Russische Justiz stuft Memorial als "extremistisch" ein

Menschenrechtsorganisation:Russische Justiz stuft Memorial als "extremistisch" ein

|

Das Oberste Gericht in Russland hat die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Menschenrechtsorganisation Memorial am Donnerstag als "extremistisch" eingestuft.

Eine Statue der Themis ist vor dem Gebäude des Obersten Gerichts Russlands in Moskau zu sehen. (Archiv)

Das Oberste Gericht in Russland gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft zur Einstufung der Menschenrechtsorganisation Memorial statt. (Symbolbild)

Quelle: Imago

Die mit dem Friedensnobelpreis geehrte Menschenrechtsorganisation Memorial ist in Russland verboten worden. Auf Antrag des Justizministeriums stufte das Oberste Gericht Russlands die "internationale gesellschaftliche Bewegung Memorial" als extremistisch ein und erklärte ihre Tätigkeit im Land für verboten.

Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass aus dem Gericht in Moskau. Der Beschluss sei sofort umzusetzen. Der Prozess hatte hinter verschlossenen Türen stattgefunden.

eine Reihe Demonstranten halten ein Plakat mit Sprüchen gegen den Krieg in die Luft

Viele russische Oppositionelle leben im Exil und kämpfen von dort aus gegen das Regime. Doch trotz ihrer Kritik an Putin, ziehen die Oppositionsgruppen nicht an einem Strang.

15.01.2025 | 6:39 min

Rückwirkende Strafen für Memorial-Unterstützer möglich

Unter Kremlchef Wladimir Putin kann damit die Unterstützung für Memorial für Tausende Menschen in Russland strafbar werden - im schlimmsten Fall rückwirkend. Die Exilorganisation Zukunft Memorial in Berlin teilte mit:

Mit diesem beispiellosen Schritt sollen das gesamte Memorial-Netzwerk und alle, die es unterstützen, delegitimiert und kriminalisiert werden.

Exilorganisation Zukunft Memorial in Berlin

Und weiter: "Das Putin-Regime fürchtet die Erinnerung an Sowjetdiktatur und Staatsterror. Aber diese Erinnerung lässt sich nicht verbieten."

02.04.2026, Russland, Moskau: Ein Blick auf das Gerichtsgebäude in dem der Prozess gegen den deutschen Bildhauer und Karnevalisten Tilly wegen angeblicher Verbreitung von Falschmeldungen über die russischen Streitkräfte und Verletzung religiöser Gefühle fortgesetzt wird.

Im umstrittenen Moskauer Strafverfahren gegen den Bildhauer Jacques Tilly ist nun das Urteil gefallen. Er soll achteinhalb Jahre in Haft, eine Auslieferung droht ihm jedoch nicht.

02.04.2026 | 2:10 min

Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa nennt den Extremismus-Vorwurf einen Angriff auf kritische Geschichtsarbeit. Auch das Gulag-Museum in Moskau, das an das sowjetische Lagersystem erinnerte, sei geschlossen worden, sagt die heutige Vorsitzende von Zukunft Memorial in Berlin.

Wegen des Kriegs gegen die Ukraine versuche Putins Führung, jeden möglichen Widerstand in der russischen Gesellschaft zu ersticken. "Wir sehen, dass die Menschen Angst bekommen haben."

Quelle: AFP, dpa
Über dieses Thema berichtet die ZDF-Sendung heute in Europa am 09. April 2026 ab 16 Uhr.

Mehr zu Kritikern des Kremls

  1. Michail Chodorkowskij - 2023
    Interview

    Oppositioneller Chodorkowski:"Niemand lebt ewig, auch nicht Putin"

    mit Video6:39

  2. Gerichtsverhandlung in St. Petersburg gegen Straßensängerin Diana Loginova

    Urteil gegen Sängerin aus Russland:300 Euro Strafe für Putin-kritischen Song

    von Felix Klauser
    mit Video2:02

  3. Jacques Tilly, Wagenbauer, steht vor dem Mottowagen, auf dem eine Skulptur des russischen Präsidenten Wladimir Putin die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz aufspießt. (Archiv)

    "Das ist alles paranoider Quatsch":Moskauer Gericht: Jacques Tilly soll über acht Jahre in Haft

    mit Video3:41

  4. Michail Schischkin

    Russische Opposition im Exil:"Wie lange wird dieses Volk noch schweigen?"

    von Cornelius Janzen
    mit Video9:34