Uber Eats und Deliveroo in der Kritik:Mieser Lohn und Ausbeutung: Frankreichs Lieferfahrer klagen
von Lukas Nickel, Paris
Mehrere Fahrerorganisationen haben in Frankreich Uber Eats und Deliveroo verklagt. Sie kritisieren schlechte Bezahlung, lange Arbeitszeiten und mangelnde Absicherung.
In Frankreich haben Hilfsorganisationen Anzeige gegen Uber Eats und Deliveroo erstattet. Sie werfen den Lieferdiensten "Menschenhandel", Ausbeutung und prekäre Arbeitsbedingungen vor.
27.05.2026 | 2:21 minJumoh ist unterwegs im Osten von Paris. Er transportiert mehrere Einkaufstaschen, Ziel ist eine Kundin im 20. Arrondissement. Heute hat er Glück, die Kundin wartet auf ihn an der Tür. "Manchmal bestellen die Leute mehrere Wasserträger, die man dann die Etagen hochschleppen muss", erzählt Jumoh von seinem Alltag, und von den Rückenschmerzen, die ihn schon mit Ende 20 plagen.
Wenig Geld pro Fahrt - gar keins für Wartezeiten
Für die Lieferung bekommt er nach eigener Aussage für etwas mehr als eine halbe Stunde Arbeit rund sechs Euro. Die Kundin sagt auf Nachfrage noch schnell, dass sie ja wisse, dass die Fahrer wenig verdienen. Aber heute sei ihr Kind krank, da habe sie keine Wahl gehabt.
Um genug zu verdienen und für seine Frau und sein Kind zu sorgen, muss Jumoh früh anfangen und lange arbeiten. Ein Tag bedeutet für ihn, auch mal 12 Stunden draußen zu sein, bei Wind und Wetter. Kosten - etwa für Rad oder Roller, Benzin und Reparaturen - müssen die Fahrer selbst tragen, erzählt Jumoh.
Ob Student, Mini-Jobber oder Vollzeit angestellt - sie alle geben Gas, um uns das Essen nach Hause zu bringen. Doch oft arbeiten die Kuriere unter prekären Bedingungen.
30.09.2025 | 9:00 minKlage gegen Uber Eats und Deliveroo wegen Ausbeutung
Jumoh ist einer von schätzungsweise 70.000 Lieferfahrern in Frankreich. Vier Organisationen, die Lieferfahrer unterstützen, werfen den Plattformen Uber Eats und Deliveroo "Menschenhandel" vor und haben Klage eingereicht.
Die Begründung: Plattformen würden ihre Fahrer zum Zwecke der Ausbeutung anwerben und unter unwürdigen Bedingungen arbeiten lassen. "Das System fußt auf Ausbeutung durch die Plattformen. Denn in dem Moment, da die schlechte Bezahlung beendet wird, haben die Plattformen kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr", erklärt Anwalt Thibault Laforcade, der die Klagenden vertritt.
Der deutsche Marktführer verschärft die Arbeitsbedingungen, plant Entlassungen und will Stellen outsourcen - gegen den Widerstand der Fahrer und ihrer Unterstützer.
12.08.2025 | 1:39 minBefragung zeigt schwierige Bedingungen
Dabei stützt sich Anwalt Laforcade auch auf eine aktuelle Befragung der Hilfsorganisation Médecins du Monde, an der auch Fahrerorganisationen beteiligt waren, die jetzt klagen. Teilgenommen haben rund 1.000 Menschen in Paris und Bordeaux, die für Lieferplattformen arbeiten.
Demnach arbeiten Fahrer durchschnittlich 63 Stunden pro Woche und verdienen weniger als sechs Euro brutto pro Stunde. Dabei sind Wartezeiten zwischen den Lieferaufträgen mit eingerechnet, für die es keine direkte Entlohnung gibt.
Fünf Jahre nach der Pandemie zeigt sich: Haben sich Lieferdienste für Lebensmittel bewährt? Sind sie wirtschaftlich tragfähig? Die Gewinner und Verlierer.
10.03.2025 | 4:14 minProblem: Fahrer haben oft keine Aufenthaltserlaubnis
Hugo Allouard vom Institut Mines-Télécom in Paris hat zu Lieferdiensten geforscht. Für den Wirtschaftswissenschaftler gibt es auch ein strukturelles Problem bei den Lieferfahrten: Viele Fahrer hätten keine Alternative auf dem Arbeitsmarkt, unter anderem wegen ihres Aufenthaltstitels. Dieser fehlt laut der Befragung von Médecins du Monde bei gut zwei Dritteln der Fahrer.
Diese bezahlen häufig eine Gebühr an Accountinhaber und fahren unter deren Namen. Die Arbeit für Plattformen würde ihnen zwar helfen, etwas Geld zu verdienen. Doch "die Plattformen können sich das zunutze machen, um die Entlohnung und Arbeitsbedingungen der Fahrer einzuschränken", so Allouard.
Unternehmen widersprechen
Die betroffenen Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück. Das ZDF hat die Plattformen um Stellungnahme gebeten. Sie antworten schriftlich.
"Deliveroo weist alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der Klage mit größter Schärfe zurück (…). Die Qualität der Arbeitsbedingungen, die Sicherheit und die faire Vergütung der Lieferanten, der täglichen Partner von Deliveroo, haben für Deliveroo große Priorität", so das Unternehmen schriftlich.
Uber Eats bestreitet "kategorisch diese Behauptungen, die weder unserem Modell noch unseren Werten entsprechen. Für diese Klage gibt es keine Grundlage." Die Untersuchung von Médecins du Monde würde auf einem "fundamentalen Unverständnis" der Arbeit als Lieferfahrer beruhen. Weiter heißt es, diese sei vor allem als komplementäre Arbeit zu verstehen und nicht als Vollzeitaktivität.
Immer mehr Menschen lassen sich Lebensmittel liefern. Der Onlinehandel mit Produkten des täglichen Bedarfs ist im letzten Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen.
31.01.2026 | 1:30 minKlage lässt Fahrer hoffen
Das zuständige Gericht in Paris hat sich auf ZDF-Anfrage nicht zum Stand der Klage geäußert oder diese bestätigt. Klägeranwalt Laforcade geht davon aus, dass es noch einige Monate dauern wird, bis sich neue Entwicklungen in dem Fall ergeben. Auch Jumoh ist für die Klage, denn er hofft, dass sich seine Arbeitsbedingungen dadurch verbessern. Bis dahin will er weiter Lieferungen ausfahren.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr Nachrichten aus Frankreich
Wetter in Europa:Briten und Franzosen ächzen unter Hitze
mit Video1:16Israelischer Polizeiminister:Frankreich verhängt Einreiseverbot für Ben-Gvir
mit Video1:06Gipfeltreffen "Africa Forward":Macron kündigt Milliarden-Investitionen für Afrika an
mit Video2:51