Öl-Exporte und Atomprogramm:Wie die Iraner mit Trumps Drohungen umgehen
Noch im Oktober forderte Trump Israel auf, iranische Atomanlagen anzugreifen. Jetzt will er Frieden und ein neues Nuklear-Abkommen, doch kündigt gleichzeitig härtere Sanktionen an.
Im Iran wurden am 46. Jahrestag der Islamischen Revolution unter anderem Plakate von Donald Trump verbrannt. Trump stellt strenge Forderungen an das Land. Will er wirklich den Frieden sichern?
Quelle: epaMit Luftballons, Raketen und brennenden israelischen und amerikanischen Flaggen feierten zehntausende Menschen an diesem Montag in Teheran den 46. Jahrestag der Iranischen Revolution. "Wir werden niemals vor Ausländern kapitulieren", versicherte Präsident Massud Peseschkian den Feiernden bei der staatlich organisierten Veranstaltung. Die Anhänger des Regimes schwenkten iranische Flaggen, Anti-Trump-Plakate und skandierten "Tod den USA."
Seit der amerikanische Präsident Donald Trump Anfang Februar ankündigte, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran weiter erhöhen zu wollen, sind die USA wieder der Erzfeind Nummer eins.
Zum Jahrestag der Islamischen Revolution fanden im Iran staatlich verordnete Feierlichkeiten statt. Abseits davon belastetet jedoch die schwere Wirtschaftskrise das Land.
10.02.2025 | 2:38 minTrump fordert "maximalen Druck" auf Iran
In seinem Memorandum forderte Trump "maximalen Druck" auf den Iran auszuüben und die Öl-Exporte - die wichtigste Einnahmequelle - "auf Null zu bringen". Parallel strebt er ein neues Atomabkommen mit Teheran an, nachdem er während seiner ersten Amtszeit einseitig aus dem Iran-Deal ausgetreten war. Auf seiner Social Media Plattform Truth Social schrieb er:
Ich möchte, dass der Iran ein großartiges und erfolgreiches Land wird, das aber keine Atomwaffen haben darf.
Donald Trump, US-Präsident
"Achse des Widerstands" wird kleiner
Nach Trumps Sanktionsandrohung stürzte Irans Währung auf ein Rekordtief ab. Schon die bestehenden Sanktionen lähmen die Wirtschaft des islamischen Landes, das seit dem Krieg Israels gegen die Hisbollah und die Hamas sowie dem Sturz Assads in Syrien außenpolitisch zunehmend geschwächt und isoliert ist. Die "Achse des Widerstandes" wird kleiner.
… handelt es sich um Verbündete des Irans, die allesamt eine antiwestliche und antiisraelische Ideologie eint. Dazu zählen etwa die libanesische Hisbollah, schiitische Milizen im Irak und jemenitischen Huthi-Rebellen. Gemeinsam mit ihnen versucht Teheran, seine regionalen Ziele durchzusetzen, ohne eine direkte Konfrontation mit konventionell überlegenen Gegnern wie den Vereinigten Staaten und Israel heraufzubeschwören. Die Mitglieder dieser "Achse des Widerstands" werden von Iran finanziell unterstützt und mit Waffen ausgerüstet.
Quelle: Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Universität Hamburg
Die rasende Inflation bestimmt den Alltag. Für viele Menschen ist Fleisch zu einem unerschwinglichen Luxusprodukt geworden.
Mit einem Abkommen wollen Russland und Iran sich gegenseitige Kooperation rückversichern, erklärte Russland-Experte Stefan Meister bei ZDFheute live. Dabei werde Know-How weitergegeben.
17.01.2025 | 9:31 minIran lehnt Gespräche mit Trump vorerst ab
Auch deshalb hatte die iranische Führung zuletzt Gesprächsbereitschaft mit Washington signalisiert. Man zeigte sich bereit, über das schnell voranschreitende Nuklearprogramm zu verhandeln, wenn die USA im Gegenzug die erdrückenden wirtschaftlichen Sanktionen reduzieren würden.
Doch seit Trumps Drohungen ist der Ton in Teheran schärfer geworden. Präsident Peseschkian warf Trump vor, den Iran in die Knie zwingen zu wollen und stellte seine Absichten in Frage. Im Hinblick auf die neuen Sanktionsdrohungen fragte Peseschkian:
Wenn er [Trump] wirklich verhandeln will, warum macht er dann sowas Sinnloses?
Massud Peseschkian, Irans Präsident
Auch Irans politisches und geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei lehnte am Freitag Gespräche mit den USA ab. Gespräche seien "nicht klug, weise oder ehrenhaft." Ein Verhandlungsverbot mit Washington, wie es nach Trumps Rückzug aus dem Iran-Abkommen 2018 erlassen worden war, sprach der Oberste Führer, der in strategischen Fragen das letzte Wort hat, allerdings nicht aus. Ein zukünftiger Dialog scheint nicht völlig ausgeschlossen.
Menschen in Iran sind gespalten
Der iranische Journalist Mohammad Mohajeri sieht in der neuen Härte eine Taktik der iranischen Führung, um Trump dazu zu bewegen, die Sanktionsdrohungen zurückzunehmen. "Wenn die Amerikaner ihr Verhalten ändern, werden die Gespräche wahrscheinlich fortgesetzt", sagt er gegenüber ZDF. Dennoch glaubt Mohajeri im aktuellen Klima nicht an direkte Verhandlungen. "Wenn dann durch einen Vermittler, wie Oman oder Katar", glaubt er.
Der ehemalige, erzkonservative Abgeordnete Mostafa Mirsalim, ein Kritiker des letzten Atomabkommens, sieht die Verantwortung dafür bei den USA und fordert Zugeständnisse. "Es gibt viel Misstrauen. Die Amerikaner müssen erstmal beweisen, dass sie es ernst meinen."
Die Menschen in Teheran sind währenddessen zwiegespalten. "Was die USA von uns wollen, sind keine Verhandlungen", sagt eine Frau, die bei den Jubiläumsfeierlichkeiten ein anti-amerikanisches Plakat trägt. "Sie wollen, dass wir uns ergeben, und das werden wir niemals tun!" Ein junger Mann ist anderer Meinung. "Ich glaube, dass jegliche Verhandlungen gut sind", sagt er. "Es ist gut für den Iran und verbessert vielleicht die Inflation."
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C. Harz, S. Riess, N. Aulbert, Washington D.C.