Innovation aus Brandenburg:Schleifen statt Asphalt: Kopfsteinpflaster wird eben
von Marcus Groß
In Berlin und Brandenburg wird holpriges Kopfsteinpflaster geschliffen - in einem bisher einmaligen Verfahren. Das hat Vorteile für Radfahrer, Autofahrer und Anwohner.
Ein neues Schleifverfahren macht holpriges Kopfsteinpflaster fahrradfreundlich. Die Methode spart Kosten, erhält das Straßenbild und sorgt dafür, dass Regenwasser weiter versickern kann.
03.08.2026 | 2:43 minJeder, der schon einmal mit dem Fahrrad über Kopfsteinpflaster gefahren ist, weiß, wie unangenehm das sein kann. In Berlin und Brandenburg wurde nun ein Verfahren erprobt, das nach Angaben der Entwickler in dieser Form bislang weltweit einmalig ist. Mit einer Fräse wird die Kopfsteinpflasterstraße Millimeter für Millimeter abgetragen, bis eine ebene Fläche entsteht. Fachleute nennen das "Precision Grinding".
Zu sehen ist das gerade in der Berliner Hufelandstraße: Mit rund drei Stundenkilometern kriecht ein Prototyp über das holprige Pflaster und macht daraus eine glatte Fahrbahn. Für Radfahrer ein völlig neues Fahrerlebnis.
Früher war das eine Katastrophe. Jetzt schwebt man hier drüber.
Anwohner und Radfahrer Matthias
Wer mit dem Rad über das alte Pflaster wollte, wich oft auf den Gehweg aus und geriet dort mit Fußgängern in Konflikt.
380 Diamantscheiben tragen die Steine ab
Das Herzstück der Maschine ist eine Walze mit 380 Diamantschneidscheiben. Per Knopfdruck wird sie auf das Kopfsteinpflaster hinabgelassen. Sie trägt die Oberfläche ab und fräst zugleich feine Rillen ein. Im Schnitt verschwinden zwei bis zweieinhalb Zentimeter Stein, Lage für Lage. Wasser bindet den Staub sofort, der Schlamm wird abgesaugt. Nicht einmal eine Kante von einem Millimeter soll übrig bleiben.
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07.05.2026 | 0:46 minLeiser und sicherer
Die Rillen sorgen für Grip - bei Nässe und Laub rutscht kaum noch jemand weg. Und es wird ruhiger: Laut Untersuchungen des Fräsdienstes sinken die Reifengeräusche um vier bis fünf Dezibel.
Ein weiterer Punkt: Der historische Charakter der Straße bleibt erhalten. Material und Fugenbild verändern sich kaum, ein Vorteil dort, wo das Pflaster unter Denkmalschutz steht.
Entwickelt in Brandenburg
Bereits eingebaute Pflastersteine zu schleifen - das gab es bisher nicht. Entwickelt wurde der Ansatz im Reallabor Nudafa, einem Forschungsprojekt der Gemeinde Eichwalde und der TH Wildau.
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29.04.2026 | 5:25 min"Ein Granitstein hat schon eine gewisse Härte", sagt Eric Feind vom Fräsdienst E. Feind. Ob das teure Werkzeug - 70.000 bis 100.000 Euro - den harten Stein aushält, war lange unklar. "Die große Angst war, dass beim ersten Schleifen alles kaputtgeht." Es ging gut.
Die Idee kommt aus Eichwalde
Geboren wurde die Idee in Eichwalde bei Berlin. 36 Kilometer Straße gibt es dort, 22 davon bestehen aus Kopfsteinpflaster. "So eine Straße ist praktisch nicht befahrbar", sagt Christoph Kollert, früher Projektleiter der Gemeinde.
Ziel war, die Straßen bezahlbar befahrbar zu machen - ohne kompletten Umbau. Das Straßenpflaster wird vorab per 3D-Laser vermessen und die Schleiftiefe am Computer simuliert.
Günstiger als ein Neubau
In Eichwalde wurden 330 Meter Kopfsteinpflaster abgeschliffen. Eine Asphaltierung wäre deutlich teurer gewesen, sagt Jörg Jenoch, Bürgermeister der Gemeinde: "Ein grundhafter Ausbau" - mit neuem Schotter, Entsorgung und Kanalisation. Das Schleifen sei viel schneller und billiger, eine Straße war in wenigen Tagen fertig.
Schleifen ist kostengünstig: Das Schleifen kostet rund 80 bis 120 Euro pro Quadratmeter, eine zweilagige Asphaltdecke 80 bis 160 Euro, eine komplette Neupflasterung 110 bis 240 Euro. Bei Asphalt kommt oft noch die Entwässerung dazu.
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15.12.2021 | 44:21 minZwischen den Steinen versickert der Regen weiterhin, eine aufwendige Kanalisation entfällt. Das hilft den Bäumen und kühlt die Stadt. Natursteinpflaster heizt sich zudem weniger auf als Asphalt.
Nicht jede Straße eignet sich
Grenzen hat das Verfahren trotzdem: Sehr unebenes Pflaster oder kleines Mosaikpflaster lässt sich nur schwer schleifen, oft sind manuelle Vorarbeiten nötig. Und nicht alle sind überzeugt.
Manche Anwohner und Geschäftsleute bezweifeln, dass Radfahrer nach dem Schleifen wirklich vom breiten Gehweg auf die Straße wechseln. Der Konflikt mit Fußgängern, gerade mit Kindern, könnte bleiben.
Große Nachfrage
Bundesweit gibt es bislang nur zwei dieser Spezialmaschinen. Im Einsatz waren sie bereits in Bayern, Thüringen, Berlin und Brandenburg. Als Nächstes geht es nach Nordrhein-Westfalen. Die Nachfrage aus Städten und Gemeinden wächst, auch wenn nach Angaben der Firma noch viel Überzeugungsarbeit nötig ist.
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