Tarsaltunnelsyndrom:Schmerzen durch Nervenengpass im Fuß
Missempfindungen und Schmerzen im Fuß können auf ein Tarsaltunnelsyndrom hinweisen. Auslöser: ein gereizter Nerv. Warum die Diagnose schwierig ist und wie behandelt werden kann.
Lange sucht Tina Behrens nach der Ursache für die Schmerzen in ihrem Fuß. Seit sie die Diagnose kennt und spezielle Übungen macht, geht es ihr viel besser.
25.10.2024 | 4:12 minSchmerzen im Fuß kommen häufig vor, denn es gibt viele Ursachen dafür. Fehlstellungen, Verletzungen, Entzündungen oder schlecht sitzendes Schuhwerk etwa. Tritt zudem ein Kribbeln oder Brennen, Taubheits- oder Schwächegefühl auf, könnte das sogenannte Tarsaltunnelsyndrom dahinterstecken.
Der Tarsaltunnel befindet sich an der Innenseite des Sprunggelenks hinter dem Innenknöchel. Ist der darin liegende Schienbein-Nerv, der Nervus tibialis posterior, eingeklemmt oder gereizt, kann das die entsprechenden Symptome nach sich ziehen.
Die Nozizeption ist für das Empfinden von Schmerz verantwortlich und überlebenswichtig - denn nur dank ihr können wir Gewebeschäden vermeiden.
06.09.2023 | 7:56 minTarsaltunnelsyndrom: Warum die Diagnose schwierig ist
Die Diagnose des Tarsaltunnelsyndroms gestaltet sich oft herausfordernd, da die Symptome leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können, erklärt Caroline Werkmeister, Orthopädin und Fußspezialistin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Wichtig ist, dass man erst einmal alle Differentialdiagnosen ausschließt.
Dr. Caroline Werkmeister, Orthopädin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Häufige Fehlinterpretationen seien beispielsweise Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule, eine Entzündung im Fersenbein oder eine periphere Neuropathie, eine Erkrankung der Nerven.
Die Schwachstelle vieler Sportler ist die Achillessehne. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen die Beschwerden behandelt werden können.
16.04.2024 | 5:17 minSo wird ein Tarsaltunnelsyndrom festgestellt
Neben einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt, um die genaue Ursache der Beschwerden zu identifizieren.
Besteht der Verdacht auf ein Tarsaltunnelsyndrom, kann man zusätzlich eine Elektromyographie oder Messung der Nervenleitgeschwindigkeit vornehmen, um die Funktionsfähigkeit des Nervs und den Grad der Nervenschädigung zu beurteilen. Damit werde die Diagnose gesichert, sagt Neurologe Mathias Gelderblom.
Ist die Nervenleitfähigkeit verlangsamt, ist dies ein typischer Befund für das Tarsaltunnelsyndrom.
Dr. Mathias Gelderblom, Neurologe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Ein weiterer Hinweis ist eine geschwächte oder sogar eine Rückbildung der Fußmuskulatur infolge einer langfristigen Schädigung des Nervs, so Gelderblom weiter.
Ein Tarsaltunnelsyndrom entsteht, wenn der Schienbein-Nerv in seiner Passage durch den Tarsaltunnel gereizt oder komprimiert wird. Zu den möglichen Ursachen zählen:
- Anatomische Veränderungen
- Verletzungen
- Überlastung
- Systemische Erkrankungen
- Fehlstellungen des Fußes
Tarsaltunnelsyndrom mit Physiotherapie und Medikamenten behandeln
Die Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms richtet sich nach der Schwere der Symptome und der zugrunde liegenden Ursache. Behandelt werden muss in jedem Fall, sonst drohen dauerhafte Nervenschäden mit chronischen Schmerzen und Taubheitsgefühlen.
Bleibt das Tarsaltunnelsyndrom dauerhaft unbehandelt, kann das zu sensiblen und motorischen Ausfällen führen.
Dr. Caroline Werkmeister, Fußspezialistin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
In der Regel wird zunächst konservativ behandelt. Ist beispielsweise eine Fußfehlstellung wie ein Knick-Senkfuß die Ursache, kann mithilfe von Dehnungsübungen und speziellen Techniken zur Mobilisation das Fußgewölbe aufgerichtet und so der Druck auf den Nerv gemindert werden. Physiotherapeutische Übungen müssen meist für lange Zeit in den Alltag integriert werden.
Nachtschiene oder Operation? Welche Behandlungen bei Hallux Valgus helfen.
12.06.2024 | 5:18 minIn manchen Fällen können spezielle Schuheinlagen den Nerv entlasten. Sie helfen, die Ferse aufzurichten und geben Stabilität. Besser sei es aber, langfristig wieder ohne ein Hilfsmittel zurechtzukommen, sagt Caroline Werkmeister.
Entzündungshemmende Medikamente sowie Injektionen mit Kortison können zum Einsatz kommen, um akute Entzündungen und Schwellungen im Tarsaltunnel zu lindern. Dadurch schwillt die Entzündung ab und der Druck auf den Nerv lässt nach.
Nerv durch Operation entlasten
Bringen konservative Maßnahmen über einen längeren Zeitraum keine Linderung, kann ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Ziel ist, den Druck auf den Nervus tibialis posterior zu reduzieren, indem der Tarsaltunnel entlastet wird. Bei dieser sogenannten Dekompressionsoperation wird das Halteband der Beugesehnen gespalten, um mehr Platz für den Nerv zu schaffen. Auch wenn Tumoren oder knöcherne Veränderungen auf den Nerv drücken, erfolgt eine Operation, um die Wucherung zu entfernen.
Deutschland gilt bei vielen Operationen als Europameister: Allein etwa 500 künstliche Kniegelenke werden täglich eingesetzt. Doch jede OP birgt Risiken.
21.05.2024 | 29:45 minSie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
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