Menschenrechtsverbrechen bei Gasprojekt in Mosambik?

Exklusiv

Europäische Konzerne in Ostafrika:Menschenrechtsverbrechen bei Gasprojekt in Mosambik?

von Jörg Brase und Dajana Kollig

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Total Energies wird Beihilfe zu Völkerrechtsverbrechen in Ostafrika vorgeworfen, die 2021 passierten. Siemens Energy soll zukünftig Bauteile für dessen Flüssiggas-Projekt liefern.

Redakteure Redaktion frontal

Überlebende des Container-Massakers von Mosambik wollen ihre Geschichte erzählen, aber sie haben Angst. Wie gewinnt man Vertrauen? frontal inside blickt hinter die Recherche.

09.06.2026 | 9:14 min

"Sie haben gerufen: Ihr seid alle Al-Shabab. Wir werden Euch alle töten. Ihr werdet alle hier sterben!", berichtet der 32-Jährige Chabala* im Gespräch mit ZDF frontal.

Chabala sagt, er sei einer von nur 26 Überlebenden des sogenannten Container-Massakers in Mosambik 2021. Wegen dieses Vorwurfs wurde auch inzwischen gegen den französischen Gas-Konzern Total Energies Anzeige erstattet. Das bringt auch den deutschen Konzern Siemens Energy in Bedrängnis. Für das Flüssiggas-Projekt "Mozambique LNG" will Siemens Energy Gasturbinen und weitere Bauteile liefern.

ZDF frontal konnte vor Ort mit Opfern des Massakers sprechen - im Rahmen der internationalen Recherche "Mozambique Exposed" - gemeinsam mit acht weiteren Medien und unter der Leitung des Non-Profit Newsrooms Forbidden Stories.

Karte: Afrika - Mosambik

Mosambik liegt in Ostafrika: Karte mit der Hauptstadt Maputo und der Provinz Cabo Delgado.

Quelle: ZDF

Flüssiggas-Projekt von Total Energies

2021 griff die islamistische "Al Shabab"-Miliz die Küstenstadt Palma an. Diese liegt nur etwa zehn Kilometer Luftlinie entfernt von dem Flüssiggas-Projekt von Total Energies in der rohstoffreichen Region Cabo Delgado. Daraufhin ordnete Total Energies den Rückzug seines Personals aus der Anlage an und stellte wohl vorübergehend die Arbeit an dem Projekt ein. Zurück blieben Soldaten, die das Gelände schützen sollten.

Bei ihnen handelte es sich um Mitglieder der mosambikanischen Armee. Die sogenannte Joint Task Force wurde nach einem Abkommen gegründet, das Total Energies und die mosambikanische Regierung extra zum Schutz der Anlage geschlossen hatten.

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Mindestens 97 Menschen getötet oder verschwunden

Der Konzern soll die Einheit finanziell und materiell unterstützt haben. Ausgerechnet gegen diese Truppe wurden später schwere Vorwürfe erhoben. Laut Recherchen des US-Magazins Politico sollen die Soldaten schutzsuchende Zivilisten in Seecontainern vor dem Projekt-Gelände festgehalten, gefoltert und getötet haben.

Der Recherche zufolge wurden mindestens 97 Menschen getötet oder sind verschwunden. Total Energies bestreitet, von den Geschehnissen vor Ort gewusst zu haben. Das mosambikanische Verteidigungsministerium antwortete nicht auf Fragen.

"Ich leide immer noch", erzählt Chabala, "mein Bruder und mein bester Freund wurden damals von den Truppen verschleppt, und ich weiß bis heute nicht, wo sie sind".

Anzeige gegen Total Energies

Interne Unterlagen sprechen für den Verdacht, dass Total Energies schon 2021 über Vorwürfe gegen Mitglieder der Joint Task Force informiert war. So seien danach Soldaten versetzt und in einigen Fällen die Zahlung einer Härtezulage wegen des Verdachts auf Menschenrechtsverbrechen vorerst ausgesetzt worden.

Die Menschenrechtsorganisation "European Center for Constitutional and Human Rights" (ECCHR) sieht Total Energies daher in der Mitschuld an den Völkerrechtsverbrechen und hat im November 2025 Strafanzeige eingereicht. Diese Vorwürfe weist das Unternehmen in einer Antwort an Forbidden Stories und ZDF frontal ausdrücklich zurück. "Interne Überprüfungen mit unseren Projektbeteiligten bestätigen, dass weder Mozambique LNG und erst recht nicht Total Energies zum damaligen Zeitpunkt irgendwelche Informationen über derartige Vorwürfe erhalten haben", schreibt der Konzern auf Anfrage.

Aus Sorge um die Menschenrechtslage haben Großbritannien und die Niederlande ihre Finanzierungszusagen für das Projekt in Höhe von insgesamt 2,2 Milliarden US-Dollar zurückgezogen.

UN-Sicherheitsrat

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Siemens will trotzdem Bauteile liefern

Ähnliche Reaktionen fordern Umweltorganisationen auch vom deutschen Konzern Siemens Energy: "Wenn sie glaubwürdige Menschenrechtsstandards haben, wird es keine andere Konsequenz geben, als dass man diesen Liefervertrag aufgeben müsste", sagt Sonja Meister von der Umweltorganisation Urgewald.

Siemens Energy hingegen teilte ZDF frontal mit, man werde an dem Liefervertrag für Turbinen und andere Bauteile festhalten. Bisher seien sie aber noch nicht geliefert worden. Man arbeite mit "erfahrenen Partnern zusammen", erklärte Siemens Energy gegenüber ZDF frontal. Außerdem lege man den Geschäften "verbindliche Standards in Bezug auf Menschenrechte sowie Umwelt- und Klimaschutz zugrunde".

Trotz der Ermittlungen und des seit 2017 andauernden Konflikts mit insgesamt 1,3 Millionen Vertriebenen laufen die Arbeiten am Projekt seit Anfang des Jahres wieder. Total Energies plant, ab 2029 Gas aus Cabo Delgado zu exportieren.

*Name von der Redaktion geändert, um den Schutz der Person zu gewährleisten.

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Über dieses Thema berichtet frontal in dem Beitrag "Blutiges Gasgeschäft" am 09.06.2026 um 7 Uhr und in der Sendung ab 21 Uhr.

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