Wochenlange Jugendproteste:Druck der "Kakerlaken": Indiens Bildungsminister tritt ab
Die Jugendproteste in Indien haben triumphiert, der Bildungsminister tritt zurück. Doch wie geht es weiter mit der Bewegung? Ein Experte ordnet die Zukunft der "Kakerlaken" ein.
Es geht ihnen um Gerechtigkeit: Anhänger der Kakerlaken-Partei fordern in Indien bessere Chancen für junge Erwachsene und politische Reformen. Ein Protest mit Aussicht auf Erfolg? ZDFheute live.
25.07.2026 | 14:05 minDie "Kakerlaken"-Bewegung in Indien hat einen Erfolg gefeiert: Der Bildungsminister Dharmendra Pradhan hat sich dem Druck der Protestbewegung gebeugt und ist zurückgetreten. Unter den Anhängern der "Kakerlaken-Partei" brach lauter Jubel aus, wie Videos von einem seit Wochen besetzten Kundgebungsort in Neu-Delhi zeigen. Die Proteste wollen sie nun beenden.
Indiens Bildungsminister Dharmendra Pradhan tritt nach wochenlangen Protesten zurück.
Quelle: ImagoDer Name der Protestbewegung geht auf den Obersten Richter Surya Kant zurück. Vor rund zwei Monaten verglich er junge Arbeitslose mit "Kakerlaken" und "Parasiten". Die Aussage stieß auf viel Kritik, online formierte sich daraufhin die "Cockroach Janata Party", die "Kakerlaken-Partei". Aus dem Internetphänomen mit mittlerweile mehr als 26 Millionen Followern entwickelte sich schnell eine reale Protestbewegung, die Reformen verlangt.
Eine Kernforderung war der Rücktritt des Bildungsministers, der aus Sicht der Demonstrierenden die politische Verantwortung für einen Skandal übernehmen sollte. Zuletzt wurde der Aufnahmetest für das Medizinstudium annulliert. Die Fragen der Prüfung wurden vorab geleakt. Rund zwei Millionen Studierende mussten den Aufnahmetest deshalb wiederholen. Zu solchen Skandalen kommt es in Indien immer wieder.
Bei einer Demonstration der regierungskritischen Kakerlaken-Partei in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi hat es Dutzende Verletzte gegeben. Zu den Forderungen gehören Reformen im Bildungsbereich.
21.07.2026 | 0:22 minBei ZDFheute live erklärt Christoph Mohr, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Neu-Delhi, was die Kakerlaken-Partei in dem Land verändern kann.
Sehen Sie das ganze Interview oben oder lesen Sie es hier in Auszügen:
Was will die Kakerlaken-Partei verändern?
Die Demonstrationen der Kakerlaken-Bewegung haben laut Christoph Mohr großen Zulauf, die Proteste breiteten sich sehr schnell aus. Die Kritik richte sich vor allem gegen das Bildungssystem.
Dabei gehe es um mehr als nur den jüngsten Skandal, es gehe auch um Wachstum und Arbeitsplätze. Das Medizinstudium sei für viele junge Inderinnen und Inder eine der wenigen Aufstiegsmöglichkeiten. Der landesweite Medizinertest bilde demnach "eines dieser Nadelöhre, durch das man gehen muss, um ein gutes Leben zu haben", so der Experte.
Tausende Menschen haben in Indiens Hauptstadt gegen Premierminister Modi protestiert. Sie forderten seinen Rücktritt und den des Bildungsministers Pradhan. Auslöser sind Vorwürfe von Korruption.
20.07.2026 | 0:20 minIst die Bewegung eine Gefahr für Premier Modi?
Die Regierung von Premierminister Narendra Modi habe die Proteste wochenlang ausgeblendet, bis die Demonstrationen größer wurden und über die Hauptstadt hinausgingen, sagt Mohr. Dass nun Bildungsminister Pradhan seinen Rücktritt erklärte, sei bemerkenswert. Denn Modis Partei agiere nach den letzten Wahlerfolgen eigentlich aus einer sehr stabilen Position heraus.
"Modi und seine Partei sind durchaus sehr, sehr stark", erklärt Mohr. Für die Regierung sei die Kakerlaken-Bewegung dennoch "die größte Herausforderung der dritten Amtszeit". Im indischen Parlament seien die Proteste ebenfalls Thema, nicht zuletzt wegen der Frage nach der "Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes", sagt Mohr. Zuvor hatte die Polizei Proteste teils gewaltsam niedergeschlagen.
Wie geht es weiter mit der Kakerlaken-Partei in Indien?
In welche Richtung sich die Kakerlaken-Partei entwickeln und welchen Einfluss sie künftig haben wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorherzusagen, analysiert Mohr. Klar sei, dass Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Wachstumsökonomie auch in Zukunft diskutiert würden.
Zu beobachten bleibe die Rolle der Opposition um Anführer Rahul Gandhi, der sich zuletzt auch sehr bildstark mit der Protestbewegung verbündet hatte. Das sei keine ungewöhnliche Strategie, sagt Mohr. Die Opposition sehe darin eine Chance, ihre eigene Position zu verbessern und an Zustimmung zu gewinnen.
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Barbara Parente. Zusammengefasst hat es ZDF-Redakteurin Merit Tschurer.
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