Haselnuss-Kerne unter der Lupe:Öko-Test: Kein ganz ekelfreier Nuss-Genuss
Haselnüsse sind nicht nur ein Powersnack, sondern auch eine beliebte Backzutat in der Vorweihnachtszeit. Viele der Kerne überzeugen Öko-Test. Es gibt aber auch Ausreißer.
Kurz vor Weihnachten hat Öko-Test verschiedene Haselnüsse aus dem Supermarkt unter die Lupe genommen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Quelle: imago/Uwe KrönerVor allem in der Weihnachtszeit dürfen sie nicht fehlen: Haselnüsse. Öko-Test hat die beliebte Zutat für die heimische Backmanufaktur in seiner aktuellen Ausgabe getestet. Das Fazit: Viele sehr gute Bewertungen, aber auch ein paar Nusskerne, die so gar nicht schmecken.
Nüsse gelten als kerngesund. Doch die Arbeitsbedingungen in Anbauländern und lange Transportwege verursachen Gesundheitsprobleme und Umweltschäden.
07.05.2023 | 28:55 min20 verschiedene Haselnuss-Marken hat Öko-Test im Labor untersuchen lassen. Bei zwei Produkten wurden unappetitliche Mängel festgestellt: In einer Packung krabbelte ein lebendes Insekt und in gleich mehreren Tüten der Belbake Haselnusskerne von Lidl, wurden sicht- und messbare Schimmelspuren entdeckt. Beide Produkte erhielten von Öko-Test das Gesamturteil "ungenügend".
Norm zur Qualitätsbeurteilung
Gerade der Ekelfaktor beim Öffnen der Nuss-Packung mit dem lebendigen Insekt erschütterte die Tester. Obgleich es sich bei Nüssen um ein Naturprodukt handele, dürfe so etwas nicht passieren, konstatierte Öko-Test. Zur Bewertung der Nüsse orientierte sich das Labor am UNECE-Standard für Haselnüsse. Es handelt sich um eine von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa erarbeitete Norm zur Qualitätsbeurteilung. Danach müssen Nüsse frei von Schädlingen oder anderen Insekten sein.
Schimmelbefall in mehreren Packungen festgestellt
In mehreren Packungen der Belbake Haselnusskerne naturbelassen fand das Labor Schimmel. Die Belastung zeigte sich sowohl in der mikrobiellen Analyse als auch bei der Sensorikprüfung. Verkostet wurde nicht, es blieb bei der optischen Prüfung. Der Hersteller legte Öko-Test eigene Gutachten vor, in denen an den Nüssen der gleichen Charge sowohl bei der Untersuchung der Rohware vor der Abfüllung als auch bei einer eigenen Nachuntersuchung der verpackten Haselnusskerne kein Schimmel erkennbar war. Da die Testprodukte jedoch von Öko-Test anonym im Handel erworben worden waren, hätten die Schimmel-Packungen genauso gut in jedem Haushalt landen können.
Die Analysen der anderen Produkte zeigten keine bedenklichen Schimmelpilzbelastungen. Auch die Untersuchung auf von Schimmelpilzen gebildete Aflatoxine blieb ohne Befund.
Im Gegensatz zu gemahlenen Haselnüssen in vergangenen Tests haben die meisten ganzen Nüsse kein Problem mit einer hohen Keimbelastung oder Aflatoxinen.
Dr. Lisa Hitschler, Molekularbiologin, Öko-Test
Sensorik-Prüfungen bei Haselnusskernen
Die meisten Marken zeigten in der Sensorikprüfung wenn überhaupt nur geringe Auffälligkeiten. Bei sieben Produkten wurden optische Mängel wie das Fehlen von Samenhaut bei einer größeren Anzahl von Nüssen beanstandet. Daneben wurden angestoßene oder halbe Kerne oder auffällige Größenunterschiede in einer Packung entdeckt. Bei vier Marken waren im Labor mehrere Mängel erkennbar, so Öko-Test.
