Kritik an Merz nach CSD-Anschlag:Queere Community: "Hören Sie uns endlich zu"
Die queere Community fordert nach dem Anschlag auf den Berliner CSD mehr Geld für Prävention. Und sie kritisiert den Kanzler. Merz müsse mit der Community ins Gespräch kommen.
Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin erstrahlte das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben. Heute befasst sich der Innenausschuss des Bundestages mit dem Anschlag. (Archivbild)
Quelle: dpaZDFheute: Der Bundestag beschäftigt sich mit den Folgen des Anschlags auf den Berliner CSD. Was würden Sie sich von den Abgeordneten wünschen?
Andre Lehmann: Hören Sie uns endlich zu! Sprechen Sie mit uns! Seit Jahren weisen wir auf die Gefahr für queere Menschen in unserem Land hin. Den Solidaritätsbekundungen müssen konkrete politische Konsequenzen folgen. Dafür haben wir einen Maßnahmenkatalog vorgelegt.
Andre Lehmann ist Vorstand beim LSVD+ Verband Queere Vielfalt, dem ehemaligen Lesben- und Schwulenverband in Deutschland.
Wir brauchen mehr Präventionsmaßnahmen, Sicherheitskonzepte, die queere Bedürfnisse berücksichtigen, sowie eine nachhaltige Finanzierung von Beratungs- und Community-Strukturen.
Die Debatten, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen, spalten unsere Gesellschaft nur noch weiter. Das wird den Betroffenen nicht gerecht.
Andre Lehmann, LSVD+ Verband Queere Vielfalt
Es müsse heute im Bundestag darüber gesprochen werden, warum "eine Person, die als hoher Risikofall eingestuft wurde, nicht engmaschiger überwacht" wurde, fordert Clara Bünger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken.
04.08.2026 | 8:35 minZDFheute: Der CSD Deutschland und Sie haben Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert und gesagt, sie würden ihm seine Anteilnahme nicht glauben. Haben Sie den Eindruck, dass er Ihre Kritik verstanden hat?
Lehmann: Die Solidaritätsbekundungen wirken dann unehrlich, wenn daraus keine Konsequenzen folgen.
Es wird Zeit, dass der Kanzler mit der Community ins Gespräch kommt.
Andre Lehmann, LSVD+ Verband Queere Vielfalt
Er hat seit einer Woche ein Gesprächsangebot des LSVD+ und des CSD Deutschland auf dem Tisch liegen. Wir erwarten, dass die Bundesregierung ihre Versprechen zum Schutz queerer Menschen jetzt einlöst. Daran werden wir den Kanzler, die Bundesregierung und alle demokratischen Parteien messen.
Parteiübergreifend zeigen sich Politiker nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin bestürzt. Doch der Terror, appelliert Kanzler Merz bei einer Trauerfeier, dürfe nicht gewinnen.
26.07.2026 | 2:46 minZDFheute: Der Anschlag wird - so die Kritik in vielen Online-Kommentaren - oft nicht als Anschlag auf die queere Community bezeichnet, das Wort homophober Anschlag fehlt häufig. Teilen Sie diesen Eindruck und vermissen Sie in der Aufarbeitung des Anschlags die queere Sichtbarkeit?
Lehmann: Der Täter hat eine politische Demonstration für queere Rechte angegriffen und dieses Ziel bewusst gewählt. Er hat es auf Menschen abgesehen, die nicht in sein fanatisches und hasserfülltes Menschenbild passten: queere Menschen.
Auch wenn das Ziel des islamistischen Terrorismus die westliche Gesellschaft und unsere Demokratie insgesamt ist, ist dieser Anschlag eindeutig queerfeindlich.
Andre Lehmann, LSVD+ Verband Queere Vielfalt
Er hat die queere Community mitten ins Herz getroffen. Wer den Anschlag als Angriff auf "uns alle" versteht, sollte auch an den anderen 364 Tagen im Jahr queeres Leben als ein Herzstück unserer vielfältigen Gesellschaft verteidigen und feiern.
Das Interview führte Dominik Rzepka aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.
Der CSD-Anschlag in Berlin hat eine Strafrechtsdebatte entfacht - dabei geht es auch um die Gefahr für queere Menschen von rechts.
27.07.2026 | 2:35 minNachrichten | heute 19:00 Uhr:CSD-Attentäter war als Gefährder bekannt
von S. Bleßmann / S. GargoschVideo2:01Nachrichten | heute 19:00 Uhr:Debatte um Behördenarbeit nach CSD-Anschlag
von Klaus BrodbeckVideo1:47