Feministischer Kampftag:Diese Frauen kämpften für Gleichberechtigung
von Annika Block
Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Weltweit gehen Menschen auf die Straße und kämpfen für Gleichberechtigung - und erinnern an diese Pionierinnen der Frauenbewegung.
Heute ist es für die meisten selbstverständlich, dass auch Frauen wählen dürfen. Doch das war nicht immer so. Wann wurde wo in Europa das Frauenwahlrecht eingeführt?
08.03.2026 | 0:32 minJedes Jahr findet am 8. März der Internationale Frauentag statt. Weltweit demonstrieren Menschen für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, setzen sich gegen Diskriminierung und für Inklusion und mehr Rechte für Frauen ein. Und gedenken dabei jenen Frauen, die die Geschichte maßgeblich geprägt haben.
Der Internationale Frauentag wird oft auch feministischer Kampftag genannt. Der Begriff schließe, wie die Universität der Künste Berlin erklärt, trans, agender oder non-binäre Personen mit ein.
Laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind Frauen weltweit noch immer stärker von Armut, Bildungsbenachteiligung oder sexualisierter Gewalt betroffen. Gewalt gehöre für viele Frauen weltweit zum Alltag. In vielen Ländern würden die reproduktiven Rechte von Frauen nicht hinreichend beachtet.
In Deutschland gebe es ebenfalls keine Gleichstellung, auch wenn diese rechtlich festgehalten ist. Nach Angaben des Familienministeriums erlebt jede dritte Frau mindestens einmal im Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Zudem seien Schwangerschaftsabbrüche nach wie vor rechtswidrig, wenn auch straffrei. Ein Fortschritt sei der gesunkene Gender Pay Gap - und dennoch verdienen Frauen weiterhin rund 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer (Stand 2024).
Trotz Kampf für Frauenrechte: Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist laut BKA auf einem neuen Höchststand.
25.11.2025 | 1:50 minDer Beginn der Frauenbewegung
In Deutschland wurde der Frauentag das erste Mal im Jahr 1911 ausgerufen. Acht Jahre später durften Frauen in Deutschland das erste Mal wählen. Seitdem hat sich einiges getan - doch das Kapitel der Gleichberechtigung ist noch lange nicht abgeschlossen. Einige Frauenrechtlerinnen haben die Geschichte grundlegend verändert. Eine Auswahl wichtiger Frauen - stellvertretend für viele, die sich für ihre Rechte eingesetzt haben:
Louise Otto-Peters (1819-1895)
Louise Otto-Peters: Schriftstellerin und Frauenrechtlerin in einer zeitgenössischen Darstellung
Quelle: dpaSie prägte die deutsche Frauenbewegung maßgeblich: Louise Otto-Peters forderte schon früh in Artikeln und Gedichten die Inklusion von Frauen. Sie klärte über die Lage der Arbeiterinnen auf und gab von 1849 bis 1853 eine "Frauen-Zeitung" heraus, so die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Als Reaktion darauf verbot das Königreich Sachsen 1850 die Herausgabe von Zeitungen durch Frauen.
Wo hat die Geschichte der Frauenbewegung ihre Ursprünge? Welche Ziele hat sie? Mirko Drotschmann erklärt.
28.11.2024 | 14:27 minIm Jahr 1865 organisierte Otto-Peters die erste deutsche Frauenkonferenz, so die bpb. Dort wurde der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF) gegründet - ein Vorbild für weitere Frauenvereine und der Beginn der organisierten Frauenbewegung.
Otto-Peters setze sich als Vorsitzende des ADF 30 Jahre lang für ein höheres Bildungsniveau von Frauen, das Recht auf Arbeit und den Zugang zu Berufen ein.
Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen.
Louise Otto-Peters
Helene Lange (1848-1930)
Helene Lange: Lehrerin und Vorkämpferin der deutschen Frauenbewegung
Quelle: dpaSie war Lehrerin - und ebenfalls eine wegweisende Frauenrechtlerin: Noch heute ist Helene Lange für ihren Einsatz für die Bildung von Mädchen und Frauen bekannt. Laut bpb wollte Lange Mädchen dieselbe Ausbildung wie Jungen ermöglichen, nachdem sie Missstände in der Lehre von jungen Frauen erkannt hatte.
