Zahlen des Bundeskriminalamts:Wieder mehr Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch
von Jan Henrich
Die Polizei hat im vergangenen Jahr mehr als 18.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen erfasst. Viele Taten finden mittlerweile online statt.
Ein Lagebild des Bundeskriminalamtes zeigt: 2025 sind mehr als 18.000 Kinder und Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt geworden. Hierbei handelt es sich alleinig um polizeibekannte Fälle.
21.07.2026 | 1:37 minNach einem leichten Rückgang der Fallzahlen von Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen im Vorjahr verzeichnet die Polizei 2025 wieder einen Anstieg. Das geht aus einem aktuellen Lagebericht des Bundeskriminalamts hervor.
Insgesamt wurden mehr als 18.000 Fälle von sexuellem Missbrauch erfasst. Die Sexualstraftaten finden zunehmend online statt. Sicherheitsbehörden gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.
Zahl der Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs um 4,7 Prozent gestiegen
Einen Anstieg um 4,7 Prozent verzeichnet dabei die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch, die gegen Kinder unter 14 Jahren gerichtet waren. In dem Zusammenhang wurden 17.126 Fälle im Jahr 2025 erfasst, 772 mehr als im Vorjahr. Eine große Mehrheit der Opfer war weiblich und zwischen sechs und 13 Jahren alt.
Laut BKA sind im letzten Jahr mehr als 18.000 Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs geworden - mehr als je zuvor. Besonders stark war der Anstieg bei jugendpornographischem Inhalt.
21.07.2026 | 1:55 minDer Anstieg geht insbesondere auf ein vermehrtes Auftreten sogenannter "Hands-Off-Straftaten" zurück, also Delikte, die ohne direkten Körperkontakt über das Internet stattfinden. Die Online-Taten machen mittlerweile mehr als ein Viertel der Fälle aus.
Darunter fällt beispielsweise Cybergrooming, also die gezielte Kontaktaufnahme zu Kindern in sozialen Netzwerken, Chats oder Messenger-Diensten, um sexuelle Handlungen anzubahnen.
Dobrindt will IP-Adressen speichern
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) warb bei der Vorstellung der Zahlen erneut für eine Ausweitung der Ermittlungsbefugnisse im digitalen Raum.
Wir brauchen die IP-Adressenspeicherung um gegen die Kriminellen vorzugehen.
Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister
Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird aktuell im Bundestag diskutiert.
Neben der Fallzahlen von Kindesmissbrauch ist auch die Zahl der Fälle sexueller Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren um vier Prozent gestiegen. Sie liegt nun bei 1.239.
Würde es Betroffenen helfen, die Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch zu verlängern oder ganz abzuschaffen? Daniel Heymann erklärt, woran eine Verurteilung oft scheitert.
17.07.2026 | 0:35 minGrößter Anstieg bei Fällen mit "jugendpornografischen Inhalten"
Den größten Anstieg verzeichnen laut Bericht Delikte im Zusammenhang mit sogenannten "jugendpornographischen Inhalten". Die Zahl der erfassten Fälle, bei denen entsprechende Fotos oder Videos hergestellt oder verbreitet wurden, sei im vergangenen Jahr um 19,9 Prozent gestiegen und liege damit mehr als doppelt so hoch wie noch 2021.
Nach Angaben des Bundeskriminalamts bestehe allerdings in dem Bereich die Möglichkeit, dass der Anstieg auf ein verändertes Anzeigeverhalten zurückgehen könnte. Präventions- und Informationskampagnen hätten zu einer verstärkten Sensibilisierung geführt.
Jugendliche würden zudem ihre sexuelle Identität zunehmend online erkunden und damit vermutlich auch häufiger jugendpornografische Inhalte herstellen oder versenden. Über die Hälfte der Tatverdächtigen in dem Bereich ist selbst minderjährig.
"Ich gehe davon aus, dass die Zahlen immer noch ganz erschreckend hoch sind", sagt Tanja von Bodelschwingh, Leiterin N.I.N.A. e.V, zum Lagebericht Kindesmissbrauch.
21.07.2026 | 6:32 minRückgang bei Fällen sexueller Ausbeutung von Minderjährigen
Erneut rückläufig sind hingegen Straftaten im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung Minderjähriger. Darunter fallen beispielsweise Menschenhandel und Zwangsprostitution. 357 Fälle registrierten Ermittlungsbehörden in dem Bereich im vergangenen Jahr, 5,3 Prozent weniger als noch 2024.
Entscheidend für die Verfolgung von Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche sei derzeit die Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Zentralstelle NCMEC, sagt BKA-Präsident Holger Münch. Über 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise habe man insgesamt 2025 von dort erhalten.
Bayerische Ermittler haben ein riesiges Betrugs-Netzwerk im Darknet stillgelegt. Weltweit seien mehr als 373.000 Seiten mit teils kinderpornografischen Inhalten abgeschaltet worden.
20.03.2026 | 0:32 minKinderschutzbund warnt vor Einsparungen in der Jugendarbeit
Um Kinder besser zu schützen sei es notwendig, verbindliche Schutzkonzepte zu entwickeln, sagt Sabine Andrese, Präsidentin des Kinderschutzbundes. Diese müssten in Schulen, Kindertagesstätten und Vereinen etabliert werden, damit Prävention gestärkt und schnelle Hilfe ermöglicht wird.
Wir brauchen auf jeden Fall umfassende Präventionsarbeit, und zwar überall dort, wo Kinder und Jugendliche sind.
Prof. Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes
Man wisse, dass Täter bei sexualisierter Gewalt strategisch vorgehen würden, um das Vertrauen von Kindern zu erschleichen. Diese Strategien müsse man kennen und das Wissen darüber allen Beteiligten vermitteln, so Andresen.
Der Kinderschutzbund warnt zudem vor Einsparungen aufgrund der aktuellen finanziellen Situation von Kommunen, Bund und Ländern. Viele Menschen in den Jugendämtern oder in der Jugendhilfe hätten Sorge, ihren Schutzauftrag nicht mehr umfassend erfüllen zu können.
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