Mehr als 3.000 Teilnehmer:Gedenkmarsch in Lyon nach Tötung von rechtem Aktivisten
Lyon ist nach der Tötung eines rechten Aktivisten in Aufruhr. Nun hat ein Gedenkmarsch stattgefunden - organisiert von rechtsextremen und streng katholischen Gruppen.
Nach einem gewaltsamen Zusammenstoß zwischen radikalen Linken und Rechten in Lyon ist der junge Aktivist Quentin Deranque gestorben. In Frankreich tobt nun eine Debatte über politische Gewalt.
19.02.2026 | 2:04 minMehr als 3.000 Menschen haben am Samstag im französischen Lyon an einem Gedenkmarsch für einen bei einer Schlägerei mit Linksextremen getöteten ultrarechten Aktivisten teilgenommen. Rund 3.200 Menschen, teilweise mit vermummten Gesichtern, zogen begleitet von einem großen Polizeiaufgebot durch die Großstadt im Südosten Frankreichs, wie die Präfektur mitteilte.
Lyon: Sicherheitskräfte über Nacht in erhöhter Alarmbereitschaft
Sorgen der Behörden, bei der Veranstaltung am Samstag könne es zu Gewaltausbrüchen kommen, bestätigten sich zunächst nicht. Der Marsch löste sich gegen 20 Uhr weitgehend auf. Die Sicherheitskräfte sollten jedoch die Nacht über in erhöhter Alarmbereitschaft bleiben. Lyon gilt als Hochburg rechtsextremer und antifaschistischer Gruppen.
Mehrere rechtsextreme und streng katholische Gruppen hatten zu dem Gedenkmarsch für Quentin Deranque aufgerufen. Der 23-jährige Student war vor einer Woche gestorben, nachdem er bei Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksextremen in Lyon schwer am Kopf verletzt worden war. Laut französischen Medien gehörte der Getötete verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen an, wie der "l'Action française", war Mitgründer der nationalistisch-revolutionären Gruppierung "Allobroges Bourgoin", und in Lyon war er demnach Mitglied des rechtsextremen Gruppenkollektivs "Audace".
Ein 23-Jähriger wurde am vergangenen Donnerstag von einer Gruppe Maskierter totgeprügelt. Einer der neun Tatverdächtigen soll bei einem Abgeordneten der französischen Linkspartei arbeiten.
18.02.2026 | 0:27 minDie Präfektur des Départements Rhône teilte am Samstagabend mit, juristisch gegen Hitlergrüße sowie rassistische und homophobe Beleidigungen während der Veranstaltung vorzugehen. Diese seien in Videos zu sehen, die in Online-Netzwerken veröffentlicht worden seien, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Lyons Bürgermeister Grégory Doucet von den Grünen sagte:
Ich möchte nicht, dass Lyon auch nur im Ansatz die Hauptstadt der Ultrarechten ist.
Grégory Doucet, Bürgermeister von Lyon
Doucet hatte sich vergeblich für ein Verbot des Marsches eingesetzt.
Macron: Gewalt ist niemals gerechtfertigt
Vor Beginn des Gedenkmarsches hatte der französische Präsident Emmanuel Macron alle Seiten zur "Ruhe" aufgerufen. Macron sagte, Gewalt sei niemals gerechtfertigt. "Es gibt keinen Platz für Milizen, egal woher sie kommen." Der Präsident kündigte zudem eine Kabinettssitzung in der kommenden Woche an, bei der über gewalttätige Gruppen mit Verbindungen zu politischen Parteien diskutiert werden soll.
Frankreich versucht der Drogenkriminalität mit gezielten Polizei-Großaktionen Herr zu werden.
19.04.2024 | 2:19 minErmittlungen gegen sieben Verdächtige
Sieben Verdächtige wurden inzwischen festgenommen. Sechs sitzen wegen des Vorwurfs des vorsätzlichen Mordes und der schweren Körperverletzung in Untersuchungshaft, ein weiterer wurde unter Justizaufsicht gestellt. Drei der Männer sollen der radikalen Linken angehören; einer ist parlamentarischer Assistent des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault und Mitgründer der antifaschistischen "Jeune Garde" (auf Deutsch: Junge Garde), die nach Medienberichten für den Angriff verantwortlich gemacht wird.
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