehört zum niederländischen Lieferdienst Just Eat Takeaway.
- Niederländische Wurzeln haben zudem Spar und Euronics.
Einzelhändler in den Städten sind wegen der starken Konkurrenz durch den Online-Handel besorgt. Vielerorts verschwindet das Leben aus den Innenstädten. Coburg ist da ein Gegenbeispiel.
07.07.2025 | 2:33 minWarum expandieren niederländische Unternehmen in Deutschland?
"Der Heimatmarkt Niederlande ist mit 18 Millionen Einwohnern überschaubar", sagt Janine Damm von der deutsch-niederländischen Handelskammer. Deutschland sei aufgrund kultureller Nähe und ähnlicher Mentalität attraktiv. Hinzu kommt die logistisch günstige Lage. Deutschland kann direkt aus den Niederlanden beliefert werden. "Das unternehmerische Risiko ist also verhältnismäßig klein." Unterschiede sieht sie vor allem in der Geschäftskommunikation:
In den Niederlanden sind die Hierarchien flacher, die Umgangsformen, auch unter Geschäftspartnern, lockerer.
Janine Damm, deutsch-niederländische Handelskammer
Deutsche legten dagegen großen Wert auf Vorbereitung, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Der formellere Umgang könne zu Missverständnissen und Konflikten führen.
Nicht alle schaffen es
Einige Expansionsversuche sind allerdings gescheitert. Die Warenhauskette Hema hatte größere Expansionspläne, verfolgte sie jedoch nicht weiter. Auch die Non-Food-Ketten Blokker und Xenos stellten ihre Aktivitäten ein.
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