Bei den Gut & Günstig Haselnusskernen naturbelassen kritisierten die Prüfer einen vergleichsweise bitteren Geschmack, der ihrer Einschätzung nach im verarbeiteten Zustand den Genuss von Backwaren jedoch nicht beeinträchtigen sollte. Das Produkt erhielt, trotz der Abwertung in diesem Punkt, die Gesamtnote "sehr gut".
Ernährungsexpertin Brigitte Bäuerlein im Gespräch über gesunde Bitterstoffe.
21.10.2024 | 5:29 minHinweise auf Erstickungsgefahr
Nüsse sind gesund und schmecken auch vielen Kindern. Jedoch warnt Öko-Test, dass vor allem kleinere Kinder an den runden, harten Haselnusskernen ersticken könnten, sofern sie in die Luftröhre kommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt bereits seit 15 Jahren, "auf Nuss-Verpackungen einen Hinweis zu drucken, etwa 'Achtung. Nüsse können in die Atemwege von Kindern gelangen', um die Verbraucher über das Risiko zu informieren".
Eine Kennzeichnungspflicht gibt es bis heute nicht. Dennoch erwartet Öko-Test entsprechende Warnhinweise auf den Packungen. Ein Großteil der Anbieter kommt diesem auch nach. Auf vier Tüten hingegen, unter anderem bei Globus Haselnusskerne - Gesamturteil "sehr gut" - war dieser nicht vorhanden. Verbraucher müssten aber für dieses Risiko sensibilisiert werden, fordert Öko-Test.
So wurde getestet
In Supermärkten, Discountern und Bio-Läden wurden 20 Marken und Eigenmarken ganzer, naturbelassener Haselnusskerne mit Samenhaut, aber ohne Schale, eingekauft - sieben mit Bio-Label. Zur Vergleichbarkeit umgerechnet auf 200 Gramm kosteten diese zwischen 1,49 und 6,99 Euro.
Im Labor wurden die Haselnüsse auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen sowie auf Weichmacher, die beispielsweise aus der Verpackung übergehen können, untersucht. Gefunden wurden in beiden Prüfpunkten nur nicht abwertungsrelevante Spuren. Da Nüsse mit Cadmium belastet sein können, wurden die Produkte auf das giftige Metall untersucht - auch hier gab es nur Spurenfunde.
Im Rahmen einer mikrobiologischen Untersuchung sind die Produkte auf Schimmelpilze, E.-coli-Bakterien, Salmonellen und Bacillus cereus überprüft worden. Daneben wurde die Gesamtkeimzahl bestimmt. Bis auf ein Produkt mit Schimmelpilzen gab es keine bedenklichen Belastungen. Analysen auf die Schimmelpilzgifte Aflatoxine verliefen negativ.
Orientiert am UNECE-Standard zur Qualitätsbeurteilung von Haselnüssen ist untersucht worden, ob die Kerne intakt, gesund, sauber, nicht ausgetrocknet oder ranzig, ausreichend entwickelt sowie frei von Schimmelhyphen, Fremdkörpern, Veränderungen beziehungsweise Verfärbungen oder Schäden durch Schädlinge waren und ob sie anomale äußere Feuchtigkeit oder Fremdgerüche aufweisen. Auch die Größe und das Vorliegen von Zwillingskernen wurde erfasst.
Zusätzlich wurden die Haselnusskerne von sensorisch geschultem Personal hinsichtlich Aussehen, Geruch, Geschmack sowie Konsistenz verkostet. Da Nüsse leicht die Atemwege von Kindern blockieren können, wurde überprüft, ob auf der Verpackung ein Hinweis zur Erstickungsgefahr bei Kleinkindern abgedruckt ist. Daneben wurde geschaut, ob Umweltauslobungen ausreichend erläutert werden, sowie Health Claims - hier war alles in Ordnung.
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