"Unser Bildungssystem verstärkt die soziale Ungleichheit", sagt Expertin Manuela Mohr, und fordert auch von der Politik langfristige Lösungen "über Ländergrenzen hinweg".
29.01.2026 | 4:53 minIn ihrer berühmten "Gelben Broschüre" (1888) forderte sie mehr Frauen im naturwissenschaftlichen Unterricht höherer Mädchenschulen sowie staatliche Ausbildungsstätten für Lehrerinnen. Die Regierung lehnte den Antrag ab - doch die Broschüre wurde ein entscheidender "Anstoß zur Reform des Mädchenschulwesens", so bpb. Lange gab nicht auf und baute sogenannte "Realkurse" für Mädchen mit auf, um diese auf Berufe oder die Universität vorzubereiten.
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Clara Zetkin (1857-1933)
Clara Zetkin: Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin und Politikerin. Aufnahme von 1897 auf dem internationalen Kongress für gesetzlichen Arbeitsschutz in Zürich, Schweiz.
Quelle: dpaSie gilt als Initiatorin des Internationalen Frauentags in Deutschland: Clara Zetkin prägte die proletarische Frauenbewegung stark. Die Sozialistin, später Kommunistin, setzte sich für die Rechte der Frauen und Arbeiterinnen sowie gegen Krieg und Faschismus ein.
Ebenso kämpfte sie gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und für die Erwerbstätigkeit der Frau - laut Zetkin ein wichtiger Schritt zur Emanzipation, wie das Digitale Deutsche Frauenarchiv erklärt.
Um 1900 gehörte Zetkin zu den führenden Funktionärinnen der SPD. Auf dem internationalen Frauenkongress im Jahr 1907 forderte sie das allgemeine Frauenwahlrecht, so die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Die Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen beschloss 1910 auf Antrag von Zetkin und Käte Duncker den Internationalen Frauentag; ein Jahr später, 1911, Jahr demonstrierten hunderttausend Frauen für das Frauenwahlrecht in Europa, so das Digitale Deutsche Frauenarchiv.
Marie Juchacz (1879-1956)
Marie Juchacz: Frauenrechtlerin, Sozialpolitikerin der SPD und Gründerin sowie erste Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, aufgenommen um 1930.
Quelle: Action PressSie kämpfte um die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Frauen und später für die Reform des § 218: die SPD-Politikerin, Frauenrechtlerin und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Marie Juchacz. 1933 geriet die sie als NS-Gegnerin ins Visier der Gestapo und musste fliehen. 1949 kehrte sie nach Deutschland zurück und setzte ihre politische Arbeit fort.
Juchacz war die erste Frau, die in Deutschland eine Rede vor einem demokratisch gewählten Parlament hielt: in der Weimarer Nationalversammlung am 19. Februar 1919. Damit schrieb sie Geschichte. Bezüglich des nur ein Jahr zuvor eingeführten Frauenwahlrechts erklärte sie damals den Abgeordneten des Reichtags:
Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.
Marie Juchacz am 19.02.1919 im Reichstag
Premiere für den Bundestag: Erstmals steht im September 2025 eine Abgeordnete mit Baby am Rednerpult. Die Rede von Hanna Steinmüller (Grüne) in der Etatdebatte.
24.09.2025 | 3:13 minElisabeth Selbert (1896-1986)
Elisabeth Selbert: Die SPD-Politikerin wird auch als "Mutter des Grundgesetzes" bezeichnet. Aufnahme aus dem Jahr 1953.
Quelle: dpaAls Pionierin der sozialdemokratischen Frauenbewegung kämpfte Elisabeth Selbert für die Gleichstellung der Frauen und Männer vor dem Gesetz. Diese war, so das Lebendige Museum Online (LEMO), ihrer Meinung nach "immer noch eine papierne" - keine reale.
Selbert war von 1948 bis 1949 eine von vier Frauen unter 65 Delegierten im Parlamentarischen Rat. Sie stellte den Antrag, die Formulierung "Frauen und Männer sind gleichberechtigt" in das Grundgesetz aufzunehmen. Durch die Überzeugungsarbeit der Juristin und durch den Druck öffentlicher Proteste wurde ihr Antrag im Januar 1949 angenommen.
Laut einer Studie fühlen sich Angehörige von Minderheiten in Deutschland regelmäßig diskriminiert. Besonders Schwarze und muslimische Frauen würden bei Behörden Rassismus erfahren.
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