Kritische Predigt zu Migration :Trump fordert Entschuldigung von Bischöfin
Bischöfin Mariann Edgar Budde äußert sich kritisch über Trumps Politik gegenüber Migranten und sexuellen Minderheiten. Nun fordert der US-Präsident eine Entschuldigung von ihr.
Bischöfin Mariann Edgar Budde beim Gebetsgottesdienst in Washington, direkt hinter ihr steht Donald Trump.
Quelle: dpaUS-Präsident Donald Trump verlangt eine Entschuldigung von Bischöfin Mariann Edgar Budde für ihre Predigt bei einem interreligiösen Dankgottesdienst in der Nationalkathedrale in Washington. Sie hatte darin einen Tag nach Trumps Amtseinführung über Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus gesprochen, denen unter dem neuen Präsidenten die Abschiebung droht.
Trump möge sich barmherzig zeigen, sagte die Bischöfin am Dienstag in ihrer Predigt. Kinder hätten Angst, dass ihnen die Eltern weggenommen würden.
Trump hält seine Wahlversprechen und begnadigt verurteilte Kapitolstürmer, verschärft das Staatsbürgerschaftsrecht, investiert in die KI und schottet das Land vor Migranten ab.
23.01.2025 | 2:27 minTrump: Bischöfin schuldet mir eine Entschuldigung
Die "sogenannte Bischöfin" sei eine radikale linke Trump-Hasserin, postete der US-Präsident am Mittwoch (Ortszeit) auf seiner Plattform "Truth Social". Viele Migranten kämen aus Gefängnissen und psychiatrischen Krankenhäusern und hätten in den USA Menschen umgebracht. Die USA erlebten eine "riesige Verbrechenswelle". Budde und ihre Kirche schuldeten ihm eine Entschuldigung.
Zudem sei der Gottesdienst sehr langweilig gewesen. Bei der Live-Übertragung war ein mit grimmigem Gesichtsausdruck vorn in der Kirche sitzender Trump zu sehen.
Kann Trump seine Abschiebepläne einfach so umsetzen? ZDF-Korrespondent Theveßen ordnet ein: Jeder, der es auf US-amerikanischen Boden geschafft hat, müsse angehört werden. Trump werde "vor Gericht sicherlich Schwierigkeiten haben", so Theveßen.
23.01.2025 | 3:00 minBischöfin Budde will sich nicht entschuldigen
Dem Magazin "Time" (online) sagte Budde am Mittwoch, sie werde sich nicht dafür entschuldigen, für andere um Barmherzigkeit gebeten zu haben. Außerdem werde sie weiter für den Präsidenten beten, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. "Ich betrachte ihn nicht als meinen Feind."
Ich glaube, wir können uns respektvoll widersprechen und unsere Ideen äußern und weiterhin für die Überzeugungen eintreten, die uns gegeben wurden, ohne zu Gewalt in der Sprache zu greifen.
Mariann Edgar Budde, Bischöfin
In der Talkshow "The View" im Fernsehsender ABC erläuterte Budde, sie habe sich mit dem Konzept nationaler Einheit befasst und dabei realisiert, dass Einheit auch Barmherzigkeit und Mitleid erfordere. Viele Menschen in den USA hätten gegenwärtig Angst. Die 65-jährige Budde ist seit 2011 Bischöfin in der US-Hauptstadt.
Der US-Kongress hat ein umstrittenes Einwanderungsgesetz von Präsident Trump verabschiedet, das illegale Migranten bereits bei Verdacht auf kleine Vergehen abschieben lässt.
23.01.2025 | 1:20 minGeistliche setzt sich für Migranten und queere Menschen ein
Budde hatte sich während eines Gebetsgottesdienstes nach der Amtseinführung am Dienstag direkt an Trump gewandt und ihn um Gnade für sexuelle Minderheiten und Migranten, die sich illegal im Land aufhalten, gebeten. Sie sagte:
Es gibt schwule, lesbische und transsexuelle Kinder in demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien, von denen einige um ihr Leben fürchten.
Mariann Edgar Budde, Bischöfin
Budde predigte, die "große Mehrheit der Einwanderer seien keine "Kriminellen", sondern "gute Nachbarn" und "treue Mitglieder" von Religionsgemeinschaften.
Unterschiedliche Reaktionen auf Predigt
Die Reaktionen auf Buddes Predigt fielen gespalten aus - entlang der vorhersehbaren politischen und religiösen Linien. Progressive Gläubige sahen in ihr ein inspirierendes Beispiel, während Konservative ihre Predigt als konfrontativ und respektlos beschrieben. Der Nachrichtenagentur AP sagte die Bischöfin, sie halte sich den sozialen Medien aktuell weitgehend fern. Die Hetze einiger ihrer Kritiker sei "genau das", was sie mit der Botschaft der Einheit in ihrer Predigt vermeiden wollte.
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