Programm für die Innenstadt:Heilbronn: Von der Döner-Debatte zur Müll-Polizei
von Sven Class
Mit der Diskussion um eine Obergrenze für Dönerläden hat Heilbronn 2024 Schlagzeilen gemacht. Seither ist viel passiert. Eine Blaupause auch für andere Städte in Deutschland?
In Heilbronn soll das Image verbessert werden. Müllpolizei, mehr Personal im Ordnungsamt sowie zusätzliche Beleuchtung und Videoüberwachung sollen die Sicherheit erhöhen.
10.06.2026 | 1:59 minChristoph Troßbach heißt der Mann, dessen Vorschlag im Sommer 2024 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat: Eine Obergrenze für Dönerläden, Barbershops und Nagelstudios hat der CDU-Stadtrat damals mit seiner Partei für seine Stadt gefordert.
Der Auslöser: Die Beobachtung, dass die Innenstadt zu wenig vielfältig sei, es zu wenige unterschiedliche Angebote gebe. Stattdessen: Wo immer Flächen frei würden, zögen die immer gleichen Geschäfte und Lokale ein, von denen es schon viele in der Stadt gebe.
Die CDU in Heilbronn möchte eine Obergrenze für Dönerläden, Nagelstudios oder Barbershops, um die Innenstadt vielfältiger zu gestalten. Das möchte die Stadtverwaltung auch - aber nicht durch Verbote.
26.10.2024 | 3:46 minInnenstadt-Sofortprogramm statt Dönerläden-Obergrenze
Jetzt, fast zwei Jahre später, treffen wir Troßbach in der Heilbronner Innenstadt. Die Obergrenze ist längst vom Tisch - und doch ist er zufrieden mit der Entwicklung, die die Heilbronner Innenstadt seither genommen hat:
Wir haben viele Probleme vor der Brust und einiges haben wir davon schon sehr gut angegangen.
Christoph Troßbach, Stadtrat (CDU)
Inzwischen haben Gemeinderat und Stadt unter anderem ein Sofortprogramm zur Aufwertung der Innenstadt auf den Weg gebracht. Waren Troßbachs Obergrenzen-Vorschläge noch kontrovers diskutiert, hat man dies in einem breiten Konsens geschafft.
Viele deutsche Innenstädte wirken wie Orte, die man lieber meidet. Woran liegt das? Fehlt es an politischem Willen, am Geld? Oder müssen wir selbst etwas für unsere Innenstädte tun?
09.06.2025 | 53:36 minDass es in der Innenstadt Probleme und Herausforderungen gibt, dass sie nicht zu allen Tageszeiten für alle Bürger gleich attraktiv ist, ist vielen in Heilbronn längst bekannt. Das liegt nicht nur am Wegfall etablierter Geschäfte, sondern auch an Themen wie Sauberkeit und Sicherheit.
So sind etwa die Straftaten laut polizeilicher Kriminalstatistik im Bereich rund um das Rathaus von 82 im Jahr 2021 auf 378 im Jahr 2025 angestiegen. Aus den Zahlen geht auch hervor, dass in diesem Bereich zuletzt rund 70 Prozent der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass hatten.
Tagsüber belebt, nachts angespannt: Viele Menschen fühlen sich in Hannovers Zentrum zunehmend unsicher. Trotz sinkender Kriminalität reagieren Politik und Stadt mit Maßnahmen wie ausgeweiteten Waffenverbotszonen.
29.05.2026 | 2:05 minOberbürgermeister sieht deutliche Erfolge
Letztlich sei Heilbronn eine Stadt wie jede andere, sagt der Oberbürgermeister Harry Mergel, SPD, im ZDFheute-Interview: "Und natürlich haben wir auch die gesellschaftlichen Herausforderungen wie andere Großstädte, sei es durch die Migration, aber auch durch andere gesellschaftliche Verwerfungen." Wie CDU-Mann Troßbach sieht aber auch OB Mergel die Stadt auf einem guten Weg:
Wir haben das Gefühl, dass die Maßnahmen, die wir ergriffen haben im Bereich Sicherheit und Sauberkeit schon deutliche Erfolge zeigen.
Harry Mergel, Oberbürgermeister Heilbronn (SPD)
So hat man etwa die Zahl der Stellen im Ordnungsamt aufgestockt, dort unter anderem eine Müll-Polizei-Einheit gebildet. Die sogenannten Waste Watcher sollen dafür sorgen, dass die Innenstadt sauberer wird. Sie durchsuchen etwa illegal abgeladenen Müll nach Spuren auf deren Verursacher und leiten Ermittlungen ein.
Sie sind aber auch in der Innenstadt unterwegs und sanktionieren dort, wenn etwa eine Zigarettenkippe oder die Essensverpackung auf der Straße landen. 70 Euro Bußgeld plus 28,50 Euro Bearbeitungsgebühr sind dafür in Heilbronn inzwischen fällig.
Einzelhändler in den Städten sind wegen der starken Konkurrenz durch den Online-Handel besorgt. Vielerorts verschwindet das Leben aus den Innenstädten. Coburg ist da ein Gegenbeispiel.
07.07.2025 | 2:33 minVideoüberwachung, Waffenverbotszone, mehr Grün
In Sachen Sicherheit gibt es in der Heilbronner Innenstadt nun unter anderem mehr Videoüberwachung und eine Waffenverbotszone. Daneben setzt man auch auf andere Maßnahmen: mehr Grün in der Innenstadt, Fassadenbegrünungen, ein Jugendtreff.
Schaufenster sollen abends länger beleuchtet sein, Gründer mit Geschäftsideen bei der Suche nach passenden Flächen unterstützt werden. Alles folgt dem übergeordneten Ziel, die Innenstadt attraktiver, lebenswerter zu machen.
Der Heilbronner Weg, mit dem man vom einstigen Negativ-Image als "Heilbronx" wegkommen möchte: eine Blaupause auch für andere Städte? Fest steht: Viele Städte in Deutschland stehen mit ihren Innenstädten vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen.
Seit 2023 ist der Hamburger Hauptbahnhof Waffenverbotszone. Trotzdem wurden vor einer Woche dort 18 Menschen mit einem Messer verletzt. Können Waffenverbotszonen Straftaten verhindern?
31.05.2025 | 5:13 minExpertin: "Nutzungsmischung" wichtig
Stadtentwicklungsexpertin Sandra Wagner-Endres vom Deutschen Institut für Urbanistik findet den Heilbronner Weg jedenfalls klug: Nicht nur auf den Handel zu schauen, sondern auch soziale und gesellschaftliche Aspekte mit einzubeziehen, "also auch Angebote für unterschiedliche Nutzergruppen zu schaffen", seien aus ihrer Sicht wichtige Aspekte.
Außerdem sei die "Nutzungsmischung" ein zentraler Faktor, damit Innenstädte in Zukunft für möglichst viele Menschen attraktiv sind.
Sven Class berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Baden-Württemberg.
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