Friedensbewegung in Deutschland:Welche Bedeutung haben Ostermärsche noch?
Auch in diesem Jahr finden bundesweit Ostermärsche statt. Während früher Hunderttausende auf die Straße gingen, haben die meisten Demos heute nur noch ein paar Hundert Teilnehmer.
Milliarden für die Bundeswehr und Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen – dennoch bleibt die Teilnahme an den Ostermärschen eher gering. Was lässt den Ruf nach Frieden bei vielen verhallen?
19.04.2025 | 1:32 minDie zentralen Themen der vielen Ostermärsche sind die geplante Aufrüstung in Deutschland sowie weiterhin der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen.
Also eigentlich genug Themen, um viele Menschen auf die Straße zu bringen. Doch wenn sich Helga Schubert, Teilnehmerin am Kölner Ostermarsch, umschaut, sieht sie nur einige Hundert Teilnehmer, viele bereits im Rentenalter. "Ich kenne die Ostermärsche noch als riesige Demos, damals in den 1980er-Jahren."
Schade, dass so wenige gekommen sind, aber vielleicht ist diese Form von Protest nicht mehr angesagt.
Helga Schubert, Teilnehmerin am Kölner Ostermarsch
Protestforscher: Friedensbewegung fehlt klares Thema
Auch Protestforscher gehen der Frage nach, warum die Friedensbewegung nicht mehr an den Erfolg vergangener Jahrzehnte anknüpfen kann. Der Politologe Tobias Debiel, Professor an der Universität Duisburg-Essen, sieht dafür mehrere Gründe: Zum einen seien viele Deutsche im Moment eher für Aufrüstung und unterstützen zum Beispiel die militärische Unterstützung der Ukraine.
Zum anderen fehle der Bewegung auch ein klares Thema, so Debiel: "Für eine erfolgreiche Mobilisierung ist es zentral, eine Kernforderung zu haben und einen klaren Adressaten. Das ist im Moment nicht der Fall, wir haben heute eher einen Gemischtwarenladen mit zig Forderungen."
Bei den traditionellen Ostermärschen für Frieden und Abrüstung sind die Menschen in Deutschland auf die Straßen gegangen. Bundesweit gab es rund 70 verschiedene Aktionen.
19.04.2025 | 0:21 minKritik an einigen Positionen der Friedensbewegung
Tatsächlich sind es verschiedene Akteure, Gewerkschaften, Vereine, linke und christliche Gruppen, die gemeinsam in der Karwoche und an Ostern marschieren - mit durchaus unterschiedlichen Haltungen und Themen. Das zeigte sich besonders deutlich auf dem größten Ostermarsch in Berlin. Dort kamen laut Polizei etwa 1.800 Menschen zusammen, um unter dem Motto "Ja zum Frieden" zu protestieren. Neben dem Nahost-Konflikt ging es in Berlin vor allem um den Ukraine-Krieg.
Für Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative ist klar: "Der Weg zum Frieden für die Menschen in der Ukraine führt nicht über immer mehr Waffen, sondern über Verhandlungen". Gegen diese Position formierte sich in Berlin aber auch Kritik, es gab eine Gegendemonstration, einige Menschen versammelten sich mit Ukraine-Flaggen und hielten Schilder mit Aufschriften wie "Demokratie muss wehrhaft sein!" und "Falscher Pazifismus tötet" in den Händen.
Die Friedensbewegung sieht sich also mit Widerständen konfrontiert, die es einst nicht gab. Auch das ist vielleicht ein Grund, warum sie auf ihren Kern reduziert ist. Es ist komplizierter geworden, für den Frieden zu sein, so Protestforscher Debiel und "bisherige Gewissheiten sind erschüttert".
Russlands Präsident Putin hat eine Waffenruhe über Ostern ausgerufen. Nach Angaben von Präsident Selenskyj ist die Ukraine trotzdem mehrfach angegriffen worden.
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