Sozialverband gegen Aufweichung bei Acht-Stunden-Tag

Interview

Sozialverband gegen Flexibilisierung:"Ein 13-Stunden-Tag passt nicht zum Leben der Menschen"

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Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland will am Acht-Stunden-Tag festhalten. Sie sagt, 13 Stunden am Tag arbeiten, passe nicht zum Leben der Menschen.

Mitarbeiter der Deutschen Post sortieren im Zustellstützpunkt Magdeburg-Buckau Briefe.

Braucht Deutschland eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag? Ja, sagt Steffen Kampeter, der Arbeitgeber vertritt. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland widerspricht.

06.06.2026 | 2:11 min

ZDFheute: Der Acht-Stunden-Tag hat seit 1918 funktioniert. Ist das ein Argument, ihn beizubehalten?

Michaela Engelmeier: Der Acht-Stunden-Tag hat sich eben bewährt, weil er klare Grenzen setzt. Das ist das Wichtige. Und gerade heute, wo Arbeit eben dichter und schneller geworden ist, brauchen Beschäftigte solche Schutzplanken. Deswegen ist der Acht-Stunden-Tag noch genauso gut, wie er 1918 auch war.

ZDFheute: Die Bundesregierung und die Arbeitgeber wollen mehr Flexibilisierung bei der Arbeitszeit. Was spricht dagegen?

Engelmeier: Gegen Flexibilität spricht ja nichts, die gibt es jetzt auch schon. Und wenn sie den Beschäftigten hilft, einen Acht-Stunden-Tag zum Beispiel in Blöcke aufzuteilen, das wäre schon mal eine Idee und gut mit der Sorgearbeit zu vereinbaren.

Was jetzt diskutiert wird, klingt aber eher nach mehr Verfügbarkeit für die Arbeitgeber.

Michaela Engelmeier, Sozialverband Deutschland

Das Arbeitszeitgesetz ist ein Schutzgesetz, besonders für Beschäftigte ohne Tarifvertrag und Betriebsrat. Und ob wir jetzt damit Wirtschaft und Wachstum retten, wenn wir jetzt fordern, dass aus dem Acht-Stunden-Tag eine flexible Arbeitszeit wird, elf Stunden oder sogar zwölf, dann ist das nicht das, was die Wirtschaft stärken wird.

Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (Archivbild)

Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland: Acht-Stunden-Tag "ist für die Menschen gut und für die Arbeitgeber auch".

Quelle: Imago

ZDFheute: Die Gewerkschaften argumentieren, mit der Flexibilisierung würden 13-Stunden-Tage möglich gemacht. Das sei weder familienfreundlich noch gesundheitsfördernd. Unterstützen Sie das?

Engelmeier: Der 13-Stunden-Tag passt einfach nicht zum Leben der Menschen, das muss man auch mal sagen. Viele Kinder werden zum Beispiel betreut, Angehörige gepflegt und Erholung braucht man auch.

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ZDFheute: Wollen die Arbeitgeber einen Freibrief für die Ausbeutung? Sollen Schutzstandards ausgehöhlt werden?

Engelmeier: Wir haben ein Arbeitsschutzgesetz und wir haben ein Arbeitszeitgesetz. Das muss man nicht permanent immer wieder ins Spiel bringen. Ich hoffe aber, dass die Arbeitgeber da wirklich zurückrudern und sagen, das wollen wir dann doch nicht. Wir bleiben schön bei unserem Acht-Stunden-Tag, der für die Menschen gut ist und übrigens für die Arbeitgeber auch.

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ZDFheute: Die Veränderung hin zu einer Wochenarbeitszeit steht aber bereits im Koalitionsvertrag, gilt also als vereinbart zwischen Union und SPD. Kann die Arbeitsministerin das überhaupt noch verhindern?

Engelmeier: Natürlich ist das in so einer Koalition, in der man wahrscheinlich doch den einen oder anderen Kompromiss eingehen muss, schwierig. Ich verstehe Bärbel Bas da auch. Sie ist als Arbeitsministerin sowieso zurzeit sehr unter Druck, weil sie gerade von den Arbeitgebern immer ein bisschen vor sich her getrieben wird.

Aber ich denke, da müssen Bärbel Bas und auch die SPD einfach hart bleiben. Denn schließlich, muss man auch ehrlich sagen, waren natürlich die Sozialdemokraten auch daran beteiligt, dass 1918 tatsächlich dieser Acht-Stunden-Tag eingeführt wurde.

Das Interview führten Lars Bohnsack und Ronja Radeke.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 06.06.2026 in dem Beitrag "Pro und Kontra Acht-Stunden-Tag".

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