Biathletin Hettich-Walz vor Comeback:"Schwangerschaft im Leistungssport bleibt eine Ausnahme"
Nach ihrer Babypause kehrt Janina Hettich-Walz ins Biathlon-Weltcupteam zurück. Hier spricht die Vizeweltmeisterin von 2024 über ihr Comeback, neue Balance und den Olympia-Traum.
Nach ihrer Babypause feiert Biathletin Janina Hettich-Walz bereits beim Saisonauftakt in Östersund ihre Rückkehr in den Weltcup (Archivfoto).
Quelle: IMAGO / BildbyranZDFheute: Sie waren gerade Vizeweltmeisterin, als Sie aufgrund Ihrer Schwangerschaft pausiert haben. Wie schwer war es, auf diesem Höhepunkt aufzuhören?
Hettich-Walz: Für mich war das nicht schlimm, denn die Pause war nicht erzwungen, sondern geplant - und ich habe mich sehr über die Schwangerschaft gefreut. Der Wunsch nach Familiengründung war einfach größer. Gleichzeitig war mir von Anfang an klar, dass ich zum Leistungssport zurückkehren will. Das hat mir die Entscheidung leicht gemacht.
ZDFheute: Sie sind die erste aktive Biathletin in Deutschland, die während ihrer Karriere schwanger wurde. Wie sind Sie damit umgegangen?
Hettich-Walz: Schwangerschaft im Leistungssport bleibt eine Ausnahme. Ich hatte viel Austausch mit Trainern und der medizinischen Abteilung. Aber ich habe bewusst darauf verzichtet, mich mit vielen anderen schwangeren Sportlerinnen auszutauschen, die wieder zurückgekommen sind. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen und mich nicht unter Druck setzen lassen - zum Beispiel, wenn andere länger trainieren oder früher zurückkommen. Ich habe mich komplett auf mein Körpergefühl verlassen.
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ZDFheute: Was haben Sie seit der Geburt Ihrer Tochter über Ihren Körper gelernt?
Hettich-Walz: Vor allem, noch stärker auf ihn zu hören. Direkt nach der Geburt habe ich natürlich Veränderungen gemerkt. Als Leistungssportlerin muss man erst akzeptieren, dass man zwar trainiert, die Leistungsfähigkeit aber erst mal im Keller ist - obwohl man eigentlich gewohnt ist, ständig besser zu werden.
Wenn sich während der Schwangerschaft etwas unangenehm angefühlt hat, habe ich es weggelassen: klassisches Joggen zum Beispiel oder später das Liegendschießen. Dafür ging Ergometerfahren, Nordic Walking oder leichtes Krafttraining bis kurz vor der Geburt problemlos. Nach der Geburt war ich nach drei bis vier Monaten aber wieder auf einem Niveau, auf dem ich keinen Unterschied mehr zu vorher gespürt habe.
Janina Hettich-Walz, geboren am 16. Juni 1996 in Schramberg, zählt zu den besten deutschen Biathletinnen der vergangenen Jahre. Ihre größten Erfolge: WM-Silber 2021 in der Staffel, zusätzlich Einzel-Silber und Bronze 2024. Nach der Geburt ihrer Tochter wagt sie nun ihr Comeback im Weltcup. In Östersund startet sie in ihre erste Weltcup-Saison als Mutter - mit dem Ziel an Olympia 2026 teilzunehmen.
ZDFheute: Wie beeinflusst Ihre Tochter Ihren Trainingsalltag?
Hettich-Walz: Mein ganzer Tagesablauf richtet sich nach ihr. Ohne die Hilfe meiner Mutter und Schwiegermutter wäre vieles kaum möglich. So kann ich meinen Sport trotzdem leben. Im Trainingslager ist mein Mann dabei - dann darf das Training für eine Zeit lang Priorität haben. Und ich trainiere jetzt häufiger am Wochenende oder abends. Es ist weniger Zeit als früher, aber dafür steckt in jeder Einheit noch mehr Herz und Qualität.
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ZDFheute: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie wieder konkurrenzfähig sind?
Hettich-Walz: Beim ersten intensiven Trainingsblock nach der Schwangerschaft. Ich merkte sofort: Es funktioniert. Die Deutsche Meisterschaft im Sommer bestätigte das. Das gab mir viel Selbstvertrauen.
Diese Doku zeigt Deutschlands Biathlon-Team so nah wie nie: ein turbulentes Jahr voller Druck, Tränen, großer Emotionen und echtem Zusammenhalt.
21.11.2025 | 1:00 minZDFheute: Hatten Sie Sorge, dass das Comeback vielleicht nicht klappt?
Hettich-Walz: Ehrlich gesagt nicht. Ich habe darauf vertraut, dass der Verband und die Trainer mir nach dem Babyjahr meinen Kaderplatz wiedergeben. Und so war es dann auch. Vielleicht hätte ich mir mehr Gedanken gemacht, wenn die Saison vorher schlecht gewesen wäre. Es gibt in Deutschland bisher keine Beispiele, ich bin die Erste im Biathlon. Ich hatte wirklich Glück.
Die fünfteilige Doku-Serie "Biathlon Nation – Ein Team. Eine Mission." begleitet die deutschen Biathlon-Stars durch ein dramatisches Jahr und zeigt Tränen, Druck und emotionale Momente aus dem Innenleben des Teams. Sie erzählt vom knallharten Konkurrenzkampf und dem Ringen um die Rückkehr in die Weltspitze 2024/25. Die Kamera ist dabei, wenn hinter den Kulissen gestritten, gelacht und gefeiert wird - wie beim spektakulären Gesamtweltcupsieg von Franziska Preuß.
ZDFheute: Sie haben ein Jahr lang keinen Wettkampf bestritten. Wie groß waren die finanziellen Einbußen?
Hettich-Walz: Groß. Kein einziges Rennen bedeutet null Preisgeld. Dazu kommt weniger Sichtbarkeit - und damit weniger von Sponsoren. Das muss man sich vorher bewusst machen. Männer haben es da klar einfacher: Wenn sie Väter werden, können sie ihren Sport fast ohne Einschnitte weitermachen. Bei Frauen ist das anders, aber ich will mich nicht beschweren - es ist einfach die Realität. Ich bin dankbar, dass alle Sponsoren geblieben sind.
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ZDFheute: Was hat Ihnen dabei geholfen, optimistisch zu bleiben?
Hettich-Walz: Ich habe mir vorher gesagt: Wenn es nicht mehr klappt, ist das okay. Ich wäre trotzdem stolz auf meine Karriere gewesen. Für mich war wichtig, mit mir selbst im Reinen zu sein. Gleichzeitig hatte ich natürlich große Ziele - unabhängig davon, ob ich ein Kind bekomme oder nicht. Olympia 2026 war immer eines davon und bleibt mein Traum.
Das Interview führte Marie-Julie May.
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