Schattenmann im Weißen Haus:Donald Trumps neuer Stabschef: Wer ist Stephen Miller?
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Als Stabschefin organisierte Susie Wiles Trumps Regierungsalltag. Auf sie folgt Stephen Miller, einer der umstrittensten und zugleich einflussreichsten Männer in Trumps Umfeld.
Stephen Miller ist für seine Hardliner-Positionen bekannt.
Quelle: Mark Schiefelbein/APNach der schweren Niederlage der Republikaner bei den Midterms baut US-Präsident Donald Trump sein engstes Machtzentrum um. Stabschefin Susie Wiles verlässt das Weiße Haus. Auf sie folgt mit Stephen Miller einer der loyalsten und umstrittensten Vertrauten des Präsidenten.
Der bisherige Vize-Stabschef gilt als Architekt von Trumps Migrationspolitik und als einer der einflussreichsten Berater im West Wing, dem administrativen Teil des Weißen Hauses, in dem sich die wichtigsten Arbeitsräume des US-Präsidenten und seiner engsten Mitarbeiter befinden.
Warum ist der Stabschef-Posten wichtig?
Der Stabschef zählt zu den mächtigsten Menschen in Washington. Er kontrolliert den Zugang zum Präsidenten, koordiniert Ministerien und entscheidet mit, welche politischen Vorhaben auf Trumps Schreibtisch landen.
Mit Miller übernimmt nun ein Mann die Schaltzentrale des Weißen Hauses, der seit Jahren zu den ideologischen Vordenkern der Trump-Bewegung gehört. Für Beobachter war er schon bislang eine der prägendsten Figuren hinter den Kulissen. Nun erhält er auch die formale Macht, den Regierungsapparat des Präsidenten zu steuern.
Offene Kritik aus Trumps engstem Umfeld: Ein Vanity-Fair-Artikel mit Aussagen der Stabschefin über Trump und die US-Regierung sorgt für Diskussionen - und für deutliche Reaktionen.
17.12.2025 | 0:51 minWie kam Stephen Miller zu Trump?
Geboren in Santa Monica, Kalifornien, wächst er in einem jüdischen Elternhaus auf. Während sein Umfeld liberal geprägt ist, entwickelt Miller früh konservative Überzeugungen. Nach dem Studium arbeitet er für den migrationskritischen republikanischen Senator Jeff Sessions, wo er das politische Handwerk lernt und die Kontakte knüpft, die ihn 2016 in Trumps Wahlkampfteam führen.
Miller kam 2016 in den Fokus - als Redenschreiber für Trump.
Quelle: AFPSeitdem gehört Miller zu den wenigen Beratern, die Trump über die Jahre nie verlassen haben. Als Redenschreiber und Politikberater prägt er maßgeblich die Rhetorik und politische Agenda des Republikaners.
Die Jahre der Präsidentschaft von Joe Biden nutzt er, um die Grundlagen für Trumps politische Rückkehr zu legen. Beobachter beschreiben ihn als ideologischen Vordenker des Trumpismus und Mitautor des "Project 2025".
Wahl verloren, Macht erhalten – wird Trump noch gefährlicher?
05.11.2026 | 64:55 minWas macht Stephen Miller aus?
Millers Arbeitsweise sei "äußerst effektiv", betont Matthew Barlett, Mitarbeiter in der ersten Trump-Administration, gegenüber ZDFheute. Und hebt seine Fähigkeit hervor, politische Botschaften öffentlich zu vermitteln.
Besonders bekannt wird Miller für seine kompromisslose Haltung in Migrationsfragen. Unter seiner Federführung setzt die erste Trump-Regierung die umstrittene Politik durch, bei der Tausende Migrantenkinder an der Grenze von ihren Eltern getrennt werden. Der Vorgang sorgt weltweit für Kritik.
Nach dem Tod einer Mutter in Minnesota durch einen ICE-Beamten steigt der Widerstand gegen Trumps Abschiebepolitik. Zehntausende Menschen sitzen in Abschiebezentren der Einwanderungsbehörde.
21.01.2026 | 13:28 minAuch in Trumps zweiter Amtszeit zählt er zu den treibenden Kräften hinter den harten Maßnahmen in der Einwanderungspolitik und sorgte mit Forderungen zum sogenannten Geburtsortsprinzip für Kontroversen.
Kritiker verweisen dabei häufig auf einen Widerspruch in seiner eigenen Familiengeschichte. 2018 machte sein Onkel David Glosser öffentlich, dass Millers jüdische Vorfahren vor Pogromen aus dem Russischen Reich in die Vereinigten Staaten geflohen waren.
"Ohne die offenen Einwanderungsgesetze jener Zeit", schrieb Millers Onkel damals, "wären wir nicht hier".
Was ändert sich mit Stephen Miller?
Über Jahre gehörte Stephen Miller bereits zu den einflussreichsten Beratern von Donald Trump. Als Stabschef dürfte sein Einfluss nun noch einmal wachsen. Im Weißen Haus gibt es künftig kaum einen Mitarbeiter, der näher am Präsidenten steht.
Für den langjährigen Strategen, der als Architekt vieler Migrationspläne und als einer der wichtigsten Ideengeber hinter den Reformvorstellungen von "Project 2025" gilt, beginnt damit die bislang mächtigste Phase seiner politischen Karriere.
"Project 2025" enthält detaillierte Vorschläge, wie die amerikanische Regierung umgebaut werden soll: weniger Bürokratie, stärkere Kontrolle durch den Präsidenten, Abkehr von Programmen, die als zu liberal gelten, Besinnung auf christlich-konservative Werte. Im Zentrum des Plans steht die Idee, den Einfluss von Institutionen wie der Justiz und der Verwaltung zu schwächen und stattdessen die Macht stärker auf die Exekutive zu konzentrieren.
Die Heritage Foundation ist ein einflussreicher konservativer Thinktank in Washington, der 1973 gegründet wurde. Sie gilt seit Jahrzehnten als ideologischer Wegbereiter republikanischer Politik und liefert Konzeptpapiere, Personalvorschläge und Gesetzesideen für konservative Regierungen. Bekannt wurde sie besonders in den 1980er-Jahren durch ihren starken Einfluss auf die Agenda von Präsident Reagan.
Miller dürfte nicht nur die politische Linie des Präsidenten weiter prägen, sondern auch größeren Einfluss darauf haben, wie und mit welchem Tempo sie umgesetzt wird. Nach den verlorenen Midterms setzt Trump damit auf Kontinuität statt Kurswechsel.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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