Neue Währung seit Neujahr:Auch Bulgarien bezahlt jetzt mit Euro
Mit dem Jahreswechsel hat Bulgarien seine bisherige Währung Lew gegen den Euro eingetauscht - als 21. Mitgliedsland der EU. Neben Hoffnungen gibt es auch Skepsis.
Seit heute ist in Bulgarien der Euro die offizielle Währung. Doch rund die Hälfte der bulgarischen Bevölkerung sieht den Wechsel skeptisch.
01.01.2026 | 1:36 minMit Beginn des neuen Jahres hat Bulgarien den Lew durch den Euro ersetzt - genau 19 Jahre nach seinem Beitritt zur EU. Der Balkanstaat ist damit das 21. Land, in dem die Gemeinschaftswährung das offizielle Zahlungsmittel ist. Präsident Rumen Radew bezeichnete die Euro-Einführung als "letzten Schritt" der EU-Integration Bulgariens.
Der Euro werde dem Tourismus helfen sowie bulgarischen Herstellern den Handel mit Europa und der Welt erleichtern, hatten zuvor bereits das bulgarische Finanzministerium und die Nationalbank BNB erklärt. Bulgarien ist damit das erste Land am Schwarzen Meer, in dem die Gemeinschaftswährung gilt.
Bürger Bulgariens befürchten "Teuro" statt Euro
Auch für Urlauber wird vieles einfacher: Geldwechsel und zusätzliche Gebühren entfallen, Preise lassen sich einfacher vergleichen und Kartenzahlungen werden unkomplizierter. Der feste Umrechnungskurs liegt bei 1,95583 Lew pro Euro - exakt derselbe, zu dem einst die D-Mark in den Euro überging.
Seit Januar 2025 ist Bulgarien auch Schengen-Mitglied. Unter schwierigen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen gehen Pioniere im Land Veränderungen an.
11.02.2025 | 1:54 minDoch viele Menschen in Bulgarien bezweifeln, dass der Euro ihnen nutzen wird. Die Sorge ist groß, dass mit der Währungsumstellung die Preise in dem Balkanland steigen werden und der Euro sich als "Teuro" entpuppen wird. Und nicht wenige befürchten, dass Bulgarien einen Teil seiner Unabhängigkeit aufgeben muss.
Staatschef Radew kritisiert fehlende Volksabstimmung
Staatspräsident Rumen Radew bemängelte in seiner Neujahrsansprache, dass es zur Euro-Einführung ein Referendum hätte geben sollen. In seiner im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache kritisiert er:
Die Regierenden wollten die Bürger nicht hören.
Rumen Radew, Staatspräsident Bulgarien
Ein entsprechender Antrag Radews war von der prowestlichen Parlamentsmehrheit abgelehnt worden.
Aus den Protesten Zehntausender gegen den Staatshaushalt und die Regierung in Bulgarien ist eine landesweite politische Bewegung geworden.
02.12.2025 | 2:38 minDie Europäische Zentralbank (EZB) weist ihrerseits auf die Vorteile einer Zugehörigkeit zur Eurozone hin. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hieß - als Europas oberste Währungshüterin - "Bulgarien herzlich in der Euro-Familie willkommen" und verspricht den Bulgaren Wohlstand und Sicherheit. Das nun auch in Bulgarien geltende Zahlungsmittel bezeichnet sie als "starkes Symbol" für "gemeinsame Werte und kollektive Stärke".
Bulgarien: Ärmstes EU-Land mit hoher Korruption
Die meisten Bulgaren stehen dem Währungswechsel positiv gegenüber. Ivaylo Mihaylov sagt in den ZDF-Nachrichten: "Ich glaube, dass der Euro Bulgarien insgesamt wirtschaftlich hilft; er wird mehr Investoren nach Bulgarien bringen". Für Wirtschaftswissenschaftler Atanas Pekanov ist der Euro nur ein erster Schritt zu Reformen im Balkanstaat:
Es ist nur ein erster Meilenstein. Bulgarien muss mit Reformen weitermachen. Wichtig sind Strukturreformen, in der Rechtsstaatlichkeit und bei der Antikorruption.
Atanas Pekanov, Wirtschaftswissenschaftler
Massive Proteste gegen Korruption und den Haushaltsentwurf für 2026 haben im Dezember in Bulgarien den Rücktritt des Kabinetts ausgelöst.
11.12.2025 | 1:57 minBulgarien ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das ärmste Land der EU. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International landete Bulgarien zuletzt auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Nach Massenprotesten gegen Korruption war die bulgarische Regierung Mitte Dezember nach weniger als einem Jahr im Amt zurückgetreten.
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