Dänemark-Wahl: Sozialdemokratin Frederiksen hofft auf Rückenwind

Wahl in Dänemark:Sozialdemokratin Frederiksen hofft auf Rückenwind

Claas Thomsen

von Claas Thomsen

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Mette Frederiksen - eine Sozialdemokratin dänischer Prägung. Sie hofft durch Härte in der Migrationspolitik und Meistern der Grönland-Krise auf eine dritte Amtszeit.

Dänische, schwedische und norwegische Polizeimotorräder patrouillieren vor dem EU-Gipfel in Amalienborg in Kopenhagen.

Dänemark gilt oft als Vorbild: hohe Löhne, niedrige Arbeitslosigkeit und ein starker Sozialstaat. Dahinter steckt ein System, das nicht nur unterstützt.

24.03.2026 | 8:09 min

Vor einem Monat hat die 48-jährige dänische Regierungschefin Mette Frederiksen Neuwahlen angesetzt - was ihr als Ministerpräsidentin zusteht. In der Hoffnung, dass ihr die Bewältigung des Konflikts mit den USA um Grönland von Wählerinnen und Wählern positiv angerechnet wird. Doch mittlerweile ist Grönland nur ein Thema unter vielen.

Ein großes, bestimmendes Thema gebe es nicht, sagt Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen. "Ein Grund für die diffuse Kampagne ist das zersplitterte Parteien-System", erläutert er. Es gebe nicht wirklich zwei große Parteien, die gegeneinander antreten.

Wir haben zwölf Parteien, die antreten - also viele, viele Konfliktlinien.

Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen

Unzufrieden sind die Dänen tendenziell nicht

Noch ein Grund ist aber: Unzufrieden sind die Dänen tendenziell nicht. Laut Umfragen zählen sie seit Jahren zu den glücklichsten Menschen der Erde. Der Lebensstandard ist hoch, die Wirtschaft wächst. Die Dänen wollen einfach, dass das so bleibt. Oder noch besser wird.

Zwei Fans aus Finnland lächeln vor dem EM-Spiel der Frauen zwischen Dänemark und Finnland im Stadium in Milton Keynes.

Forschende der Universität Oxford haben ihren Weltglücksbericht vorgestellt. Finnland belegt zum neunten Mal in Folge Platz 1 im Ranking, gefolgt von Island und Dänemark. Deutschland ist auf Platz 17.

19.03.2026 | 0:27 min

Migrationspolitik ist nur ein Thema unter vielen

Und: Die Migrationspolitik ist in Dänemark nur ein Thema unter vielen. Denn auch und gerade die dänischen Sozialdemokraten stehen an sich für eine harte Linie. Aus sozialdemokratischer Perspektive, um den Sozialstaat nicht zu überfordern.

Der sieht in Dänemark seine Aufgabe eher in der Förderung der Wirtschaft - durch gute Ausbildung etwa oder Kinderbetreuung. Dauerversorgung für Leistungsempfänger ist dagegen verpönt. Mit dieser Linie, die parteienübergreifend seit Jahren getragen wird, nahmen die dänischen Sozialdemokraten auch rechten Parteien den Wind aus den Segeln.

Aber: Die jetzige Regierung unterscheidet sich von der vorherigen Regierung, meint Politologe Frederik Hjorth. Dadurch, dass zu ihrer Regierungskoalition auch die Partei Moderaterne gehört. Sie sei relativ nachsichtig in der Migrationspolitik. Das habe wieder Raum für rechte Parteien geschaffen, so Hjorth.

Das Image der Sozialdemokraten, hart in der Migrationspolitik zu sein, hat gelitten.

Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen

Eine grönländische Flagge weht im Wind am 22.01.2026 in Nuuk.

Grönland hat eine lange Kolonialgeschichte. Nach Jahrhunderten als dänische Kolonie und dann Autonomieregion ringen die Grönländer um Unabhängigkeit.

27.01.2026 | 2:03 min

Streit um Massenhaltung von Schweinen

So bestimmte eine Vielzahl von Themen den Wahlkampf. Umweltparteien fordern etwa strengere Regeln für die Massenhaltung von Schweinen. Und einen besseren Schutz des Grundwassers vor den Folgen der intensiven Landwirtschaft. Rechte Parteien wollen eine noch härtere Migrationspolitik. Linke Parteien höhere Steuern, um den Sozialstaat zu finanzieren - was ein sehr strittiges Thema ist.

Egal ob die Regierung rechts oder links wird - im Großen und Ganzen wird sich das Bild nicht verändern.

Kristian, Jungwähler

Mette Frederiksen und den Sozialdemokraten wird, trotz Verlusten, ein Anteil von 20 Prozent der Wählerstimmen prognostiziert.

Damit wäre ihre Partei die stärkste Kraft. Die volksnahe Frederiksen könnte so erneut die Regierung bilden. Und sich fast beliebig Koalitionspartner suchen. Denn in Dänemark, wo es Tradition ist, sich zu duzen und nach der Wahl auch mit politischen Gegnern anzustoßen, scheinen ideologische Grenzen nicht unüberwindbar.

Claas Thomsen ist Korrespondent im ZDF-Skandinavienstudio Kiel.

Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 24.03.2026 ab 09:00 Uhr.

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