Europäer: Alexej Nawalny wurde von Moskau vergiftet

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Russischer Oppositionspolitiker:Europäische Länder: Alexej Nawalny wurde von Moskau vergiftet

von Ines Trams, München

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Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wurde nach Angaben mehrerer europäischer Länder vergiftet. Außenminister Wadephul und seine Kollegen beschuldigen den Kreml.

Außenminister Johann Wadephul spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz am 14. Februar 2026 in München.

"Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet,“ sagte Außenminister Wadephul in München. Nawalnys Witwe dankte den beteiligten europäischen Labors für deren Analysen.

14.02.2026 | 0:58 min

Zwei Jahre nach dem Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in einem Straflager am Polarkreis gibt es nach Angaben mehrerer europäischer Länder Belege für eine Vergiftung - und zwar mit einem Gift, auf das nur der russische Staat Zugriff hat. Russische Behörden hatten als Todesursache eine "Kombination von Krankheiten" angegeben. Daran gab es von Beginn an erhebliche Zweifel.

Wie die Außenminister von Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden und der Niederlande gegenüber dem ZDF bestätigen, wurde in Gewebeproben Nawalnys Epibatidin nachgewiesen - ein hochtoxischer Stoff, der ursprünglich in Pfeilgiftfröschen vorkommt.

Gewebeproben von Nawalny heimlich ins Ausland geschafft

Die Proben sollen demnach heimlich entnommen und zur Untersuchung ins westliche Ausland gebracht worden sein. In Laboren verschiedener europäischer Länder sei der Stoff unabhängig voneinander identifiziert worden.

29.02.2020, Russland, Moskau: Der russische Oppositionsaktivist Alexej Nawalny nimmt am 29. Februar 2020 an einer Demonstration zum Gedenken an den Oppositionsführer Boris Nemzow teil. Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist nach Angaben der Justiz in Haft gestorben.

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wurde nach Angaben mehrerer europäischer Länder vergiftet. Außenminister Wadephul und seine Kollegen beschuldigen den Kreml.

14.02.2026 | 0:15 min

Außenminister Johann Wadephul ist sich sicher, Nawalnys sterbliche Überreste "enthielten ein besonders starkes Nervengift, 'Epibaditin', dessen Wirkung 200 mal so stark ist wie Morphium. Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken."

Die fünf Staaten machen Russland und damit auch Präsident Wladimir Putin direkt verantwortlich. Klar sei, "die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, ein Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen", sagte Wadephul.

Nawalny war nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition, sondern auch ein Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister

"ZDFzeit: Der Fall Nawalny - Putin, das Gift und die Macht": Alexey Nawalny steht im Käfig im Gericht, bekleidet mit einem dunkelblauen Hoody und schaut direkt durch die Glasscheibe in die Kamera. Mit dem Rücken zur Kamera steht ein Polizist mit Kappe.

20. August 2020. Kreml-Gegner Alexej Nawalny besteigt ein Flugzeug. Ziel: Moskau. Kurz nach dem Start bricht er zusammen, fällt ins Koma. Ein internationaler Polit-Krimi beginnt.

30.03.2021 | 44:10 min

Nawalnys Witwe warf Russland schon früher Vergiftung vor

Bereits im vergangenen Jahr hatte Nawalnys Witwe Julija Nawalnaja von ausländischen Laborbefunden gesprochen und Russland eine Vergiftung vorgeworfen, ohne Details zu nennen. Sie forderte die Veröffentlichung aller Untersuchungsergebnisse.

Heute sagt sie dem ZDF: "Was hätte meinem Mann sonst in einem russischen Gefängnis passieren können? Aber jetzt verstehe ich es. Es sind nicht nur Worte, es ist ein wissenschaftlicher Beweis. Und ich weiß die Unterstützung aller Regierungen sehr zu schätzen."

Demonstrierende Anhänger Nawalnys

Nach Nawalnys Tod sucht die russische Opposition nach einer Strategie. Doch im Exil herrscht Streit, während Oppositionellen in Russland Repressionen drohen.

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Verdacht: Russland verfügt über verbotene Substanzen für chemische Waffen

Die beteiligten Staaten wollen ihre Erkenntnisse zudem an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) weiterleiten. Russland stehe im Verdacht, entgegen internationaler Verpflichtungen weiterhin über verbotene Substanzen zu verfügen.

Die geplante Erklärung am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz hat auch symbolische Bedeutung: Als Nawalnys Tod vor zwei Jahren bekannt wurde, erschütterte die Nachricht die Konferenzteilnehmer am ersten Veranstaltungstag.

Jahrestag des Todes von Kremlgegner Nawalny

Nawalny wäre heute 49 Jahre alt. An seinem Grab legen Menschen Blumen nieder. Gegen Oppositionelle geht Russland noch immer hart vor, Jekatarina Dunzowa etwa steht vor Gericht.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtet ZDFheute Xpress am 14.02.2026 um 15:11 Uhr.

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