Brückenbau, Medizintechnik & Co.:Wie polnische Investoren die deutsche Wirtschaft stärken
von Jan Meier
Während Deutschlands Wirtschaft schwächelt, expandieren polnische Unternehmen ins Nachbarland. Sie bringen Flexibilität, Innovation und schaffen Arbeitsplätze.
Immer mehr polnische Firmen erhalten Aufträge in Deutschland. Sie gelten als flexibel und lösungsorientiert, während in Deutschland die Planungen oft lange dauern.
17.10.2026 | 3:42 minGroßbaustelle Brandenburg an der Havel: Schwere Maschinen bewegen tonnenschwere Lasten. Gleich acht neue Brücken werden hier gebaut. Finanziert mit einem Investitionsvolumen von fast 90 Millionen Euro sichern sie die Lebensadern der Bundesstraßen B1 und B102.
Verantwortlich für das Projekt ist kein deutsches Unternehmen, sondern die polnische Firma Budimex. Der größte Baukonzern des Nachbarlandes hat sich mittlerweile auf dem deutschen Markt etabliert.
Großprojekte in polnischer Hand
Längst ist das kein Einzelfall mehr. Immer mehr polnische Unternehmen drängen dauerhaft nach Deutschland - und feiern Erfolge. Im Mai sicherte sich Budimex sogar den prestigeträchtigen Großauftrag für den Ersatzneubau der baufälligen Mühlendammbrücke im Herzen Berlins. Auftragswert: rund 63 Millionen Euro. Das Projekt ist hochkomplex, rund 73.000 Fahrzeuge nutzen die Verbindung täglich.
Polen wird als Absatzmarkt für Deutschland zunehmend wichtig, vor allem im Bereich Maschinen und Medizintechnik.
06.10.2026 | 0:47 minFür Geschäftsführer Jacek Zwiech liegt der Schlüssel im Miteinander: Er setzt bewusst auf einheimische Subunternehmer, die lokale Gegebenheiten und bürokratische Hürden genau kennen. "Ohne diese Zusammenarbeit schafft man das nie", ist er überzeugt.
Vom Handelspartner zum Investor
Der Erfolg der polnischen Wirtschaft beruht auf einem strategischen Wandel. Polen ist für Deutschland längst nicht mehr nur die verlängerte Werkbank oder der wichtigste Handelspartner, sondern ein ernstzunehmender Investor.
Allein in Brandenburg sind rund 20 große Firmen aktiv und sichern über 1.000 Arbeitsplätze. Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) beobachtet die Entwicklung positiv:
Wir sehen sehr viel Dynamik, Innovation und Industrialisierung in Polen. Davon wollen wir als Land profitieren.
Martina Klement, Wirtschaftsministerin Brandenburg (CSU)
Moderne digitale Infrastruktur, hohes Ausbildungsniveau und hohe Kaufkraft: Polens Wirtschaft wächst stabil. Das Land hat die EU-Fördermilliarden geschickt eingesetzt und investiert weiter.
12.03.2026 | 2:10 minDemografie als Wachstumsfaktor
Doch warum investieren polnische Firmen ausgerechnet jetzt im Westen? Die Antwort liegt in den Wachstumsgrenzen des eigenen Marktes und dem Mut zur Nischenbesetzung.
In Biesenthal legte Piotr Daszynski vor sechs Jahren den Grundstein für die Deutschlandzentrale der TZMO GmbH, Polens größtem Hersteller von Pflege- und Hygieneartikeln, darunter Inkontinenzprodukte wie Decken und Windeln. Seine Firma bedient einen Wachstumsmarkt in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Daszynski sagt:
Die Demografie hilft uns. In solchen Lösungen liegt die Kraft für die Zukunft.
Piotr Daszynski, Geschäftsführer TZMO GmbH
Heute arbeiten hier 250 Menschen, viele davon direkt aus der Region. Sie schätzen die Mentalität: Es herrscht Aufbruchstimmung.
Immer mehr Polen kehren Deutschland den Rücken. Bürokratie, stagnierende Wirtschaft und bessere Chancen in der Heimat führen zur Rückwanderung - mit Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt.
25.08.2025 | 3:19 minFlexibles "Machertum" trifft deutsche Gründlichkeit
Dabei treffen zwei unterschiedliche Wirtschaftskulturen aufeinander, die sich perfekt ergänzen. Während polnische Akteure oft agiler und improvisationsfreudiger agieren, punktet Deutschland mit hoher Planungssicherheit und exakten Strukturen. "Wir bauen in Polen flexibler, in Deutschland ist alles besser sortiert", erklärt Budimex-Projektleiter Wojciech Gosztyla.
Mariusz Rzeznikiewicz vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft sieht eine steile Lernkurve: Polnische Betriebe böten mittlerweile exzellente Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen und böten zudem lokalen Unternehmen Chancen zur Übernahme.
Deutschland und Polen kooperieren in vielen Bereichen
Die wirtschaftliche Verflechtung verläuft jedoch nicht nur in eine Richtung. Die Kooperation funktioniert auch von West nach Ost. Die Stahlwasserbau Beeskow GmbH lässt beispielsweise über zwei Tochterfirmen in Krakau und Stargard produzieren. Geschäftsführer Benny Förster lobt neben den geringeren Energiepreisen vor allem die dortige Arbeitsmoral:
Das Machertum und die wöchentliche Arbeitsbereitschaft sind in Polen noch etwas stärker ausgeprägt als bei uns.
Benny Förster, Geschäftsführer Stahlwasserbau Beeskow GmbH
An der Willy-Brandt-Schule in Warschau werden deutsche und polnische Schüler gemeinsam unterrichtet. Welche Erfahrungen haben Schüler der 10. Klasse mit der deutsch-polnischen Nachbarschaft?
17.06.2026 | 2:12 minOb Brückenbau, Medizintechnik oder schwerer Stahlbau: Die deutsch-polnische Symbiose gewinnt massiv an Bedeutung. In Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche in Deutschland stabilisiert der lebendige Austausch über die Oder hinweg die Wirtschaft auf beiden Seiten der Grenze.
Der polnische Branchenriese Budimex hat sich nach Jahren intensiver Marktvorbereitung als Schlüsselakteur im deutschen Infrastrukturbau etabliert. Das zeigt sich aktuell an zwei Großprojekten in der Region. In Brandenburg an der Havel realisiert der Konzern mit einem Investitionspaket von fast 90 Millionen Euro sein bislang größtes Vorhaben in Deutschland. Hier werden acht neue Brückenteilbauwerke errichtet, die zentrale Verkehrsachsen der Bundesstraßen B1 und B102 sichern und die Rückkehr der Straßenbahn am Altstädter Bahnhof ermöglichen.
Parallel dazu erhlielt das Unternehmen im Mai 2026 den Zuschlag für den Ersatzneubau der baufälligen Mühlendammbrücke in Berlin-Mitte in der Bundeshauptstadt. Für rund 63 Millionen Euro erneuert eine polnische Bietergemeinschaft die zentrale Verkehrsader der B1, die täglich von rund 73.000 Fahrzeuge genutzt wird. Um das hochkomplexe innerstädtische Projekt unter laufendem Straßen-, Schiffs- und Versorgungsbetrieb bis zur geplanten Fertigstellung am 9. Oktober 2028 zu meistern, setzt der Konzern gezielt auf die Kooperation mit einheimischen Subunternehmern.
Jan Meier berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Brandenburg.
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