Turner Toba: "Verletzungen haben mir Schwachpunkte gezeigt"

Turner Toba über Verletzungen:"Vertrauen kommt nie von selbst zurück"

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Jahrelang turnte Andreas Toba auch höchstem Niveau - und war immer wieder verletzt. Im Interview spricht er über die Herausforderungen eines Comebacks.

Trainer Andreas Toba beobachtet seinen Athleten Trebing am 02.08.2025 in Dresden bei der Deutschen Meisterschaft im Turnen.

War in seiner langen Karriere oft verletzt und trotzdem erfolgreich: Andreas Toba.

Quelle: dpa

Als "Hero de Janeiro" wurde Andreas Toba bei den olympischen Spielen 2016 in Rio bekannt. Dort turnte er trotz gerissenem Kreuzband weiter. Es sollte nicht die einzige Verletzung seiner Karriere bleiben. Im ZDFheute-Interview spricht der Ex-Turner über die Herausforderungen eines Comebacks von einer Verletzung.

ZDFheute: Bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 haben Sie trotz Kreuzbandriss weitergeturnt. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?

Andreas Toba: Schmerz hatte ich damals kaum. Ich habe nur gemerkt, dass etwas geknackt hat, war verunsichert und wusste nicht, was passiert war. Mir wurde klar: Die Übung ist vorbei, die Chance auf das Mehrkampffinale weg - das war mein erster Gedanke.

ZDFheute: Hat man in so einer Situation direkt Angst vor einer schlimmen Verletzung?

Toba: Man merkt schon, ob es ernst ist. Nicht unbedingt, was genau kaputt ist, aber wie schlimm es sein könnte. Mit den Jahren lernt man, Schmerzen einzuordnen. Wenn etwas knackt oder rausspringt, denkt man sofort: hoffentlich keine Operation.

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ZDFheute: Was ist schwerer: die Diagnose oder die langen Monate Reha?

Toba: Für den Kopf ist die Zeit bis zur Diagnose am schwersten. Dieses Warten, bis man weiß, was wirklich los ist. Die Reha ist hart und langwierig, aber berechenbar - darauf kann man sich einstellen.

ZDFheute: Woher kam nach mehreren Verletzungen die Motivation für ein Comeback?

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Toba: Nicht aus dem reinen Hunger nach Erfolgen. Erfolge gab es, aber nicht immer so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Viel wichtiger waren meine persönlichen Ziele: welche Wettkämpfe ich turnen wollte, was ich mir vornahm. Daran habe ich mich orientiert und dafür trainiert.

ZDFheute: Verletzungen reißen einen auch aus dem gewohnten Alltag. Wie haben Sie das erlebt?

Toba: In der Vorbereitung herrscht viel Druck und Stress, man lebt nur fürs Training. Mit einer Verletzung fällt dieser Druck von einem Moment auf den anderen weg. Klar, es kommen andere Probleme dazu, aber für ein, zwei Tage konnte ich durchatmen und mich neu sortieren. Trotzdem hat mir die Halle schnell gefehlt. Nach zwei, drei Wochen wollte ich immer wieder anfangen.

ZDFheute: Wie lange dauert es, bis das Vertrauen in den eigenen Körper zurückkommt?

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Toba: Von allein kommt das Vertrauen nie. Man fängt wieder bei null an - laufen lernen, landen lernen, Stabi-Training. Dann kleine Sprünge, später schwierigere Elemente. Beim ersten Mal ist man vorsichtig, aber man wächst mit den Aufgaben. Schritt für Schritt kommt das Vertrauen zurück.

ZDFheute: Gab es während Verletzungspausen Druck von außen - Verband, Sponsoren oder Medien?

Toba: Vom Verband oder Sponsoren nie. Der Druck kam von mir selbst, weil ich wusste: Im Leistungssport ist man ersetzbar. Wenn jemand besser ist, nimmt er deinen Platz.

Ich musste meine Leistung zurückerobern, um im Team zu bleiben und meinen Lebensunterhalt zu sichern.

Turner Andreas Toba

Aber ich war abgesichert, hatte einen klaren Zeitplan, wann ich wieder in die Mannschaft turnen musste. Das half, nicht in Panik zu verfallen. Außerdem hatte ich immer einen Plan B. Alle Leistungssportler sollten den haben - das gibt Sicherheit.

ZDFheute: Wie fühlt es sich an, nach einem Comeback wieder auf höchstem Niveau zu turnen?

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Toba: Ich spreche in dem Zusammenhang ungern von Stolz. Vielmehr habe ich Dankbarkeit gespürt: dafür, dass ich die Chance bekommen habe, noch einmal so weit zu kommen, und für all die Menschen, die mich unterstützt haben. Familie, Trainer, Freunde - ohne sie wäre es oft nicht gegangen. Sie haben mich motiviert, wenn meine eigene Kraft fehlte. Leistungssport ist immer ein Teamprojekt.

ZDFheute: Was haben Sie aus diesen Erfahrungen über sich selbst gelernt?

Toba: Ich wusste schon früh, dass ich sehr leidensfähig bin, gerade körperlich. Aber die Verletzungen haben mir Schwachpunkte gezeigt.

Ich hätte früher mehr für Stabilität und Regeneration tun müssen - nicht nur eine Woche Urlaub nach großen Wettkämpfen, sondern echte Erholung, damit der Körper wieder bei 100 Prozent ist. Das habe ich gelernt und später auch umgesetzt. Außerdem habe ich gelernt, Rückschläge zu akzeptieren.

Anfangs war es frustrierend, wenn ich nicht die schwierigsten Übungen zeigen konnte.

Turner Andreas Toba

Aber irgendwann habe ich verstanden: Viele Dinge passieren nicht gegen einen, sondern zu ihrer Zeit und manchmal auch für einen. Diese Akzeptanz hat mir am Ende viel gegeben - im Sport und darüber hinaus.

Das Interview führte Sebastian Ungermanns

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Quelle: Reuters

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