Abkehr vom Acht-Stunden-Tag?:Kampeter: "Parolen schaffen keine Arbeitsplätze"
Braucht es eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag? Ja, sagt Steffen Kampeter, der Arbeitgeber vertritt. Flexibilität schaffe Arbeitsplätze, Parolen nicht.
Braucht Deutschland eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag? Ja, sagt Steffen Kampeter, der Arbeitgeber vertritt. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland widerspricht.
06.06.2026 | 2:11 minZDFheute: Warum muss es mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit geben?
Steffen Kampeter: Flexibilität kann Arbeit in Deutschland wettbewerbsfähiger machen und deswegen sagen wir, wir wollen Arbeitsplätze in Deutschland behalten und brauchen daher eine Abkehr von der Arbeitszeitordnung des 19. Jahrhunderts und wir wollen im 21. Jahrhundert erfolgreich sein.
ZDFheute: Was versprechen sich Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber davon?
Kampeter: Unsere Beschäftigten wollen mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Für uns ist das ein Produktivitätsermöglicher. Wir stehen im internationalen Wettbewerbsdruck. Die anderen Staaten haben schon längst aufgeholt, arbeiten zu besseren, einfacheren Konditionen.
Wir wollen Arbeit in Deutschland mit mehr Flexibilität halten, und wir wollen neue Arbeitsplätze durch mehr Flexibilität ermöglichen.
Steffen Kampeter
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): "Wir wollen die Chancen nutzen."
Quelle: ImagoZDFheute: Das heißt auch, Sie erwarten, dass mit einer höheren Flexibilität, also mit der Abkehr vom Acht-Stunden-Tag, mehr Wachstum generiert werden kann?
Kampeter: Es ist unsere feste Erwartung, dass wir bei der schwierigen Kosten- und Wettbewerbssituation jeden Produktivitätsschub nutzen sollten, um unsere Unternehmen in Deutschland zu halten. Das ist unser Anliegen. Arbeitgeber wollen Arbeit in Deutschland ermöglichen.
Wir wollen keine ideologischen Debatten führen - und Parolen schaffen keine Arbeitsplätze.
Steffen Kampeter
ZDFheute: Aber dann mal umgekehrt gefragt, warum soll abgeschafft werden, was seit 1918 funktioniert hat?
Kampeter: Die Arbeitszeitordnung des 19. und 20. Jahrhunderts baut auf völlig andere Voraussetzungen als das KI-Zeitalter, die Digitalisierung, der verbesserte Arbeitsschutz auf. Und im Übrigen, es kommt aus einer Sechs-Tage-Woche.
Wenn sich die Welt verändert und wir lassen die Regeln so wie vor 100 Jahren, glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass das ein Beitrag für mehr soziale Sicherheit, mehr Arbeitsplätze und mehr wirtschaftlichen Erfolg in diesem schönen Deutschland ist? Ich nicht.
Die einen arbeiten nine to five, andere müssen nachts ran. Wie unterschiedlich belastend Jobs durch den zeitlichen Rahmen sind.
04.06.2026 | 0:21 minZDFheute: Was glauben Sie, welche Wirtschaftsbereiche würden denn besonders profitieren?
Kampeter: Wir haben Wirtschaftsbereiche, insbesondere im Dienstleistungsbereich, aber auch in der Wissensarbeit, die mehr Flexibilität wollen. Und wir haben Bereiche, in denen die neuen technologischen Anforderungen flexibleres Arbeiten möglich machen.
Das wird nicht für alle gleich gelten, aber wir wollen die Chancen nutzen und wir wollen keine ideologischen Bremsen gegen Arbeitsplätze in Deutschland wirken lassen.
Das Interview führten Lars Bohnsack und Ronja Radeke.
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