Mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin:Urteil gegen Klette erwartet: Keine Einsicht, kaum Reue
von Oliver Deuker
Seit März 2025 steht die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette vor Gericht. Nun könnte das Urteil fallen. Entscheidend für das Strafmaß ist vor allem der Überfall in Stuhr.
Die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette soll ihr Leben im Untergrund mit Raubüberfällen finanziert haben. Sie steht in Niedersachsen vor Gericht.
27.05.2026 | 2:39 minUm in der Illegalität zu überleben, soll die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette mit zwei Komplizen Raubüberfälle begangen haben. So erbeuteten sie laut Staatsanwaltschaft rund 2,7 Millionen Euro. Bei einer Verurteilung drohen der 67-Jährigen bis zu 15 Jahre Gefängnis.
Um Taten, die der RAF zugerechnet werden, geht es in diesem Prozess nicht. Klette allerdings verteidigte sich vor Gericht mit ihrer RAF-Vergangenheit. Schon als junge Erwachsene sei sie auf der "Suche nach einer besseren Welt gewesen", sie fühlte sich "zerrieben" in einem System, in dem es nur um "wachsenden Profit des Kapitals" gehe.
Die Staatsanwaltschaft Verden fordert eine 15-jährige Haftstrafe für die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette. Die 67-Jährige soll ihr Leben im Untergrund mit Überfällen finanziert haben.
29.04.2026 | 0:29 minSie wollte das ändern. Als sich 1998 die Terrororganisation RAF auflöste, sei ihr und Gleichgesinnten klar gewesen, das "System", das sie verachten, würde ihre Festnahme wie einen Siegeszug zelebrieren. "Dem wollten wir uns nicht aussetzen. Als Radikale konnten wir nur in der Illegalität selbstbestimmt leben", argumentierte Klette in ihrem Schlussplädoyer, das sie selbst hielt.
Klette: Raubüberfälle sollten Leben im Untergrund finanzieren
Eine Beteiligung an den ihr zur Last gelegten Taten räumte Klette nicht direkt ein. Die Raubüberfälle - für sie ein Mittel zum Zweck, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren, in das sie getrieben wurde, so ihre Eigenwahrnehmung.
Von Reue wegen der brutalen Raubüberfälle, bei denen Menschen mit Schnellfeuerwaffen und einer echt wirkenden Panzerfaustattrappe bedroht wurden, war wenig zu hören in ihrem 30 Seiten langen, handgeschriebenen Plädoyer.
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20.03.2025 | 75:42 minSie habe sich nicht vorstellen können, dass Geldboten und Supermarktmitarbeiter schwere psychische Probleme durch die Überfälle bekommen könnten. Dass Beteiligte dadurch traumatisiert wurden, bedauere sie.
Und gleich danach fragte sie rhetorisch, ob Durchsuchungen bei Familien und Freunden, auf der Suche nach ihr und ihren Komplizen, ohne Rücksicht auf Traumata gerechtfertigt seien. "Das sind dann legale Überfälle?"
Die RAF, die Rote Armee Fraktion - ermordete ab den 1970er Jahren in Deutschland mehr als 30 Menschen. Der ersten RAF-Generation wurde ab 1977 in der JVA in Stuttgart-Stammheim der Prozess gemacht. Jetzt wird der Gerichtssaal von damals abgerissen.
10.07.2022 | 3:05 minStuhr: Wer schoss auf den Geldtransporter?
Seit März 2025 steht Klette in Niedersachsen vor Gericht. Laut Anklage soll sie zusammen mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben.
Die Höhe des von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaßes bestimmt vor allem der Überfall am 6. Juni 2015 in Stuhr. Genauer gesagt die Frage: Wer war der Schütze, der auf den Geldtransporter schoss? Zwei Kugeln drangen in die Fahrerkabine ein, die Geldboten überlebten, die Maskierten flohen.
Die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette steht unter anderem wegen Raubüberfällen vor Gericht. 30 Jahre lang war sie untergetaucht.
09.04.2025 | 18:12 minVon Taten mit ganz erheblicher krimineller Energie sprach Staatsanwältin Annette Marquardt, beim Überfall in Stuhr lautet die Anklage versuchter Mord. Dagegen kam das Landgericht Verden im Laufe des Prozesses zu dem Schluss, dass es die Tat wohl nicht als versuchten Mord wertet.
Klette sieht sich als "politische Gefangene"
Zur Urteilsbekanntgabe werden wieder Anhängerinnen und Anhänger mit Schildern wie "Freiheit für Daniela Klette" erwartet. Eine kleine Fangemeinde die laut applaudiert, wenn Klette den Gerichtssaal betritt, Sympathisanten, die erst nach Aufforderung aufstehen, wenn die Richter einziehen.
Mit Daumen hoch bedankte sich Klette während des Verfahrens bei ihren Unterstützern, lächelte ihnen zu. Der Staatsanwaltschaft warf sie vor, die Anklage "zurecht zu lügen". So fühlt sich Klette als politische Gefangene, sie werde dämonisiert, das Verfahren ziele darauf ab, "den radikalen linken Widerstand zu delegitimieren und abzustrafen."
Jurist und RAF-Experte Klaus Pflieger bezieht bei Lanz Stellung zum Garweg-Schreiben. Dabei macht er deutlich, wie wehrhaft die deutsche Demokratie im Kampf gegen Terrorismus ist.
21.03.2025 | 1:10 minAnwälte plädieren auf Freispruch
Klettes Verteidiger haben auf Freispruch plädiert, nur unerlaubter Waffenbesitz sei erwiesen, weil eben scharfe Waffen und Munition in ihrer Wohnung gefunden wurden. Eine Beteiligung an den Überfällen sei Klette nicht nachzuweisen, obwohl in einem ausgebrannten Fluchtfahrzeug Spuren gesichert wurden, die auf das Gangster-Trio hinweisen.
Ihr Terror hält die Nation in Atem: Fast drei Jahrzehnte mordet und bombt die Rote Armee Fraktion im Kampf gegen den Staat. Dutzende werden Opfer ihrer Verbrechen. Wer war die RAF?
18.05.2025 | 28:01 minWegen drei Anschlägen der RAF in den 90er Jahren könnte ein weiterer Prozess gegen Daniela Klette im Raum stehen. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main prüft, ob es diese Anklage zulässt, der Vorwurf: versuchte Morde. Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub sind noch auf freiem Fuß.
Oliver Deuker berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Niedersachsen.
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