Wenn ein Virus ganze Bestände bedroht :Newcastle-Krankheit auf dem Vormarsch
von Arta Ramadani
Nach rund 30 Jahren ist das Newcastle-Virus zurück: Es ist hochansteckend, betrifft vor allem Vögel - und stellt Landwirte in Deutschland derzeit vor erhebliche Probleme.
Das hochansteckende Newcastle-Virus stellt die Landwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen. Noch vor rund 30 Jahren galt es in Deutschland als weitgehend ausgerottet – nun ist es zurück.
30.03.2026 | 3:31 minMit Stand vom 27. März wurden 45 Ausbrüche der Newcastle-Krankheit bei Geflügel bzw. gehaltenen Vögeln registriert. Davon entfallen 31 Fälle auf Berlin-Brandenburg und 14 auf Bayern, wie aktuelle Zahlen des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigen.
Die hoch ansteckende Viruserkrankung stellt die Landwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen. Noch vor rund 30 Jahren galt sie in Deutschland als weitgehend ausgerottet - nun ist sie zurück.
In den letzten Jahren sind mehrere Tierseuchen parallel oder kurz hintereinander in Deutschland und Europa aufgetreten. International waren sowohl die Newcastle-Krankheit als auch die Geflügelpest omnipräsent.
Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut
Die Newcastle-Krankheit ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Vögel betrifft - insbesondere Hühner, Puten und Tauben. Allein in Brandenburg sind bereits rund eine Million Tiere betroffen. In Bayern werden über 200.000 Tiere in Mitleidenschaft gezogen.
- Atemnot
- Durchfall
- Apathie
- Leistungsabfall (Hühner legen weniger Eier)
- Lähmungserscheinungen
- in schweren Fällen hohe Sterblichkeit
Für Menschen unbedenklich
Für den Menschen gilt die Krankheit überwiegend als unbedenklich. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einer Bindehautentzündung kommen. Für Tiere hingegen ist sie hochgefährlich.
Der amtliche Tierarzt Paul Meisner vom Veterinäramt Dahme-Spreewald beschreibt die Lage:
Wir haben Mortalitätsraten zwischen 90 und 100 Prozent.
Tierarzt Paul Meisner vom Veterinäramt Dahme-Spreewald
"Die Tiere sind sehr stark betroffen. Teilweise, wenn sie nicht geimpft sind, sterben sie wirklich qualvoll", so Meisner weiter. Die Krankheit kann zudem unter bestimmten Umständen unentdeckt bleiben, da nicht jede Infektion einen schweren Verlauf nimmt.
Besonders bei Ausbrüchen mit schweren Symptomen wird sie jedoch schnell sichtbar.
Aufmerksamkeit bei Tierhaltern derzeit hoch
"Derzeit ist die Aufmerksamkeit bei Tierhalterinnen und Tierhaltern sowie den Veterinärbehörden sehr hoch", sagt Elke Reinking vom Friedrich Loeffler Institut. "Die Früherkennung durch virologische Untersuchungen spielt eine entscheidende Rolle."
Der bestmögliche Schutz besteht daher aus einer Kombination von Impfung und konsequenten Hygienemaßnahmen.
Das Friedrich-Löffler-Institut zählt innerhalb einer Woche 20 neue Ausbrüche in Geflügelbeständen, 184 bei Wildvögeln. Nach dem Saarland gilt ab heute auch in Hamburg eine Stallpflicht.
31.10.2025 | 2:21 minDie wirtschaftlichen Folgen können gravierend sein: Für Unternehmen kann ein Ausbruch existenzbedrohend werden.
Im Vergleich zur Geflügelpest H5N1, die seit September 2025 in Deutschland kursiert, hat die Newcastle-Krankheit innerhalb von nur fünf Wochen – gemessen an betroffenen Haltungen pro Zeiteinheit – zu größeren Tierverlusten geführt, so Reinking.
Rückkehr mehrerer Tierseuchen
Die Newcastle-Krankheit ist kein Einzelfall. Auch andere Tierseuchen treten zunehmend wieder auf, darunter die Afrikanische Schweinepest, die Blauzungenkrankheit, die Geflügelpest und die Maul- und Klauenseuche.
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08.12.2025 | 2:05 minDarüber hinaus traten weitere verlustreiche Virusinfektionen wie die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) im vergangenen Jahr in Nachbarländern auf. Auch die Pest der kleinen Wiederkäuer (PPR) sowie Schaf- und Ziegenpocken wurden im südöstlichen Europa registriert.
Damit steigt nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts auch für Deutschland das Risiko einer Einschleppung solcher Tierseuchen weiter an.
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