Historische schlechte Biathlon-Saison:Nach Trainer-Beben: Das ändert sich im deutschen Biathlon
von Lars Becker
Kein Sieg in 69 Rennen - der historisch schlechten Biathlon-Bilanz folgt das Trainer-Beben. Was sich noch im deutschen Biathlon ändern muss.
Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling wird von seinem Vorgänger Bernd Eisenbichler ersetzt.
Quelle: ImagoKein Sieg in 69 Rennen: Felix Bitterling versuchte die historisch schlechte deutsche Biathlon-Bilanz trotzdem wenigstens ein bisschen schönzureden. "Die von einigen Medien verbreitete Weltuntergangsstimmung teile ich nicht, die Kollegen nicht und auch nicht die internationale Konkurrenz", erklärte der rhetorisch außerordentlich begabte Sportdirektor in seinem Abschieds-Statement - obwohl es noch nie eine Biathlon-Saison ohne deutschen Sieg gab.
Der scheidende Sportdirektor Biathlon Felix Bitterling spricht über die Saison ohne Weltcup-Sieg und bestätigt, dass zwei Trainer der Frauen das deutsche Team verlassen werden.
22.03.2026 | 3:14 minBitterling wird seine Position, wie schon lange bekannt ist, verlassen und zur Internationalen Biathlon-Union (IBU) wechseln. Sein Nachfolger wird sein Vorgänger Bernd Eisenbichler.
Frauen-Trainer Mehringer und Röiseland treten zurück
Ebenfalls ihren Hut nehmen die beiden Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland nach der verkorksten Saison. Beim überaus beliebten Norweger hat das vor allem familiäre Gründe - seine Frau Marte erwartet bald das zweite gemeinsame Kind, zudem war der Co-Chefcoach an Hodenkrebs erkrankt.
Sein Chef Kristian Mehringer musste wegen der desaströsen Bilanz seines eigentlich mit hochtalentierten Sportlerinnen besetzten Frauen-Teams gehen. Im Weltcup gab es nur einen einzigen Einzel-Podestplatz durch Franziska Preuß, bei den deutschen Männern waren es immerhin vier.
Nur eine Medaille für den DSV bei den Olympischen Spielen
Bei Olympia schaffte das deutsche Team insgesamt nur eine einzige Bronzemedaille im Mixed. Auch das ein Tiefpunkt: So schlecht waren deutsche Biathleten letztmals bei den Olympischen Winterspielen vor 50 Jahren in Innsbruck, als die DDR-Staffel Bronze gewann. Allerdings gab es damals nur zwei Entscheidungen, diesmal in Italien derer elf.
Noch vor den Olympischen Spielen hatte Bitterling eine Jobgarantie für Mehringer genau wie für den Männer-Bundestrainer Tobias Reiter ausgesprochen: "Es ist kein Riesengeheimnis, dass die beiden Cheftrainer nach Überzeugung der Sportführung wirklich gute Arbeit leisten. Zu viel Wechsel bringen nichts. Es sind beides Deutsche, beide kennen dieses System sehr gut und sind noch relativ jung. Das passt einfach."
Das deutsche Biathlon-Team hat die Weltcupsaison sieglos beendet. Die historisch schwache Nullnummer hätte Philipp Nawrath fast noch im Massenstart in Oslo verhindert.
22.03.2026 | 2:13 minBiathlon-Trainer Reiter und Filbrich bleiben trotz Krise im Amt
Doch nun mussten Konsequenzen her: Mehringer wird nach acht Jahren auf eine noch neu zu definierende Position im Deutschen Skiverband (DSV) abgeschoben. Reiter und sein Co-Trainer Jens Filbrich dürfen weiter die Verantwortung bei den deutschen Männern tragen, weil sie erst seit gut einem Jahr gemeinsam arbeiten.
Da sind wir auf dem richtigen Weg, da braucht es Ausdauer, Vertrauen und Geduld.
Felix Bitterling, DSV-Sportdirektor
Tatsächlich zeigte von den erfahrenen Sportlern im deutschen Team nur Philipp Nawrath einen konstanten Aufwärtstrend. Der Gesamtweltcup-Neunte ist allerdings schon 33 Jahre alt, auch der zweite läuferisch konkurrenzfähige deutsche Athlet Philipp Horn ist bereits 31.
Auch im letzten Weltcuprennen der Saison wird es nichts mit einem deutschen Sieg. Janina Hettich-Walz wird im Massenstart von Oslo als beste Deutsche Zehnte. Lisa Vittozzi (Italien) siegt.
22.03.2026 | 3:00 minHier ist ein konsequenter Generationswechsel nötig, der mit dem Einsatz der Talente Leonhard Pfund (22), Franz Schaser (23) und Elias Seidl (21) beim Weltcup-Finale in Oslo am vergangenen Wochenende (zu spät) eingeleitet wurde.
DSV-Frauen suchen neue Führungsfigur
Bei den deutschen Frauen wird nach dem nicht von einem Happy End gekrönten Abschied von Franziska Preuß - die im vergangenen Winter noch Einzel-WM-Gold und den Gesamtweltcup-Sieg für Deutschland geholt hatte - nach einer neuen Führungsfigur gesucht. Genügend Anwärterinnen sind mit Julia Tannheimer (20) oder Selina Grotian (21) sowie der erfahreneren Janina Hettich-Walz (29) vorhanden. Allerdings braucht das Trio endlich konstante Schießleistungen, während bei Vanessa Voigt (28) das letzte Quäntchen in der Loipe fehlt.
Die nötigen Talente mit dem "X-Faktor" für künftige Siege gibt es also potenziell im deutschen Team - es braucht aber die passenden Impulse von der Sportführung für die letzten Schritte der Entwicklung. Vom in München gebürtigen Erfolgstrainer Johannes Lukas - 32 Medaillen mit Schweden bei WM und Olympia - hat der DSV allerdings bereits eine Absage kassiert.
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