French-Open-Siegerin Andrejewa:Irreführende Weidel-Aussage über russische Tennisspielerin
von Katja Belousova
Alice Weidel (AfD) gratuliert Mirra Andrejewa zum Sieg in Paris und suggeriert, der russischen Tennisspielerin seien "sonst übliche Ehrungen verwehrt" worden. Das ist irreführend.
Am Samstag siegte die Russin Mirra Andrejewa im Tennis-Finale von Roland Garros und gewann mit nur 19 Jahren die French Open. Zu ihrem ersten Grand-Slam-Sieg in Paris gratulierten ihr nicht nur Tennisstars wie Novak Djokovic und Aryna Sabalenka - sondern auch Alice Weidel.
In einem Post bei X schrieb die AfD-Bundessprecherin und Fraktionsvorsitzende im Bundestag: "Gratulation an Mirra Andrejewa! Die erst 19-jährige Russin gewann am Samstag die French Open und ihr wurden die sonst üblichen Ehrungen verwehrt. Sport sollte unpolitisch sein und die Leistungen der Athleten im Vordergrund stehen."
Weidels Vorwurf irreführend
Dabei ist Weidels Vorwurf, dass der Siegerin "die sonst üblichen Ehrungen verwehrt" wurden, irreführend.
Denn am Ende des Spiels am Samstag gab es die übliche feierliche Ehrung auf dem Platz - mit Reden der beiden Finalistinnen, mit Fotos, mit Gratulationen, mit Social-Media-Posts des Turnier-Veranstalters, mit einer strahlenden und lachenden Siegerin.
In seinem 41. Grand-Slam-Turnier darf Alexander Zverev den Sieger-Pokal in die Höhe heben. Im Finale der French Open besiegt er den Italiener Flavio Cobolli in fünf Sätzen.
07.06.2026 | 1:29 minAndrejewa wurde wie andere Paris-Siegerinnen mit einer Plakette an der sogenannten Wall of Champions geehrt - ihr Name wurde zudem in die offizielle Liste aller Siegerinnen im Pariser Court Philippe-Chatrier eingraviert.
Am Tag darauf trat Andrejewa samt Pokal auch auf dem Pariser Place de la Concorde auf und ließ sich dort noch einmal für ihren ersten Grand-Slam-Sieg von den Tennis-Fans feiern.
Empörung auf X
Die einzige "Ehrung", die es nicht gab, war die von Andrejewas Heimatland Russland. Weil russische und belarussische Tennisspielerinnen und Tennisspieler seit der russischen Invasion in der Ukraine bei Turnieren unter neutraler Flagge starten, gab es nur einen wesentlichen Unterschied zu anderen Siegerehrungen, wie etwa der des Deutschen Alexander Zverev am Sonntag: Während bei Zverev die deutsche Nationalhymne erklang und dabei die deutsche Fahne wehte, fehlte das bei Andrejewa.
Mit "sonst üblichen Ehrungen", die verwehrt wurden, meint Weidel also die fehlende russische Hymne und fehlende Fahne. Auf X hatten sich zuvor bereits einige User genau darüber aufgeregt. Alice Weidel veröffentlichte ihr Posting auch lediglich auf X, nicht aber bei Facebook oder Instagram.
Die Debatte um AfD-Abgeordnete, die Verwandte von Parteifreunden beschäftigen, verschärft sich. Während die AfD von Aufbauschung spricht, fordern andere Parteien strengere Regeln.
25.02.2026 | 1:52 minIhr Post zu Andrejewa wurde mehr als 2.500-mal geteilt - öfter als viele andere ihrer dortigen Beiträge der vergangenen Tage. Dabei war Weidel nicht die einzige mit vergleichbaren Aussagen. Auch der populistische französische Politiker François Asselineau beklagte sich über die fehlende russische Flagge und erhielt dafür sogar mehr als 16.000 Shares.
Lob aus Russland für Weidel
Lob bekam Weidel von Wladimir Putins Berater und Ukraine-Unterhändler Kirill Dmitriev, der ihren Beitrag repostete und ihr ausdrücklich dankte: "Die Vorsitzende der beliebtesten Partei in Deutschland und die Stimme des deutschen Volkes - vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar zu Mirra und für Ihre Unterstützung dafür, dass Sport unpolitisch bleibt."
Kritik gab es auch: Mehrere User bei X merkten an, dass Weidel dem deutschen French-Open-Sieger Alexander Zverev nicht gratulierte.
Alexander Zverev kostet seinen ersten Grand-Slam-Sieg auch beim Foto-Shooting unterm Eiffelturm aus. Unter den Gratulanten war auch Basketball-Weltmeister Daniel Theis.
09.06.2026 | 1:00 minFehlende russische Fahne? Andrejewa reagiert nüchtern
Und was sagt Mirra Andrejewa? Bei der Pressekonferenz nach ihrem Sieg wurde sie gefragt, ob sie unter der fehlenden russischen Fahne leiden würde. Ihre nüchterne Antwort: Das sei nichts, worüber sie sich auf dem Spielfeld Gedanken mache.
Wörtlich sagte Andrejewa: "Natürlich denke ich, dass jeder Mensch keinen Krieg auf der Welt haben möchte. Was ich sagen kann, ist: Wenn ich Tennis spiele, dann denke ich eigentlich nur daran, wie ich spiele und wie ich gewinne und wie ich gut konkurriere und wie ich Matches gewinne. Und wenn ich spiele, denke ich darüber nicht wirklich nach, weil ich so viele Dinge im Kopf habe, auf die ich mich konzentrieren muss."
Deshalb denke ich während des Spiels nie an solche Dinge.
Mirra Andrejewa, Tennisspielerin
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