Latin-Pop-Superstar in San Francisco:Bad Bunny beim Superbowl: Warum sein Auftritt polarisiert
von Katharina Schuster, Maryland
Bad Bunny wird bei der Super-Bowl-Halbzeitshow auftreten. Studenten analysieren seine Musik an einer Universität, sein Auftritt wird politisch bekämpft. Warum der Star polarisiert
Bei der Halbzeitshow des Superbowls 2026 wird Bad Bunny als erster spanischsingender Solokünstler auftreten. Seine Fans jubeln, doch sein Auftritt polarisiert.
03.02.2026 | 5:35 minNormalerweise bringt er ganze Stadien zum Beben. Tausende singen seine Texte mit, Smartphones leuchten. An diesem Freitagvormittag aber steht Bad Bunny nicht auf der Bühne, sondern auf dem Lehrplan. In einem unscheinbaren Seminarraum im US-Bundesstaat Maryland diskutiert eine Handvoll Studierender über seine Songtexte - im Literaturkurs von Professor Quintero.
"Sie wollen mein Viertel und dass meine Großmutter geht", heißt es in einer Zeile. In einer anderen: "Verdammt, schon wieder ein Stromausfall." Die Studierenden sprechen über Gentrifizierung, über politische Ungerechtigkeiten, über das Leben im US-Außengebiet Puerto Rico.
Am Sonntag tritt Bad Bunny bei der Super-Bowl-Halbzeitshow auf, fast genauso berühmt wie das Football-Finale selbst. Dass er als erster Künstler komplett auf Spanisch singt, macht den Auftritt zu einem historischen Moment – und zu einem politischen Streitfall. Warum sein Auftritt polarisiert:
Bad Bunny nimmt Grammy entgegen
Streaming-Rekorde, globale Tourneen, mehrfache Grammy-Gewinne: Bei der Verleihung in diesem Jahr nimmt der Latin-Pop-Superstar erstmals den Preis für das beste Album entgegen. Und nutzt den Moment für eine klare Botschaft:
Bevor ich mich bei Gott bedanke, möchte ich sagen: ICE raus.
Bad Bunny, Grammy-Gewinner
Der Saal jubelt. Seine Worte gegen die US-Einwanderungsbehörde treffen den Nerv vieler im Publikum: "Wir sind keine Wilden, keine Tiere. Wir sind keine Fremden, wir sind Menschen. Und wir sind Amerikaner."
Ungewohnt politische Stimmung bei den Grammys: Bei der Preisverleihung nutzten Bad Bunny und Billie Eilish die Bühne für Kritik an der Einwanderungsbehörde ICE.
02.02.2026 | 1:35 minKonservative planen Gegenveranstaltung
Im Saal in Los Angeles ernten seine Sätze Applaus. Draußen, jenseits der Preisverleihungen und Universitätsseminare, klingt das zum Teil ganz anders. Bad Bunnys Auftritt beim Super Bowl polarisiert, nicht nur wegen seiner offenen Kritik an Donald Trump, sondern auch, weil er Spanisch singen wird. Wie immer.
Konservativen Gruppen ist das mitunter zu viel. Sie sprechen von einem "unamerikanischen" Auftritt und rufen zum Boykott auf, kündigen sogar eine Gegenveranstaltung an.
Die Debatte bleibt nicht nur kulturell. Aus dem Umfeld der Regierung kommen Drohungen, beim Super Bowl gezielt gegen Migranten vorzugehen.
Es gibt keinen Ort, an dem man Menschen, die sich illegal in diesem Land aufhalten, Zuflucht bieten kann. Auch nicht beim Super Bowl.
Corey Lewandowski, Berater des Heimatschutzministeriums
Inzwischen rudert das Heimatschutzministerium zurück. Ob es tatsächlich zu Razzien kommt, ist offen.
In den USA kommt nach der Erschießung von Alex Pretti durch einen US-Beamten zunehmend Kritik am Umgang der Trump-Regierung mit der Situation auf. Auch die Republikaner üben nun verstärkt Kritik.
26.01.2026 | 1:41 minBad Bunny ist Puerto-Ricaner
Seit letztem Jahr spielt Bad Bunny - bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio - keine Konzerte auf dem US-Festland mehr. Aus Sorge, die Einwanderungsbehörde könnte bei seinen Konzerten präsent sein und Fans einschüchtern – viele von ihnen Latinos, derzeit besonders im Fokus der US-Behörde.
Bad Bunny selbst stammt aus Puerto Rico, einem US-Außengebiet mit kolonialer Vergangenheit. Deshalb wird dort bis heute überwiegend spanisch gesprochen.
Quelle: ZDF
Die Insel gehört zu den Vereinigten Staaten, allerdings nicht als Bundesstaat, sondern als sogenanntes US-Außengebiet. Puerto-Ricaner sind US-Staatsbürger, leben jedoch mit eingeschränkten politischen Rechten. Wer auf der Insel lebt, darf etwa nicht an Präsidentschaftswahlen teilnehmen.
Bei den Grammy-Verleihungen in Los Angeles haben Künstler wie Latino-Rapstar Bad Bunny die Bühne für politische Statements genutzt – unter anderem gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE.
02.02.2026 | 1:39 minProfessor: Bad Bunny weigert sich, auf Englisch zu singen
Dass Bad Bunnys Auftritt polarisiert, weiß auch Professor Quintero in Maryland. "Er gibt nicht nach, weigert sich, seine Musik ins Englische zu übertragen. Seine Lieder erzählen vom Alltag in Puerto Rico", erklärt der Literaturwissenschaftler.
Die Art, wie er Politik durch Musik macht, ist raffiniert.
Juan Carlos Quintero-Herencia, Literatur-Professor
Trotz, oder gerade wegen, aller Drohungen hält Bad Bunny an seinem Plan fest. Sein Auftritt beim Super Bowl ist längst mehr als Unterhaltung, er ist ein Politikum. Offen bleibt, worüber nach dem Abpfiff mehr gesprochen werden wird: über den Sieger des größten Sportereignisses der USA oder über die Halbzeitshow des "bösen Häschens" Bad Bunny.
Katharina Schuster ist Reporterin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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