Prozess gegen Daniela Klette :Ex-RAF-Terroristin: Raubüberfälle fürs Überleben notwendig
Im Prozess gegen Ex-RAF-Terroristin Klette hat die Angeklagte in ihrer Verteidigungsrede Mitleid mit den Opfern bekundet. Eine direkte Beteiligung an den Taten räumt sie nicht ein.
Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette im provisorischen Gerichtssaal des Landgerichts Verden in Niedersachsen.
Quelle: dpaIm Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette wegen schweren Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze hat die Angeklagte das Leid der Opfer anerkannt - ohne allerdings eine direkte Beteiligung an den Taten einzuräumen.
Ihr tue es "wirklich sehr leid" und es sei "zu bedauern", wie schwer einige der Geschädigten noch heute unter den Geschehnissen litten, gab sie in ihrer Verteidigungsrede vor dem Landgericht Verden in Niedersachsen an. Sie habe nicht gewusst, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichende psychologische Unterstützung von ihren Arbeitgebern bekämen.
Die Staatsanwaltschaft Verden fordert eine 15-jährige Haftstrafe gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette.
29.04.2026 | 0:29 minKlette: Überfälle für Leben im Untergrund notwendig
Sie verteidigte die Raubüberfälle als notwendig, um das Leben im Untergrund zu finanzieren. Die Taten hätten nichts mit "Abenteuerlust" zu tun gehabt. Ausführlich sprach sie davon, wie sie und Gleichgesinnte die vergangenen Jahrzehnte erlebten. Dabei erklärte sie, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems sehe. Nur in der Illegalität hätten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen.
Laut Anklage soll Klette mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte in mehreren Städten überfallen haben. Dabei soll die Bande mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben.
Die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette steht unter anderem wegen Raubüberfällen vor Gericht. 30 Jahre lang war sie untergetaucht.
09.04.2025 | 18:12 minOpferanwalt berichtet von schwerwiegenden Folgen
Am heutigen Prozesstag hatte ein Opferanwalt mit Blick auf eine einzelne Tat elf Jahre Haft für die Angeklagte gefordert. Anders als die Staatsanwaltschaft bewertet der Opferanwalt die Tat nicht als versuchten Mord. Damit folgt er einer Einschätzung des Gerichts.
Der Mandant des Anwalts saß damals am Steuer des Fahrzeugs mit rund einer Million Euro, als drei Bewaffnete versuchten, an das Geld zu gelangen. Schüsse fielen, der Fahrer hatte Todesangst.
Er musste erleben, wie von außen in den Innenraum des Transporters geschossen wurde.
Opferanwalt
Die Folgen der Tat für den damaligen Geldtransporterfahrer sind demnach schwer. Bis heute gehe es dem Mann schlecht. Er sei traumatisiert und nicht mehr in der Lage zu arbeiten.
Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Dann wollen Klettes Verteidiger das Schlusswort halten.
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