Expertin: Rassismus im Fußball auch wegen "Macht und Hierarchie"

Interview

Diskriminierung bei der Fußball-WM:Forscherin: Rassismus hat "mit Macht und Hierarchie zu tun"

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Beleidigungen, Hass, Diskriminierung: Eine Forscherin erklärt, warum Rassismus im Fußball mehr als ein individuelles Problem ist - und warum Funktionäre nur zögerlich handeln.

Fußballspieler Mbappé in einem blauen Frankreich-Trikot. Er läuft gerade und sieht deutlich angestrengt aus.

Immer wieder kommt es bei der WM zu Rassismus – darunter auch gegen französische Spieler. ZDFheute live fragt die Ethnologin Rachel Etse nach den Hintergründen.

14.07.2026 | 12:16 min

Seien es die Attacken aus Paraguay gegen Topstar Kylian Mbappé oder ein spanischer Ex-Regierungschef, der keine Franzosen in der französischen Nationalmannschaft erkennen wollte: Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft sorgen auch rassistische Vorfälle für Schlagzeilen.

Im Interview mit ZDFheute live ordnet die Ethnologin Rachel Etse von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz strukturelle Probleme ein - und erklärt, was jetzt in der Fußballwelt passieren muss.

Sehen Sie oben das gesamte Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Expertin: Rassismus heute vor allem sichtbarer

Zwar habe es rassistische Diskriminierung im Fußball immer gegeben, erklärt Etse, die sozialen Medien aber würden ihn vielmehr sichtbar machen. Rassistische Vorfälle in den Fankurven der 1990er Jahre hätten sich heute in die digitale Welt verschoben.

Auch die FIFA erkennt in einer Auswertung einen Anstieg abseits der Stadien: Ganze elf Prozent der Hasskommentare im Kontext der WM seien rassistisch, drei Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Meisterschaft. "Wir dürfen den Fußball natürlich nicht als eigenen Kosmos verstehen", mahnt Expertin Etse. Die Hasskommentare müssten in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet werden - in der ganzen westlichen Welt erlebe man derzeit einen Rechtsruck.

Rassistische Diskriminierung ist jetzt viel einfacher sagbar, es bekommt auch viel mehr Zustimmung [und] ist natürlich viel salonfähiger geworden.

Rachel Etse, Ethnologin

Auch Parteien wie die AfD hätten eine neue Sprache innerhalb der sozialen Medien normalisiert, so Etse.

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Ethnologin Etse: Beleidigungen als Teil der Fußballkultur

Und doch habe die Fußballwelt ihre Eigenheiten. In ihrer Forschung beschäftigte sich die Ethnologin mit der Normalisierung von Beleidigungen in dem Sport. Dort seien Beschimpfungen "fundamentaler Bestandteil der Fußballkultur" - und somit ein "perfekter Nährboden" für diskriminierende Äußerungen.

Doch noch immer arbeite die Fußballwelt mit Einzelfall-Narrativen. "Es ist immer irgendein Idiot aus der Fankurve, der mal was Rassistisches gesagt hat", kritisiert Etse. Dabei werde unterschlagen, wie Diskriminierung auch innerhalb der Vereine stattfinde, von denen die Öffentlichkeit nicht immer alles mitbekäme.

Gerade die großen Strukturen verrieten, wie Diskriminierung jenseits der individuellen Ebene funktioniere: Während ein großer Teil der deutschen Spieler eine Migrationsgeschichte habe, spiegele sich das nicht in den Entscheidungsstrukturen wider. Schaue man auf die Vereine und Verbände, schwinde der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte erheblich.

Und das ist so eine Facette, die nicht wirklich begutachtet wird, dass Rassismus auch etwas mit Macht und Hierarchie zu tun hat.

Rachel Etse, Ethnologin

Christopher Antwi Adjei, Schalke 04

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Expertin: Fußballfunktionäre fürchten Machtverlust

Zwar gebe es ein wachsendes Problembewusstsein, und doch bleibe die Anerkennung des Rassismus innerhalb der eigenen Strukturen das größte Defizit, so die Expertin, die Workshops für Vereine abhält.

Es geht darum, zu verstehen, dass man Teil ist von rassistischen Strukturen - ob man rassistisch sein möchte oder eben nicht.

Rachel Etse, Ethnologin

Zu häufig würden nur die Fankurven betrachtet, statt sich selbst den Spiegel vorzuhalten.

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Mehr Perspektiven in den Verbänden

Dabei gebe es bereits viele Maßnahmen, die von den Betroffenen selbst erarbeitet worden seien, erklärt Etse. Hilfreich sei beispielsweise, wenn nicht nur ältere, weiße Männer die Strukturen lenkten - sondern auch Personen, die selbst von Rassismus betroffen seien.

Man weiß eigentlich, was zu tun ist. Aber es würde im Umkehrschluss bedeuten, dass es Machtverschiebungen gibt.

Rachel Etse, Ethnologin

Ihr Wunsch? Die Chefetagen des Fußballs sollten sich für neue Perspektiven öffnen und Chancengleichheit schaffen. "Es geht um das Thema Zugänge und Repräsentation", so Etse. Die gläserne Decke in den Verbänden müsse durchbrochen werden - und das könnten vor allem die ändern, die bereits oben sitzen.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 14.07.2026 ab 21:00 Uhr.

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